Papst Leo XIV. fordert in Argentinien Hilfe für Arme
Veröffentlicht am: 09.11.2026 um 00:02 Uhr | dpa, AD HOC NEWSArgentiniens gesellschaftliche Herausforderungen
- Präsident Javier Milei empfing Leo XIV. am Flughafen von Buenos Aires und traf ihn anschließend im Präsidentenpalast.
- Der Papst verwies auf eine offizielle Armutsquote von einem Drittel in dem 46-Millionen-Einwohner-Land.
- Leo XIV. bleibt bis Mittwoch in Argentinien und warnt vor den Folgen der Abwanderung junger Menschen.
Leo XIV. mahnt in Buenos Aires zu sozialer Verantwortung
Papst Leo XIV. hat zum Auftakt seines Besuchs in Argentinien mehr Rücksicht auf arme und schwache Gruppen gefordert. Nach seiner Ankunft in Buenos Aires sprach er sich vor Präsident Javier Milei für eine Wirtschaft aus, die dem Menschen dient.
Appell an Politik und Gesellschaft
„Zu Hause wird uns beigebracht, uns um die Schwachen zu kümmern, zu vergeben, zu teilen und denen beizustehen, die Hilfe brauchen“, sagte Leo in einer Rede vor Vertretern aus Politik, Religion und Zivilgesellschaft. Wirtschaftliches Wachstum müsse auch Menschen erreichen, die mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen hätten.
Milei begrüßte den Papst persönlich am Flughafen der Hauptstadt. Nach einem Gespräch im Präsidentenpalast äußerte sich Leo vor Politikern, Religionsvertretern und Mitgliedern der Zivilgesellschaft.
Familien, Macht und Verantwortung
Der Papst verwies besonders auf notleidende Familien. Im Beisein Mileis sagte er: „Wer Macht hat, hat auch die Pflicht, umsichtig zu handeln, die Grenzen der ihm anvertrauten Macht anzuerkennen und seine Entscheidungen auf das Wohl der ganzen Gemeinschaft auszurichten.“
Mit Blick auf junge Argentinier, die ihre Zukunft in Ländern wie Spanien oder Italien suchen, forderte Leo ein stärkeres Bildungswesen und eine bessere berufliche Ausbildung. Zugleich verlangte er ein entschiedeneres Vorgehen gegen organisierte Kriminalität, Menschenhandel und Korruption.
Soziale Härten unter Milei
Argentinien wird seit 2023 von Milei regiert, der mit einer marktradikalen „Kettensägen-Politik“ angetreten war. Die Inflation ging seither massiv zurück, und die Wirtschaft wächst wieder; zugleich gibt es Kritik an den sozialen Härten der Reformen.
Nach einer offiziellen Statistik gilt ein Drittel der 46 Millionen Einwohner als arm. Zudem verlassen vor allem junge Menschen das Land. Leo sagte, eine Nation müsse sich ernsthaft fragen, wo sie versagt habe, wenn ihre Jugend die Heimat verlassen müsse, um ihre Träume zu verwirklichen.
Erster Papstbesuch seit 1987
Leo XIV. hält sich bis Mittwoch in Argentinien auf. Der letzte Papstbesuch dort fand 1987 statt, als Johannes Paul II. das Land bereiste.
Leos verstorbener Vorgänger Franziskus wurde in Buenos Aires geboren, kehrte nach seiner Wahl zum Papst aber nicht mehr in seine Heimat zurück. Vermutet wird, dass er eine politische Vereinnahmung vermeiden wollte.
Weniger Katholiken in Argentinien
Auch die katholische Kirche verliert in Argentinien an Bindungskraft. Schätzungen zufolge bekennt sich noch etwa die Hälfte der Bevölkerung zum katholischen Glauben.
Der Besuch fällt in eine Phase, in der Argentinien wirtschaftlich zwar stabilere Kennzahlen meldet, die sozialen Folgen der Reformpolitik aber weiter den politischen Alltag prägen. Die dpa-Meldung nennt eine Armutsquote von einem Drittel der Bevölkerung und verweist auf die Abwanderung junger Menschen.
Damit richtet Leo XIV. seine erste Argentinien-Botschaft an zwei Ebenen: Er formuliert allgemeine Grundsätze katholischer Soziallehre und spricht zugleich konkrete Probleme des Landes an. Seine Forderungen nach stärkerer Bildung, beruflicher Ausbildung und einem Vorgehen gegen organisierte Kriminalität, Menschenhandel und Korruption verbinden soziale, wirtschaftliche und institutionelle Fragen.
Politische Bedeutung des Besuchs
Die Begegnung mit Javier Milei hat besondere Symbolkraft. Fast vier Jahrzehnte nach dem letzten Papstbesuch empfängt ein Präsident den Nachfolger des aus Buenos Aires stammenden Franziskus. Leo vermeidet dabei eine direkte parteipolitische Auseinandersetzung, setzt mit dem Hinweis auf die Verantwortung politischer Macht aber einen klaren Maßstab für staatliches Handeln.
Für die Bevölkerung ist der Besuch auch kirchlich bedeutsam. In Argentinien bekennt sich nach Schätzungen nur noch etwa die Hälfte der Menschen zum katholischen Glauben. Der Papst muss daher soziale Erwartungen, die Erinnerung an Franziskus und den anhaltenden Wandel religiöser Bindungen zugleich ansprechen.
Weitere Stationen der Südamerika-Reise
Leo XIV. bleibt bis Mittwoch in Argentinien und setzt seine Reise anschließend fort. Der Aufenthalt verbindet damit eine innenpolitisch sensible Botschaft mit dem Versuch, die katholische Kirche in einer Region sichtbar zu halten, in der soziale Ungleichheit, Migration und schwindende Kirchenbindung eng miteinander verbunden sind.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „Papst Leo XIV. in Argentinien eingetroffen - Empfang durch Präsident Milei“ (08.11.2026)
Der Artikel bestätige die Ankunft in Buenos Aires und den Empfang durch Javier Milei. Anders als die dpa-Meldung betone er zusätzlich das viertägige Besuchsprogramm, geplante Gottesdienste und die erwartete große Zahl von Besuchern sowie die Vorgeschichte des Verhältnisses zwischen Milei und Franziskus.
Frankfurter Rundschau: „Papst Leo als sozialpolitischer Missionar unterwegs“ (08.11.2026)
Der Beitrag ordne Leos Reise als sozialpolitisch ausgerichteten Auftritt ein und verweise auf Armut, Gesundheitsversorgung und die politische Situation in Argentinien. Im Unterschied zur dpa-Meldung liege der Schwerpunkt auf dem regionalen Kontext und der Rolle der Kirche angesichts sinkender katholischer Bindung; offen bleibe, welche konkreten politischen Folgen Leos Appell haben werde.
Beide Beiträge bestätigten den Empfang durch Milei und die besondere Bedeutung des ersten Papstbesuchs seit Jahrzehnten. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Während die dpa-Meldung Leos konkrete Forderungen in Argentinien herausstelle, konzentrierten sich die anderen Beiträge stärker auf Programm, Vorgeschichte und die regionale soziale Agenda.
