Oleschky, Cherson

Oleschky-Flüchtlinge fliegen aus Anapa nach Gomel weiter

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 08:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Geretteten sollen von Belarus aus in die Ukraine weiterreisen. Zugleich steht das zeitlich begrenzte Abkommen im Gebiet Cherson vor seinem Ende.

Ausreise über Anapa und Gomel

  • Russische Militärmaschinen brachten die Geretteten aus Anapa gemeinsam mit Dmytro Lubinez nach Gomel.
  • Von Belarus aus sollen die Menschen in die Ukraine weiterreisen.
  • Für die Waffenruhe im Gebiet Cherson ist das Ende am Sonntagabend vorgesehen.
Die Menschenrechtsbeauftragten von Russland, Jana Lantratowa (l), und der Ukraine, Dmytro Lubinez (M, schwarze Kappe), können sich auch künftig weitere gemeinsame Hilfsaktionen vorstellen. - Bild: Ulf Mauder/dpa

Evakuierte aus Oleschky reisen über Gomel weiter

Die aus der von Moskaus Truppen besetzten Frontstadt Oleschky geretteten Menschen sind aus der russischen Schwarzmeer-Stadt Anapa ausgeflogen worden. Russische Militärmaschinen brachten sie gemeinsam mit dem ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinez nach Gomel in Belarus.

Weiterreise in die Ukraine

Von Gomel aus sollen die Menschen in die Ukraine weiterreisen, wie das russische Verteidigungsministerium am Morgen mitteilte. Konkrete Angaben zur Zahl der am Vortag Geretteten lagen zunächst weiterhin nicht vor.

Mehr als 200 Menschen verlassen die Stadt

Dem Vernehmen nach verließen mehr als 200 Menschen Oleschky in dem von Russland annektierten Gebiet Cherson in Richtung Ukraine. Dutzende weitere Menschen entschieden sich für die Ausreise in von Russland kontrollierte Gebiete.

Die Menschen konnten nach russischen und ukrainischen Angaben zwischen Ausreise und Verbleib in der Trümmerstadt wählen. Dutzende Flüchtlinge waren vor der Weiterreise vorübergehend in Simferopol auf der annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim untergebracht worden.

Mehr als 1.000 Menschen könnten noch dort leben

In der von der Außenwelt abgeschotteten Stadt könnten noch mehr als 1.000 Menschen leben. Vor dem Krieg hatte Oleschky rund 24.000 Einwohner.

Die Region ist stark vermint und mit zahlreichen Panzersperren versehen. Das russische Militär riegelt sie ab; zugleich gelten ukrainische Drohnenangriffe als besonders gefährlich.

Waffenruhe endet am Sonntagabend

Lubinez und seine russische Kollegin Jana Lantratowa hatten die Evakuierung am Freitag persönlich begleitet. Beide dankten US-First-Lady Melania Trump für die Vermittlung einer mehrtägigen Waffenruhe.

Sie stellten mögliche weitere humanitäre Aktionen für notleidende Menschen in Frontstädten in Aussicht. Die Waffenruhe für das teils von Russland, teils von der Ukraine kontrollierte Gebiet Cherson endet am Sonntagabend.

Die Evakuierung aus Oleschky fällt in eine begrenzte Feuerpause, die den Zugang zu einer seit Jahren umkämpften und weitgehend abgeschotteten Stadt ermöglicht hat. Oleschky liegt im Gebiet Cherson am Dnipro, dessen Ufer von den Kriegsparteien kontrolliert werden. Die Stadt hatte vor dem Krieg rund 24.000 Einwohner; die verbliebene Bevölkerung lebt unter Bedingungen, die durch zerstörte Infrastruktur, Minen und wiederkehrende Drohnenangriffe geprägt sind.

Die Route über russisch kontrollierte Gebiete, Anapa und Gomel ist eine unmittelbare Folge der Frontlage. Für die Ausreisenden bedeutet sie zunächst keinen direkten Weg in ukrainisch kontrolliertes Gebiet, sondern einen mehrstufigen, politisch und logistisch sensiblen Korridor. Die gemeinsame Begleitung durch die Menschenrechtsbeauftragten beider Seiten zeigt, dass begrenzte Absprachen selbst unter Kriegsbedingungen möglich sind. Sie ersetzt jedoch keine politische Verständigung über die Kontrolle der Region.

Feuerpause als begrenztes Zeitfenster

Mit dem Ende der Waffenruhe am Sonntagabend steigt der Druck, die verbliebenen Menschen rasch weiterzubringen. Zugleich bleibt offen, ob Russland und die Ukraine vergleichbare humanitäre Aktionen an anderen Frontabschnitten zulassen. Für die Zivilbevölkerung in Cherson und angrenzenden Orten entscheidet sich die praktische Bedeutung der Vereinbarung daran, ob Transporte, Versorgung und Ausreisen auch nach diesem einzelnen Einsatz organisiert werden können.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDF: „Ukraine: Einwohner während Waffenruhe aus Oleschky evakuiert“ (30.10.2026)

Der Beitrag hebt neben der Evakuierung auch die Lieferung von Hilfsgütern und die schwierigen Lebensbedingungen in Oleschky hervor. Anders als die dpa-Meldung legt er den Schwerpunkt stärker auf die humanitäre Dimension und die Vorgeschichte der Stadt als Frontgebiet.

taz: „Waffenstillstand in Oleschky: Humanitäres, Handeschütteln und bleibendes Misstrauen“ (30.10.2026)

Der Artikel beschreibt die Zusammenarbeit der Menschenrechtsbeauftragten und die örtliche Waffenruhe. Zugleich betont er das anhaltende Misstrauen zwischen den Seiten und ordnet die Chancen auf eine Verlängerung der Feuerpause zurückhaltend ein.

Beide Beiträge bestätigen die Evakuierung und die humanitäre Funktion der Waffenruhe. Unterschiede bestehen vor allem beim Schwerpunkt: Während der ZDF-Bericht Versorgung und Ausreise beleuchtet, stellt die taz die politische Kooperation und ihre Grenzen heraus.

Disclaimer...
de | ausland | 70437728 |