Hendrik Wüst beendet Türkei-Reise mit Wirtschaftskonferenz in Istanbul
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 17:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst beendet seine dreitägige Türkei-Reise am Mittwoch mit einer Wirtschaftskonferenz in Istanbul.
Unternehmensvereinbarungen geplant
Im Rahmen der Konferenz sollen mehrere Vereinbarungen zwischen Unternehmen unterzeichnet werden. Nordrhein-Westfalen handelt jährlich Waren und Dienstleistungen im Wert von rund zehn bis zwölf Milliarden Euro mit der Türkei. Das entspricht etwa einem Fünftel des gesamten deutsch-türkischen Handelsvolumens.
Nach Angaben der Landesregierung sind mehr als 1.300 türkische Unternehmen in Nordrhein-Westfalen aktiv. Die Wirtschaftskonferenz soll die bestehenden Geschäftsbeziehungen sichtbar machen und weitere Kooperationen anstoßen.
Erinnerung an Anwerbeabkommen
Außerdem ist ein Stadtrundgang mit dem 91-jährigen Sabri Aydin geplant. Er kam 1961 als einer der ersten sogenannten Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland.
Das damals geschlossene Abkommen zur Anwerbung türkischer Arbeitskräfte ist der Anlass für Wüsts Reise. Innerhalb von zwölf Jahren kamen fast 900.000 Türkinnen und Türken nach Deutschland. Viele arbeiteten in Fabriken oder im Bergbau.
Auftakt in Ankara
Wüst hatte die Reise in Ankara begonnen. Dort traf er den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, drei Minister und Vertreter der Opposition.
Nach den politischen Gesprächen in der Hauptstadt führt der letzte Reisetag nun nach Istanbul. Dort stehen wirtschaftliche Kontakte und die Verbindung zwischen der Türkei und Nordrhein-Westfalen im Mittelpunkt.
Wirtschaftliche Beziehungen als Schwerpunkt
Die Türkei gehört für Nordrhein-Westfalen zu den wichtigsten außereuropäischen Wirtschaftspartnern. Das Handelsvolumen bewegt sich nach Angaben der Landesregierung im zweistelligen Milliardenbereich; türkische Unternehmen sind zudem in großer Zahl im Land aktiv. Die Konferenz in Istanbul soll diese Verbindung durch konkrete Unternehmensvereinbarungen vertiefen.
Der wirtschaftliche Austausch steht zugleich in einem größeren europäischen Rahmen. Eine Modernisierung der Zollunion zwischen der EU und der Türkei könnte Handelsbedingungen erweitern, ist politisch aber mit Fragen der Rechtsstaatlichkeit und der Menschenrechtslage verbunden. Wüst hatte diese Themen bei seinem Treffen mit Präsident Recep Tayyip Erdogan angesprochen und zugleich für engere wirtschaftliche Kooperation geworben.
Migration prägt die Verbindung
Der Besuch des 91-jährigen Sabri Aydin verweist auf die persönliche und gesellschaftliche Dimension der Reise. Aydin kam 1961 als einer der ersten türkischen Arbeitsmigranten nach Deutschland. Insgesamt kamen innerhalb von zwölf Jahren fast 900.000 Menschen aus der Türkei, viele von ihnen arbeiteten in Industrie, Bergbau und Infrastruktur.
Nordrhein-Westfalen ist von dieser Geschichte besonders geprägt: Rund eine Million Menschen mit türkischen Wurzeln leben dort. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet die Reise deshalb mehr als einen Wirtschaftstermin. Sie verbindet aktuelle Geschäftsinteressen mit der Erinnerung an eine Einwanderungsgeschichte, deren Folgen Familien, Arbeitsmarkt und Kommunen bis heute prägen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: „Wüst in der Türkei: Was hinter seinem Treffen mit Erdogan steckt“ (29.09.2026)
Der Bericht bestätige den politischen und wirtschaftlichen Schwerpunkt der Reise und hebe hervor, Wüst habe auch Menschenrechtsfragen angesprochen. Anders als die dpa-Meldung richte der WDR den Blick zusätzlich auf die innenpolitische Bedeutung des Auftritts und die bevorstehende Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen.
Tagesspiegel: „Unterwegs mit dem Reservekanzler: Hendrik Wüsts erstaunliche Türkei-Reise“ (28.09.2026)
Der Artikel bestätige Wüsts Termine in Ankara und Istanbul sowie die Bedeutung der Wirtschaftsbeziehungen. Er setze einen deutlich stärkeren Schwerpunkt auf die Debatte über Wüsts mögliche Rolle in der Bundespolitik; offen bleibe dabei, wie stark diese Personaldebatte den eigentlichen Anlass der Reise überlagere.
Beide Berichte stellten die enge Verbindung zwischen NRW und der Türkei heraus. Während der WDR vor allem das Verhältnis von Dialog und politischen Differenzen beleuchte, ordne der Tagesspiegel die Reise stärker in die deutsche CDU- und Kanzlerdebatte ein.
