Netanjahu verteidigt Gaza-Krieg und Iran-Angriffe vor der UN
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 22:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIsraels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bei der UN-Generaldebatte in New York den israelischen Kurs im Gazastreifen und gegenüber dem Iran verteidigt, während zahlreiche Delegierte den Saal verließen und außerhalb des Hauptquartiers protestiert wurde.
Netanjahu weist Völkermordvorwürfe zurück
„Israel des Völkermords zu bezichtigen, ist die größte Lüge des Jahrhunderts“, sagte Netanjahu in seiner Rede. Israel habe keinen Völkermord begangen, sondern einen Völkermord verhindert, erklärte er mit Blick auf die Hamas.
Wenige Stunden zuvor hatte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas Israel in einer per Video übertragenen Ansprache einen „Völkermordkrieg“ im Gazastreifen vorgeworfen. Netanjahu wies internationale Vorwürfe gegen Israel zurück und griff seine Kritiker an.
Delegationen verlassen den Saal
Als der israelische Regierungschef an das Rednerpult trat, standen zahlreiche Delegationen auf und verließen den Raum. Auch vor dem UN-Gebäude demonstrierten Dutzende Menschen gegen Netanjahus Teilnahme an der Generaldebatte; nach Angaben der New Yorker Polizei wurden mehrere Menschen in Gewahrsam genommen.
Unter den Festgenommenen waren Medienberichten zufolge auch die Schauspielerinnen Susan Sarandon und Hannah Einbinder. Netanjahu steht wegen des israelischen Vorgehens im Gazastreifen international stark unter Druck. Auch viele westliche Partner gingen auf Distanz zu seiner Regierung.
Streit mit New Yorks Bürgermeister
Netanjahu bezeichnete New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani als „antisemitischen Bürgermeister von New York“. Mamdani gehört zu den schärfsten Kritikern des israelischen Regierungschefs in den USA und bezeichnet ihn als Kriegsverbrecher.
Netanjahu landete wegen Abstimmungsschwierigkeiten und der Sorge, Mamdani könne ein längeres Abstellen der israelischen Regierungsmaschine am Flughafen JFK verhindern, in New Jersey. Fast zeitgleich teilte Mamdani mit, er habe mit einer palästinensischen Familie aus Gaza einen Olivenbaum an seinem Amtssitz gepflanzt.
Auch Angriffe auf Iran verteidigt
Netanjahu rechtfertigte zudem die Angriffe auf iranische Atomanlagen. Deren Zerstörung sei schwierig gewesen, aber eine der leichtesten Entscheidungen seiner Amtszeit, sagte er. Israel habe damit verhindern wollen, dass Iran Atomwaffen entwickle, die Israel und die Welt bedrohen könnten.
Das Ausmaß der dauerhaften Schwächung des iranischen Atomprogramms wird von der Internationalen Atomenergiebehörde, Geheimdiensten und Experten unterschiedlich bewertet. In einem nicht klassifizierten Jahresbericht der US-Geheimdienste hieß es, es habe keinen Hinweis auf eine politische Entscheidung zum Bau einer Atombombe im Iran gegeben.
Wahl in Israel rückt näher
Netanjahu hielt sich nur wenige Stunden in den USA auf und absolvierte am Rand der UN-Vollversammlung wenige Treffen mit hochrangigen Politikern. In Israel wird am 27. Oktober ein neues Parlament gewählt. Umfragen zufolge könnte es für Netanjahus Lager schwierig werden, eine Mehrheit zu sichern.
Internationaler Druck auf Israel
Netanjahus Auftritt fällt in eine Phase, in der Israels Vorgehen im Gazastreifen international zunehmend auf Ablehnung stößt. Der Gaza-Krieg begann nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023, bei dem nach israelischen Angaben rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Die hohen Opferzahlen unter Palästinensern und die humanitäre Lage haben die politische Isolation Israels verstärkt.
Konfrontation statt Annäherung
Die Rede zeigt, dass die israelische Regierung die Vorwürfe des Völkermords nicht als Ansatz für einen Kurswechsel behandelt, sondern als Angriff auf Israels Existenz und Sicherheit zurückweist. Damit stehen sich vor der UN zwei unvereinbare Deutungen gegenüber: Abbas prangert das militärische Vorgehen als systematische Gewalt gegen Palästinenser an, Netanjahu stellt es als notwendige Verteidigung gegen Hamas und andere Gegner dar.
Folgen für Diplomatie und Sicherheit
Die Spannungen reichen über Gaza hinaus. Netanjahus Verteidigung der Angriffe auf iranische Atomanlagen verbindet den Krieg im Nahen Osten mit der Sorge vor einer regionalen Eskalation. Zugleich erschweren Proteste, der Auszug von Delegationen und der Streit mit New Yorks Bürgermeister politische Gespräche am Rand der UN-Generaldebatte. Für die internationale Diplomatie bleibt damit offen, ob der wachsende Druck zu mehr Schutz für die Zivilbevölkerung und einem politischen Ausweg führt oder die Fronten weiter verhärtet.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
DER SPIEGEL: „Benjamin Netanyahu: Etliche Delegierte verlassen vor Rede bei der Uno-Vollversammlung den Saal“ (24.09.2026)
Der Bericht bestätige, dass zahlreiche Ländervertreter vor Netanjahus Rede aus Protest gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen den Saal verlassen hätten, während andere Delegierte applaudiert hätten. Er setze einen besonderen Schwerpunkt auf Netanjahus scharfe Reaktion, seine Angriffe auf Zohran Mamdani und die internationale Belastung Israels durch den Gaza-Krieg; zusätzlich verweise er auf den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen den israelischen Ministerpräsidenten.
Medienübergreifend bestätige der Bericht damit den Protest und die konfrontative Tonlage der Rede. Offen bleibe, welche politischen Konsequenzen die internationale Kritik für Israels Regierung und die Beziehungen zu den UN haben werde.
