Nato-Übung: Deutschland verlegt drei Tornados nach Aviano
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 03:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWSÜbung startet mit deutscher Beteiligung
- Drei Tornados des taktischen Luftwaffengeschwaders 33 werden nach Aviano in Norditalien verlegt.
- Die Maschinen sind normalerweise am Bundeswehrstandort Büchel in Rheinland-Pfalz stationiert.
- Im Vorjahr nahmen rund 2.000 Militärs und mehr als 70 Flugzeuge an der Übung teil.
Die deutsche Luftwaffe beteiligt sich in den kommenden Tagen mit drei Tornados an der Nato-Übung «Steadfast Noon» zur Verteidigung des Bündnisgebiets mit Atomwaffen.
Verlegung nach Norditalien
Die Flugzeuge des taktischen Luftwaffengeschwaders 33 werden auf die Aviano Air Base in Norditalien verlegt. Ihre Heimatbasis ist der Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz.
In Büchel lagern nach offiziell unbestätigten Angaben US-Atomwaffen. Im Rahmen der nuklearen Teilhabe könnten deutsche Jagdbomber diese Waffen im Ernstfall abwerfen.
Nato nennt kaum Einzelheiten
Die am Dienstag beginnende Übung soll nach Angaben der Nato in ihrem Umfang mit dem Manöver des Vorjahres vergleichbar sein. Damals waren rund 2.000 Militärs und mehr als 70 Flugzeuge beteiligt.
Zu den Teilnehmern gehörten neben Kampfjets des Typs F-35 auch Überwachungs- und Tankflugzeuge. Details zum diesjährigen Szenario und zum genauen Ablauf veröffentlichte das Bündnis zunächst nicht.
Übungsbomben statt Atomsprengköpfe
Militärexperten zufolge wird bei «Steadfast Noon» unter anderem trainiert, wie Waffen aus unterirdischen Magazinen zu Flugzeugen transportiert und an den Kampfjets befestigt werden. Bei den Abläufen und den anschließenden Angriffsübungen kommen ausschließlich Übungsbomben ohne echten Kernsprengkopf zum Einsatz.
Nato-Nuklearpolitikchefin Nassima Barrows erklärte, das Manöver solle die Bereitschaft und die Fähigkeiten zur Verteidigung des Bündnisgebiets demonstrieren. Der für Nuklearoperationen zuständige Oberst David Bull verwies auf das Zusammenspiel aller Beteiligten und eine sichere, glaubwürdige und verlässliche Abschreckung.
Russland bleibt im strategischen Blick
Die Nato betont, dass die Übung nicht mit aktuellen weltpolitischen Ereignissen zusammenhänge und sich gegen kein bestimmtes Land richte. In ihrer Bedrohungsanalyse hat die Allianz jedoch seit Jahren vor allem Russland im Blick.
Moskau hatte im Vorjahr parallel zur Nato-Übung ein eigenes Manöver seiner strategischen Nuklearstreitkräfte abgehalten. Dabei wurden nach russischen Angaben unter anderem eine Interkontinentalrakete vom Typ Jars, Marschflugkörper eines strategischen Bombers und eine Rakete von einem Atom-U-Boot gestartet.
Debatte über zusätzliche Atomwaffen
Unabhängig vom jährlichen Manöver arbeitet die Nato an Plänen für einen möglichen Ausbau der nuklearen Abschreckung in Europa. Nach Recherchen der Deutschen Presse-Agentur wird dabei auch die Stationierung zusätzlicher US-Atomwaffen als Option geprüft.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte schloss im Juli nicht aus, dass künftig mehr US-Atomwaffen in Europa stationiert werden könnten. Er verwies auf laufende Beratungen und erklärte, das Bündnis prüfe fortlaufend seine benötigten Fähigkeiten und den nuklearen Abschreckungsmix.
Nukleare Teilhabe als Bündnisaufgabe
Die Übung «Steadfast Noon» ist Teil der nuklearen Abschreckungsstrategie der Nato. Deutschland beteiligt sich dabei im Rahmen der nuklearen Teilhabe: Die Luftwaffe hält Flugzeuge, Besatzungen und Abläufe für einen möglichen Einsatz amerikanischer Atomwaffen bereit. Im Übungsfall werden ausschließlich Attrappen verwendet.
Für die Allianz geht es nicht um einen konkreten Einsatzplan, sondern um die Funktionsfähigkeit gemeinsamer Verfahren. Dazu zählen die sichere Bereitstellung der Waffen, die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Streitkräften sowie der Schutz und die Unterstützung der Flugzeuge. Die regelmäßige Wiederholung soll zeigen, dass diese Fähigkeiten auch unter hoher Belastung verfügbar bleiben.
Politisches Signal mit begrenzter Transparenz
Die Übung fällt in eine Phase, in der Nato-Staaten ihre Verteidigungsplanung stärker auf die militärische Bedrohung durch Russland ausrichten. Zugleich hält das Bündnis Einzelheiten zu Szenario, Teilnehmern und Abläufen bewusst zurück. Diese Geheimhaltung soll operative Informationen schützen, erschwert aber eine öffentliche Bewertung der konkreten Übungsziele.
Für Deutschland verbindet sich die Beteiligung mit der Debatte über die Zukunft der nuklearen Abschreckung in Europa. Die Tornados aus Büchel stehen dabei für eine seit Jahrzehnten bestehende politische Verpflichtung, während zugleich über zusätzliche Fähigkeiten und mögliche Veränderungen der nuklearen Präsenz beraten wird. Die Verlegung nach Aviano macht sichtbar, dass die Aufgabe multinational organisiert ist und nicht allein an einem deutschen Standort stattfindet.

