Nato-Übung: Deutschland schickt drei Tornados nach Italien
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 14:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDrei Tornados fliegen nach Aviano
- Drei Tornados des taktischen Luftwaffengeschwaders 33 werden nach Aviano in Norditalien verlegt.
- Die Maschinen starten vom deutschen Standort Büchel in Rheinland-Pfalz.
- Bei der Übung kommen ausschließlich Bomben ohne echten Kernsprengkopf zum Einsatz.
Die deutsche Luftwaffe beteiligt sich mit drei Tornados an der Nato-Atomwaffenübung «Steadfast Noon», die am Dienstag beginnt.
Nato nennt kaum Einzelheiten
Die Nato machte zunächst keine Angaben zum konkreten Szenario und zum genauen Umfang des Manövers. Nach Angaben des Bündnisses soll die Beteiligung ungefähr dem Vorjahr entsprechen.
Damals nahmen rund 2.000 Militärs und mehr als 70 Flugzeuge teil. Dazu gehörten neben Kampfjets auch Überwachungs- und Tankflugzeuge.
Training für den Ernstfall
Militärexperten zufolge wird unter anderem geübt, wie Waffen aus unterirdischen Magazinen zu Flugzeugen gebracht und unter den Maschinen montiert werden. Die anschließenden Angriffsabläufe finden mit Übungsbomben statt.
Die Nato betont, das Manöver solle die Bereitschaft zur Verteidigung des Bündnisgebiets und das Zusammenspiel der beteiligten Kräfte demonstrieren. Echte Atomwaffen werden dabei nicht eingesetzt.
Russland bleibt im strategischen Blick
Nach Darstellung der Nato richtet sich die Übung nicht gegen ein bestimmtes Land und steht nicht im Zusammenhang mit aktuellen weltpolitischen Ereignissen. In ihrer Bedrohungsanalyse hat die Allianz Russland jedoch seit Jahren besonders im Blick.
Von russischer Seite gab es zunächst keine Reaktion. Im vergangenen Jahr hatte Moskau während der Nato-Übung parallel ein eigenes Manöver seiner strategischen Nuklearstreitkräfte abgehalten.
Kritik von den Linken
Die außen- und friedenspolitische Sprecherin der Linken im Europaparlament, Özlem Alev Demirel, bezeichnete das Manöver als brandgefährlich. Sie warnte vor Fehleinschätzungen und forderte eine Abkehr von Atomwaffen.
Nato prüft weitere Abschreckung
Unabhängig von «Steadfast Noon» arbeitet die Nato an Plänen für einen Ausbau der nuklearen Abschreckung in Europa. Nach dpa-Recherchen ist dabei auch die Stationierung zusätzlicher US-Atomwaffen eine Option.
Schätzungen von Nuklearexperten zufolge lagerten zuletzt etwa 100 US-Bomben des Typs B61-12 auf sechs Stützpunkten in Deutschland, Belgien, Italien, den Niederlanden und der Türkei. Nato-Generalsekretär Mark Rutte hatte im Juli mehr Atomwaffen in Europa nicht ausgeschlossen.
Nukleare Teilhabe als Bündnisaufgabe
«Steadfast Noon» gehört zum jährlichen Training der nuklearen Abschreckung. Die Übung soll Abläufe einüben, die im Ernstfall mehrere Staaten, Flugzeuge, Wartungs- und Sicherungskräfte sowie Führungsstrukturen miteinander verbinden. Dass dabei keine scharfen Atomwaffen verwendet werden, trennt das Manöver klar von einem realen Einsatz, ändert aber nichts an seiner sicherheitspolitischen Signalwirkung.
Für Deutschland ist die Beteiligung eng mit der nuklearen Teilhabe verbunden. Die Tornados des Geschwaders 33 stehen für die Fähigkeit, im Bündnis festgelegte Aufgaben mit deutschen Flugzeugen zu übernehmen. Damit bleibt Deutschland in die Abschreckungsplanung eingebunden, obwohl die tatsächliche Verfügungsgewalt über US-Atomwaffen bei den Vereinigten Staaten liegt.
Abschreckung und Eskalationsrisiko
Die Nato begründet solche Übungen mit der Notwendigkeit, Verteidigungsfähigkeit glaubwürdig und sicher zu halten. Gleichzeitig erhöhen Spannungen mit Russland die politische Aufmerksamkeit für jede Aktivität im nuklearen Bereich. Das Bündnis weist den direkten Zusammenhang mit aktuellen Ereignissen zurück, während Kritiker vor Fehlinterpretationen und einer weiteren Verschärfung warnen.
Die Debatte reicht deshalb über die drei deutschen Flugzeuge hinaus. Im Mittelpunkt stehen die künftige Rolle US-amerikanischer Atomwaffen in Europa, mögliche Anpassungen der Abschreckung und die Frage, wie militärische Vorsorge mit Rüstungskontrolle und Krisenkommunikation verbunden werden kann.

