UN-Vollversammlung verlangt per Resolution Waffenstillstand
13.12.2023 - 06:04:00Die UN-Vollversammlung hat per Resolution einen sofortigen humanitĂ€ren Waffenstillstand im Gazastreifen verlangt. Das von Ăgypten eingebrachte Papier erreichte in New York eine notwendige Zweidrittelmehrheit. 153 LĂ€nder stimmten dafĂŒr, 10 dagegen. 23 LĂ€nder enthielten sich, darunter auch Deutschland.
Die Resolution habe Deutschland «vor eine schwere Entscheidung» gestellt, hieà es vom AuswÀrtigen Amt via Kurznachrichtendienst X, vormals Twitter. «Wir wollen das unertrÀgliche Leid der Menschen beenden - in Israel und in Gaza».
Die Resolution fordere einen «pauschalen Waffenstillstand, sagt aber nicht, warum Israel gezwungen ist, sich zu verteidigen: Weil die Hamas Israel am 7.10. barbarisch angegriffen hat. Und weil die Hamas Israel weiterhin vernichten will.» Deswegen habe Deutschland nicht zustimmen können - aber weil man sich dafĂŒr einsetzen wolle, das Leid der PalĂ€stinenser zu beenden, habe man auch nicht dagegen stimmen können.
Resolutionen der UN-Vollversammlung sind nicht rechtlich bindend, sondern gelten als symbolisch. Zudem gewĂ€hren sie einen Blick auf die Stimmungslage der Welt: Neben der arabischen Welt stimmte ein GroĂteil der LĂ€nder des globalen SĂŒdens dafĂŒr. Die LĂ€nder der EuropĂ€ischen Union boten ein unterschiedliches Bild: WĂ€hrend neben Deutschland sich beispielsweise auch GroĂbritannien enthielt, stimmten unter anderem Frankreich und Griechenland dafĂŒr. Unter den Nein-Stimmen waren neben Israel beispielsweise die USA, Paraguay, Ăsterreich und Guatemala.
«Katastrophale humanitÀre Situation»
Insgesamt stimmten mit 153 deutlich mehr LĂ€nder fĂŒr die Resolution als Ende Oktober, als 120 LĂ€nder der UN-Vollversammlung fĂŒr eine Resolution zur Verbesserung der humanitĂ€ren Situation und fĂŒr eine sofortige Waffenruhe im Gazastreifen gestimmt hatten. 14 stimmten damals dagegen, 45 enthielten sich, darunter Deutschland. Die UN-Vollversammlung hat 193 Mitglieder, aus verschiedenen GrĂŒnden stimmen aber nicht immer alle ab.
Die Resolution, die nun verabschiedet wurde, geht mit der Forderung nach einem anhaltenden Waffenstillstand noch deutlich ĂŒber die damalige Forderung nach einer zumindest zeitweisen Waffenruhe hinaus. Zudem drĂŒckt das Papier groĂe Sorge ĂŒber die «katastrophale humanitĂ€re Situation» im Gazastreifen aus und fordert die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Geiseln.
Zuvor waren noch ZusÀtze zu der Resolution eingebracht worden, die unter anderem die islamistische Hamas deutlich erwÀhnen und das Massaker vom 7. Oktober deutlich verurteilen wollten. Diese verfehlten aber die notwendigen Zweidrittelmehrheiten.
Israel kritisiert Votum der UN-Vollversammlung
Israel kritisierte die Forderung der UN-Vollversammlung nach einem sofortigen humanitĂ€ren Waffenstillstand im Gazastreifen. «Die Hamas hat schreckliche Verbrechen begangen und diejenigen, die einen Waffenstillstand unterstĂŒtzen, ermöglichen es der Hamas, weiter zu ĂŒberleben und mehr GrĂ€ueltaten zu begehen», sagte der israelische UN-Botschafter Gilad Erdan wĂ€hrend der Sitzung der UN-Vollversammlung.
Er forderte die Anwesenden auch dazu auf, den Chef der Hamas im Gazastreifen, Jihia Sinwar, anzurufen und von ihm zu verlangen, die Waffen niederzulegen, sich zu stellen und alle Geiseln freizulassen. «Dann wird es einen echten Waffenstillstand geben, der fĂŒr immer gelten wird.» Erdan hielt dabei auch ein Schild mit der Telefonnummer des Hamas-BĂŒros in der Hand.
Guterres drÀngt Weltsicherheitsrat
Der mÀchtigere UN-Sicherheitsrat, dessen Resolutionen bindend sind, war in der vergangenen Woche erneut an der Verabschiedung einer Waffenstillstands-Resolution gescheitert. Das Gremium hatte bislang nur eine Resolution mit humanitÀrem Fokus zu dem Konflikt verabschiedet, hauptsÀchlich weil die USA sich stets hinter Israel gestellt hatten. Die Verabschiedung der Resolution der UN-Vollversammlung ist auch eine Reaktion auf die VorgÀnge im Sicherheitsrat.
UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres hatte den Weltsicherheitsrat persönlich gedrĂ€ngt, sich fĂŒr einen solchen humanitĂ€ren Waffenstillstand einzusetzen. In einem entsprechenden Brief an den Rat bezog er sich auf Artikel 99 der UN Charta. Dieser erlaubt dem GeneralsekretĂ€r, den Sicherheitsrat auf «jede Angelegenheit hinzuweisen, die seiner Meinung nach die GewĂ€hrleistung von internationalem Frieden und Sicherheit gefĂ€hrden kann» und war den UN zufolge zuvor jahrzehntelang nicht angewandt worden.


