Maricarmen Abascal, Zwangsräumung Madrid

Madrid: 87-Jährige darf nach Zwangsräumung in Wohnung zurückkehren

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 05:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach massiven Protesten gegen ihre Zwangsräumung kann die 87-jährige Maricarmen Abascal voraussichtlich in ihre Wohnung in Madrid zurückkehren. Vereinbart wurden neue Mietbedingungen, die sich an ihrer bisherigen Belastung von rund 500 Euro monatlich orientieren sollen.

  • Die Demonstranten forderten Gerechtigkeit für die 87-Jährige. - Bild: Matteo Secci/ZUMA Press Wire/dpa
    Die Demonstranten forderten Gerechtigkeit für die 87-Jährige. - Bild: Matteo Secci/ZUMA Press Wire/dpa
  • An dem Marsch in Madrid beteiligten sich Familien, Jugendliche und Rentner. - Bild: Manu Fernandez/AP/dpa
    An dem Marsch in Madrid beteiligten sich Familien, Jugendliche und Rentner. - Bild: Manu Fernandez/AP/dpa
Die Demonstranten forderten Gerechtigkeit für die 87-Jährige. - Bild: Matteo Secci/ZUMA Press Wire/dpa An dem Marsch in Madrid beteiligten sich Familien, Jugendliche und Rentner. - Bild: Manu Fernandez/AP/dpa

Die 87-jährige Maricarmen Abascal darf nach Protesten gegen ihre Zwangsräumung in ihre Wohnung in Madrid zurückkehren.

Einigung mit Immobilienunternehmen

Vertreter der Seniorin erzielten am Montagabend eine Einigung mit dem Immobilienunternehmen, dem das Gebäude gehört. Abascal soll zu neuen Mietbedingungen zurückkehren können; ihre monatliche Belastung für Miete, Nebenkosten und Hausgeld soll etwa dem bisherigen Betrag von rund 500 Euro entsprechen.

Die endgültige Bestätigung der 87-Jährigen, dass sie die Bedingungen akzeptiert, steht dem Bericht zufolge noch aus.

Zehntausende protestierten

Am Wochenende waren in Madrid Zehntausende gegen die Zwangsräumung und die wachsende Wohnungsnot in Spanien auf die Straße gegangen. Der Protest stand unter dem Motto «Ni una Maricarmen más» («Keine weitere Maricarmen»).

Die Demonstranten verlangten unter anderem einen besseren Schutz vor Zwangsräumungen, Maßnahmen gegen steigende Mieten, eine Begrenzung der Nutzung von Wohnraum als Renditeobjekt und stärkere Mieterrechte.

Nach 70 Jahren aus der Wohnung geholt

Abascal war 1956 mit ihren Eltern in die Wohnung im Madrider Stadtteil Retiro eingezogen und hatte später den Mietvertrag übernommen. Nachdem das Gebäude verkauft worden war, sollte sie ausziehen, weil ihr alter Mietvertrag nicht mehr gültig sei; die neuen Eigentümer bekamen vor Gericht Recht.

Nach mehreren gescheiterten Räumungsversuchen wurde die Seniorin schließlich am Mittwoch von Polizisten trotz des Widerstands von Unterstützern aus der Wohnung geholt und in ein Krankenhaus gebracht.

Regierung plant neue Maßnahmen

Die Demonstranten machten sowohl die Zentralregierung von Pedro Sánchez als auch konservative Regionalregierungen wie jene von Isabel Díaz Ayuso in Madrid für die Wohnungsnot verantwortlich. Sie forderten unter anderem unbefristete Mietverträge, ein Einfrieren der Mieten sowie eine stärkere Regulierung von Zeitmietverträgen und der Vermietung einzelner Zimmer.

Unter dem Eindruck der Proteste arbeitet die Regierung an einem neuen Gesetzesdekret zur Wohnungspolitik. Vorgesehen sind unter anderem Maßnahmen gegen Zwangsräumungen. Für die Verabschiedung verhandelt die Regierung noch mit mehreren Parteien über die erforderliche Mehrheit.

Wohnungskrise als politischer Brennpunkt

Der Fall steht für einen länger schwelenden Konflikt in Spanien: In vielen Städten treffen knappes Angebot, steigende Mieten und eine starke Nachfrage nach Wohnraum aufeinander. Nach Angaben der Banco de España fehlen landesweit rund 700.000 Wohnungen. Besonders in großen Städten verschärfen touristische Vermietung, finanzielle Investitionen und befristete Mietmodelle den Druck auf Haushalte.

Die Proteste verbinden deshalb den individuellen Räumungsfall mit strukturellen Forderungen. Dazu gehören längere beziehungsweise automatisch verlängerte Mietverhältnisse, ein stärkerer Schutz vor Zwangsräumungen, Begrenzungen für Mieterhöhungen und mehr sozialer Wohnungsbau. Die Auseinandersetzung betrifft nicht nur ältere Menschen: Auch Familien, Studierende und Beschäftigte mit mittleren Einkommen finden in den Ballungsräumen zunehmend schwer bezahlbare Wohnungen.

Entscheidung mit Folgen

Die geplanten Maßnahmen der spanischen Regierung sollen den Schutz von Mietern verbessern und Zwangsräumungen erschweren. Politisch ist ihre Umsetzung jedoch auf Mehrheiten im Parlament angewiesen. Für Betroffene hängt viel davon ab, ob neue Regeln unmittelbar gelten, welche Voraussetzungen sie enthalten und ob dauerhaft zusätzlicher Wohnraum entsteht. Die Rückkehr Abascals würde den konkreten Konflikt entschärfen, die grundlegende Wohnungsnot aber nicht lösen.

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