Flydubai-Cockpit leer: Augenzeuge schildert dramatische Minuten vor Notlandung
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 01:48 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNach einem Angriff im Cockpit eines Flydubai-Flugs von Dubai nach Tel Aviv soll das Cockpit zeitweise unbesetzt gewesen sein, bevor zwei als Passagiere reisende Piloten die Maschine in Saudi-Arabien landeten.
„Im Cockpit war niemand“
Der israelische Geschäftsmann Tal sagte der „Jerusalem Post“, er habe einen verletzten Piloten gesehen, während ein anderer in einen Kampf verwickelt gewesen sei. Zugleich habe das Flugzeug massiv an Höhe verloren.
Tal habe daraufhin zwei zufällig neben ihm sitzende Piloten ins Cockpit gebracht. Einer habe schließlich die Kontrolle übernommen; der andere habe länger gebraucht, um sich von dem Schock zu erholen.
Passagiere überwältigen Angreifer
Bei dem Flug der emiratischen Gesellschaft soll der Copilot am vorigen Mittwoch seinen Kollegen angegriffen haben. Der schwer verletzte Pilot habe nach eigenen Angaben noch die Cockpit-Tür öffnen können, woraufhin Passagiere den Angreifer überwältigt hätten.
Tal berichtete, er habe die beiden Ersatzpiloten auffordern und schließlich schütteln müssen, damit sie nach vorn gingen. Das Flugzeug habe sich zu diesem Zeitpunkt im Sturzflug befunden.
Improvisierte Fessel und medizinische Hilfe
Drei weitere Israelis hätten den Angreifer körperlich überwältigt. Anschließend sei er mit Ladekabeln gefesselt worden. Tal habe die Piloten nach vorn gebracht und bei der Sicherung des Mannes geholfen.
Ein israelischer Zahnarzt habe den schwer verletzten indischen Piloten behandelt. Nachdem die Ersatzpiloten im Cockpit gewesen seien, hätten sie die Besatzungsmitglieder vom unmittelbaren Geschehen weggeführt und erklärt: „Von jetzt an führen wir den Flug.“
Motiv bleibt offen
Nach Darstellung des Augenzeugen seien Israelis an entscheidenden Stellen positioniert worden, weil es keine funktionierende Befehlskette gegeben habe. Die israelische Regierung geht von einem dschihadistischen Terroranschlag aus.
Motiv und Absichten des mutmaßlichen Angreifers sind weiterhin ungeklärt. Der Ablauf der Minuten nach der Gewalttat beruht auf den Angaben des Augenzeugen.
Sicherheitslücken im Luftverkehr
Der Vorfall rückt die mehrstufigen Sicherheitskontrollen für Cockpitpersonal in den Mittelpunkt. Nach Angaben aus den Ermittlungen soll der Copilot bereits bei einer früheren Fluggesellschaft im Oman wegen Sicherheitsbedenken aufgefallen sein. Damit stellt sich die Frage, wie Informationen zwischen Arbeitgebern, Behörden und internationalen Aufsichtsstellen weitergegeben werden.
Die unmittelbare Gefahrenlage entstand nicht allein durch den Angriff, sondern auch durch die zeitweise fehlende Kontrolle im Cockpit. Dass sich weitere Piloten unter den Passagieren befanden, erwies sich in dieser Ausnahmesituation als entscheidend. Für die Luftfahrtbranche dürfte deshalb geprüft werden, wie Besatzungen bei einem Ausfall oder Angriff auf Cockpitpersonal schneller unterstützt werden können, ohne zusätzliche Risiken zu schaffen.
Internationale Ermittlungen
Der Flug verband Dubai und Tel Aviv und führte durch den Luftraum mehrerer Staaten. Nach der Landung in Tabuk müssen daher Sicherheitsbehörden verschiedener Länder die Abläufe, die Vorgeschichte des Angreifers und die Kommunikation zwischen den beteiligten Stellen auswerten. Im Mittelpunkt steht neben dem Motiv auch die Frage, ob weitere Personen oder Organisationen beteiligt waren.
Für Passagiere hat der Fall eine konkrete Bedeutung: Notverfahren und Zugangsschutz im Cockpit sollen verhindern, dass einzelne Gewalttaten eine Maschine gefährden. Der Vorfall zeigt zugleich, dass in einer extremen Ausnahmelage auch Passagiere und zufällig an Bord befindliche Fachleute eine unmittelbare Rolle bei der Stabilisierung eines Fluges übernehmen können.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „US-Medienberichte: Flydubai-Co-Pilot galt zuvor als Sicherheitsrisiko“ (03.10.2026)
Der Bericht bestätige den Angriff auf den Flug nach Tel Aviv und die anschließende Landung in Saudi-Arabien. Er setze den Schwerpunkt auf Hinweise, der Copilot sei bereits im Oman wegen extremistischer Ansichten als Sicherheitsrisiko eingestuft worden, und hebe als offene Fragen mögliche Verbindungen sowie die Sicherheitsprüfungen hervor.
Der Bericht bestätige die Angaben zum Angriff, zur Überwältigung des Täters durch Passagiere und zur Notlandung in Tabuk. Anders als der Augenzeugenbericht konzentriere er sich auf die behördliche Einstufung als versuchten Terroranschlag, die Vorgeschichte im Oman und die Zahl von 174 Passagieren; offen blieben weiterhin Motiv und mögliche Hintermänner.
Beide Berichte stimmten im Ablauf des Angriffs, der Passagierhilfe und der Landung in Saudi-Arabien überein. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Schwerpunkt: Während der eine Bericht Sicherheitsprüfungen und Ermittlungsfragen hervorhebe, ordne der andere den Vorfall stärker als möglichen Terroranschlag ein.
