Nach Drohnenangriff: Saudi-Arabien stoppt Ost-West-Pipeline – Huthi bedrohen Ölroute am Roten Meer
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 12:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNach Drohnenangriffen hat Saudi-Arabien seine wichtige Ost-West-Pipeline vorübergehend stillgelegt und steht zugleich durch Blockaden und militärischen Druck auf seine wichtigsten Seewege unter massivem Exportdruck.
Pipeline nach Angriffen aus dem Irak abgeschaltet
Die Leitung verbindet die Ölregion am Persischen Golf mit dem Roten Meer und ermöglicht große Exportmengen, ohne die faktisch blockierte Straße von Hormus passieren zu müssen. Nach Angriffen auf die Pipeline in den Regionen Riad und Medina wurde der Betrieb vorsorglich eingestellt. Das saudische Außenministerium teilte auf der Plattform X mit, der Drohnenangriff sei aus dem Irak gestartet worden, habe Schäden verursacht und mehrere Menschen verletzt.
Irak distanziert sich – Ermittlungen angekündigt
Die irakische Regierung verurteilte den Angriff auf Saudi-Arabien, obwohl er von irakischem Gebiet ausging. Ministerpräsident Ali al-Saidi kündigte auf X eine Untersuchung an, die die Hintergründe und Verantwortlichen des Drohnenangriffs klären soll, und ordnete rechtliche Schritte gegen alle Beteiligten an. Die proiranische Gruppierung „Islamischer Widerstand im Irak“ bestritt jede Beteiligung an der Attacke und erklärte sich bereit, an den Ermittlungen mitzuwirken, warnte zugleich aber vor Versuchen, die Vorfälle für eine weitere Eskalation in der Region zu nutzen.
Grenzübergänge zum Iran geschlossen
Als Reaktion auf den Angriff schloss der Irak nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna die beiden wichtigsten offiziellen Grenzübergänge zum Nachbarland Iran, al-Schalamdscha und al-Schaib, auf unbestimmte Zeit. Offiziell wurde dafür zunächst kein Grund genannt. Die Maßnahme trifft einen zentralen Teil des Handels- und Personenverkehrs zwischen beiden Staaten und unterstreicht die Spannungen im Umfeld des Konflikts.
Zentrale Exportader mit hoher Kapazität
Die Ost-West-Pipeline ist für Saudi-Arabien von großer strategischer Bedeutung. Über die mehr als 1.200 Kilometer langen Röhren können täglich bis zu sieben Millionen Barrel Rohöl vom Osten des Landes zum Roten Meer gepumpt und von dort vor allem nach Westen verschifft werden. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar und der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus versucht das Königreich, mit Hilfe dieser Route einen stärkeren Einbruch seiner Ölexporte zu verhindern.
Unklarer Schaden nach wiederholten Angriffen
US-Medien berichten unter Berufung auf Satellitenbilder, dass bei den jüngsten Angriffen Pumpstationen der Pipeline getroffen worden seien und dort Brände entstanden seien. Wie groß die Schäden sind und wie lange die Reparaturen dauern könnten, ist derzeit offen. Bereits im April war die Infrastruktur der Leitung angegriffen worden, woraufhin Saudi-Arabien die Fördermenge durch die Röhren vorübergehend drosseln musste.
Huthi-Miliz kontrolliert Küste und Inseln am Roten Meer
Zusätzlich gerät Saudi-Arabiens wichtigste Alternativroute zur Straße von Hormus unter Druck: die Verschiffung von Öl über das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab in Richtung Asien. Nach Angaben jemenitischer Regierungsstellen hat die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz inzwischen die gesamte Küste des Roten Meers im Jemen sowie strategisch wichtige Inseln eingenommen. Ein Sprecher der Huthi versicherte zwar, die Sicherheit der Schifffahrt werde gewährleistet, betonte jedoch, dass dies nicht für saudische Schiffe gelte.
Bab al-Mandab als globales Nadelöhr
Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und ist Teil einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt zwischen Mittelmeer, Suezkanal und Indischem Ozean. Die Huthi-Miliz hat dort bereits in der Vergangenheit mehrfach Schiffe angegriffen. Durch ihre neuen Positionen entlang der Küste und auf einer Insel direkt in der Meerenge können die Kämpfer nach Einschätzung des Instituts für Kriegsstudien nun auch mit Drohnen mit begrenzter Reichweite, etwa Hexacoptern, Handelsschiffe und Tanker bedrohen.
Ölpreis steigt deutlich – Risiko weiterer Verteuerung
Die Kombination aus der Blockade der Straße von Hormus, den Gefahren im Bab al-Mandab und der Stilllegung der Pipeline treibt den Ölpreis deutlich nach oben. Analyst Hamad Hussain von der Beratungsfirma Capital Economics hält einen Anstieg des Ölpreises in Richtung 120 US-Dollar pro Barrel für möglich, sollte sich der Konflikt weiter hinziehen und die Pipeline länger ausfallen. Einige Experten sehen bei einer anhaltenden Eskalation sogar Raum für noch höhere Notierungen.
Belastung für Haushalte und Wirtschaft
Der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl mit Lieferung im November erreichte am Freitag zeitweise fast 110 US-Dollar. Vor Beginn des Iran-Kriegs lag der Ölpreis im Februar noch bei rund 70 Dollar pro Barrel, als etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggasexporte über die Straße von Hormus lief. Die aktuelle Entwicklung dürfte sich in kommenden Wochen weiter auf Benzin- und Dieselpreise auswirken – auch in Deutschland, wo höhere Energiekosten Haushalte und Unternehmen zusätzlich belasten.
Zange um Saudi-Arabien schließt sich
Im Osten Saudi-Arabiens ist die Passage aus dem Persischen Golf über die Straße von Hormus weitgehend blockiert, im Westen geraten die Zugänge über das Rote Meer und Bab al-Mandab unter Kontrolle der Huthi. Damit werden die Exportrouten des Landes massiv eingeschränkt. Offene Option bleibt die Passage durch den Suezkanal, doch Transporte von der saudischen Westküste zu asiatischen Kunden über Kanal, Mittelmeer und Afrika sind deutlich zeitaufwendiger und kostspieliger. Da die größten saudischen Ölfelder im Osten nahe dem Persischen Golf liegen, ist selbst diese Route in vielen Fällen auf eine funktionierende Ost-West-Pipeline angewiesen.
Irans Netzwerk im Regionalkrieg
Die Huthi gehören zur von Teheran unterstützten „Achse des Widerstands“, einem Netzwerk aus Milizen in mehreren Ländern der Region. Im Jemen kämpfen sie gegen die international anerkannte Regierung und deren Verbündete, die von Saudi-Arabien unterstützt werden. Der Iran liefert den Huthi Waffen, Technologie, Fachwissen und finanzielle Unterstützung, ähnlich wie im Fall der Hisbollah im Libanon. Der Angriff auf die Pipeline und der Vormarsch am Bab al-Mandab fügen sich in eine Konfliktlage, in der der Iran über verbündete Gruppen an mehreren Brennpunkten Einfluss auf die Sicherheitslage und den Energiemarkt ausübt.
Strategische Verwundbarkeit Saudi-Arabiens
Die Stilllegung der Ost-West-Pipeline zeigt, wie stark Saudi-Arabiens Rolle als globaler Energielieferant von wenigen Engpässen abhängt. Die Leitung ist eine der wichtigsten Alternativen zur Passage über die Straße von Hormus, die seit Beginn des Iran-Kriegs weitgehend blockiert ist. Fällt diese Route vorübergehend aus, verdichtet sich der Druck auf das Königreich, seine Exportströme umzuleiten – mit höheren Kosten, längeren Transportzeiten und steigenden Risiken für die Versorgungssicherheit vieler Abnehmerstaaten.
Bab al-Mandab als zweite Achillesferse
Parallel erweitert die Huthi-Miliz ihren Einfluss entlang der jemenitischen Küste am Roten Meer und auf vorgelagerte Inseln. Damit geraten die Zufahrten zur Meerenge Bab al-Mandab unter Kontrolle einer mit dem Iran verbündeten Miliz, die wiederholt Schiffe angegriffen hat. Diese Meerenge ist Teil einer der wichtigsten Seehandelsrouten der Welt zwischen Europa und Asien. Wenn saudische Schiffe dort gezielt bedroht werden, schrumpft der Spielraum für sichere und wirtschaftliche Transporte weiter und zwingt Reedereien zu Umwege über den Suezkanal oder um Afrika herum.
Folgen für Ölmarkt und Verbraucher
Die Kombination aus Hormus-Blockade, Pipeline-Ausfall und Gefahren am Bab al-Mandab treibt den Ölpreis bereits deutlich nach oben. Die dpa-Meldung verweist auf Brent-Notierungen nahe 110 US-Dollar pro Barrel und Analysten, die bei längeren Störungen Preise bis 120 Dollar oder mehr für möglich halten. Das verteuert die Beschaffungskosten für Raffinerien und schlägt mit Verzögerung auf Benzin- und Dieselpreise durch – auch in Deutschland. Für Unternehmen erhöhen sich Transport- und Produktionskosten, während Haushalte an der Zapfsäule und indirekt über steigende Verbraucherpreise belastet werden. Zugleich wächst die politische Brisanz: Energieimporteure müssen ihre Abhängigkeit von wenigen Routen und Lieferanten neu bewerten und verstärkt über Diversifizierung, Effizienz und alternative Energieträger nachdenken.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
FOCUS Online: „Huthis rücken vor: Meerstraße Bab al-Mandab droht Blockade“ (10.09.2026)
Der Bericht stelle heraus, dass die Huthi-Miliz die Hafenstadt Mocha und nach Medienangaben auch die Insel Zuqar unter Kontrolle gebracht habe und damit ihren Zugriff auf die Meerenge Bab al-Mandab deutlich ausweite. Die Analyse betone, Bab al-Mandab habe durch die iranische Einschränkung der Straße von Hormus zusätzlich an Bedeutung gewonnen und die Huthis könnten die Schifffahrt im Roten Meer stärker bedrohen. Am Ende werde in einem Hinweis zusammengefasst, dass eine wichtige saudische Pipeline nach Angriffen außer Betrieb sei, womit der Artikel die im dpa-Bericht beschriebenen Zusammenhänge zwischen Frontverläufen im Jemen und Energieversorgung unterstreiche.
n-tv.de: „Der Börsen-Tag: 100 Dollar? Brent-Preis klettert weiter“ (10.09.2026)
Der Beitrag berichte, dass der Brent-Preis wegen der wieder aufgeflammten Kämpfe in der Straße von Hormus auf ein Zwei-Monats-Hoch geklettert sei. In der Darstellung werde hervorgehoben, Analysten gingen davon aus, dass Öllieferungen aus dem Persischen Golf auf absehbare Zeit beeinträchtigt seien, was die Preisentwicklung antreibe. Der Artikel setze den Schwerpunkt stärker auf die unmittelbaren Reaktionen der Finanzmärkte und ordne die Lage an Hormus als zentralen Treiber der Rohölpreise ein, während die dpa-Meldung zusätzlich die Pipeline-Stilllegung und die Huthi-Gewinne am Bab al-Mandab als Teil einer umfassenderen Belastung für Saudi-Arabiens Exportwege darstelle.
Medienübergreifend werde deutlich, dass sich die Energiekrise aus militärischen Entwicklungen im Nahen Osten speise: Während Fokus die territorialen Gewinne der Huthi und deren strategische Wirkung am Bab al-Mandab hervorhebe, betone n-tv die Preisreaktionen an den Rohstoffmärkten. Beide Darstellungen deckten sich darin, dass der anhaltende Konflikt im und um den Persischen Golf die globalen Ölströme und damit die Kosten für Verbraucher und Unternehmen weltweit spürbar beeinflusse.
