Israel-Wahl: Likud liegt bei Knesset-Abstimmung vorn
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 08:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFristen bis zur möglichen Neuwahl
- Die zentrale Wahlkommission zählt die Stimmen für die 120 Sitze der Knesset weiter aus.
- Das amtliche Endergebnis muss spätestens bis zum 4. November 2026 veröffentlicht werden.
- Nach drei gescheiterten Etappen wären Neuwahlen bis spätestens Mitte April 2027 fällig.
Israel zählt Stimmen nach Knesset-Wahl aus
In Israel setzt die zentrale Wahlkommission nach der Parlamentswahl die Auszählung für die 120 Sitze der Knesset fort. Nach vorläufigen Hochrechnungen liegt die rechtskonservative Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vorn, das vorläufige Endergebnis wird für Donnerstag erwartet.
Endergebnis bis 4. November
Das amtliche Ergebnis muss spätestens acht Tage nach der Wahl veröffentlicht werden. Bis zum 10. November soll sich das neu gewählte Parlament konstituieren.
Präsident beauftragt Kandidaten
Innerhalb von sieben Tagen nach der Veröffentlichung des Endergebnisses beauftragt Präsident Izchak Herzog einen Abgeordneten mit der Regierungsbildung. Dafür kommt voraussichtlich Likud-Chef Benjamin Netanjahu oder der wichtigste Oppositionskandidat Gadi Eisenkot infrage.
Mehrere Anläufe für eine Koalition
Der erste Beauftragte hat 28 Tage Zeit und kann eine Verlängerung um höchstens 14 Tage erhalten. Scheitert dieser Versuch, bekommt ein zweiter Kandidat weitere 28 Tage, ohne Verlängerungsmöglichkeit.
Letzte Frist vor Neuwahlen
Als dritte Möglichkeit können mindestens 61 Abgeordnete binnen 21 Tagen einen Kandidaten vorschlagen. Dieser muss anschließend innerhalb von 14 Tagen eine Regierung bilden.
Kommt keine mehrheitsfähige Koalition zustande, löst sich das Parlament automatisch auf. Neuwahlen müssten dann innerhalb von 90 Tagen und spätestens Mitte April 2027 stattfinden; bis dahin bliebe Netanjahu an der Spitze einer Übergangsregierung.
Die Regierungsbildung in Israel folgt einem festgelegten, mehrstufigen Verfahren. Entscheidend ist zunächst nicht allein, welche Partei die meisten Sitze gewinnt, sondern welcher Kandidat eine Mehrheit von mindestens 61 der 120 Knesset-Abgeordneten hinter sich versammeln kann.
Nach der Veröffentlichung des amtlichen Ergebnisses liegt die zentrale Rolle beim Präsidenten. Izchak Herzog muss den Abgeordneten mit den besten Aussichten auf eine Koalition mit der Regierungsbildung beauftragen. Die Fristen sollen verhindern, dass das Land über längere Zeit ohne reguläre Regierung bleibt, lassen den Parteien aber Raum für schwierige Bündnisverhandlungen.
Koalitionsarithmetik entscheidet
Der erwartete Vorsprung des Likud reicht daher nicht automatisch für eine neue Regierung. Israels Parteiensystem ist stark fragmentiert, sodass selbst ein Wahlsieg umfangreiche Absprachen erfordern kann. Scheitern mehrere Anläufe, drohen erneut Neuwahlen; bis dahin bliebe Netanjahu als Chef einer Übergangsregierung im Amt.
Für die Bevölkerung bedeutet der Ablauf zunächst eine Phase politischer Unsicherheit. Entscheidungen über Haushalt, Sicherheitspolitik und internationale Beziehungen können zwar weiter getroffen werden, doch eine Übergangsregierung verfügt politisch über weniger Spielraum als ein neu bestätigtes Kabinett.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Israel: Anhänger der Opposition feiern knappen Vorsprung“ (28.10.2026)
Der Beitrag habe den knappen vorläufigen Ausgang und die erwarteten Koalitionsverhandlungen betont. Damit bestätige er die Unsicherheit über die Regierungsbildung, setze aber einen anderen Schwerpunkt auf die Reaktionen der Opposition.
Der Artikel habe das enge Rennen zwischen Netanjahu und Eisenkot sowie das Fehlen einer klaren Mehrheit hervorgehoben. Im Mittelpunkt stehe damit stärker das Patt und das Risiko weiterer Wahlen als der formale Ablauf der Regierungsbildung.
Gemeinsam sei den Beiträgen die Erwartung schwieriger Bündnisgespräche. Unterschiede gebe es beim Schwerpunkt: Während Euronews Reaktionen und Vorsprung betone, stelle die Frankfurter Rundschau die Mehrheitslosigkeit und mögliche Neuwahlen heraus.
