Merz schließt Gespräch mit Putin beim G20-Gipfel nicht aus
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 20:08 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schließt ein Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Rande des G20-Gipfels in den USA nicht aus. Ob es dazu kommt, will Merz von den Umständen abhängig machen; zudem sei offen, ob Putin überhaupt am G20-Gipfel in Miami im Dezember teilnimmt.
Merz äußerte sich während seines Besuchs in Kiew im „Bericht aus Berlin“ des ARD-Hauptstadtstudios. Angesichts des anhaltenden Ukraine-Kriegs betonte er, Europa müsse seine Fähigkeit bewahren, Frieden, Freiheit und Wohlstand zu schützen.
Gespräch nur unter den Umständen des Treffens
Auf die Frage nach einem möglichen Treffen mit Putin sagte Merz, es komme „auf die Umstände dieses Treffens“ an. Der Kanzler verwies zugleich darauf, dass derzeit nicht feststehe, ob der russische Präsident zum Gipfel nach Miami reisen werde.
Die G20 bringen die führenden Industrie- und Schwellenländer zusammen. Gespräche am Rande solcher Gipfel können auch dann stattfinden, wenn die offiziellen Beziehungen zwischen einzelnen Staaten stark belastet sind.
Merz fordert Stärke gegenüber Russland
Mit Blick auf den Ukraine-Krieg erklärte Merz, Europa müsse die Herausforderungen gemeinsam bestehen. Deutschland allein könne die Aufgabe nicht bewältigen, den Frieden, die Freiheit und den Wohlstand des Kontinents zu sichern.
Das Gespräch zwischen Außenminister Johann Wadephul (CDU) und seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in New York bewertete Merz vor dem Hintergrund russischer Reaktionen. Auf diplomatische Bemühungen könne nur mit „Stärke, Durchhalten“ und dem Ziel reagiert werden, Russland einen Sieg in dem Krieg zu verwehren.
Merz weist Zweifel an Koalitionsstabilität zurück
Zweifel am Zusammenhalt der Bundesregierung im Zusammenhang mit den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Berlin wies Merz zurück. Zugleich warnte er vor einer Regierung in Sachsen-Anhalt unter Führung der AfD und einer von der Linkspartei geführten Regierung in Berlin.
Auch Sorgen wegen des Streits über die Pflegereform habe er nicht geteilt. Merz verwies darauf, dass er auf die Einhaltung der Vereinbarung bestanden habe, den Kabinettsbeschluss am Mittwoch, dem 30. September, zu fassen.
Das mögliche Treffen zwischen Friedrich Merz und Wladimir Putin würde in eine Phase fallen, in der der Ukraine-Krieg trotz diplomatischer Kontakte fortgesetzt wird. Merz verbindet Gesprächsbereitschaft mit der Forderung, dass Russland den Krieg beendet und die Waffen schweigen. Damit steht ein persönlicher Austausch nicht für einen Kurswechsel, sondern für eine diplomatische Option unter politischen und sicherheitspolitischen Bedingungen.
Der Rahmen des G20-Gipfels hätte dabei besonderes Gewicht. Das Forum bringt die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer zusammen und bietet auch dann Gesprächsmöglichkeiten, wenn direkte bilaterale Beziehungen belastet sind. Ob Putin tatsächlich nach Miami reist, entscheidet über die praktische Bedeutung von Merz’ Aussage. Ein Treffen am Rande des Gipfels könnte Fragen der Kriegsbeendigung, der europäischen Sicherheit und der weiteren Unterstützung der Ukraine berühren.
Diplomatie und Druck
Merz’ Äußerungen zeigen zugleich die Doppelstrategie der Bundesregierung: Diplomatische Kontakte sollen möglich bleiben, während Russland politisch und militärisch unter Druck gesetzt werden soll. Der Austausch von Außenminister Johann Wadephul mit Sergej Lawrow in New York steht für den Versuch, Gesprächskanäle offenzuhalten; die russische Reaktion bewertet Merz als Argument für mehr Geschlossenheit und Durchhaltevermögen.
Für die deutsche Politik ist das Thema auch innenpolitisch relevant. Merz stellt die Unterstützung der Ukraine in einen größeren europäischen Zusammenhang und verknüpft sie mit Frieden, Freiheit und Wohlstand. Parallel muss die Koalition bei der Pflegereform handlungsfähig bleiben: Der von Merz eingeforderte Kabinettsbeschluss am 30. September markiert dabei einen konkreten Test für die Umsetzung gemeinsamer Regierungsentscheidungen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Krieg gegen die Ukraine: Merz besucht Kiew - Russland greift Brücke an“ (04.10.2026)
Der Beitrag ordnet Merz’ Gesprächsbereitschaft gegenüber Putin in seinen Besuch in Kiew und die dortigen russischen Drohnenangriffe ein. Im Mittelpunkt stehen die deutsche Unterstützung für die Ukraine, Merz’ Appell an Putin und die Sicherheitslage während des Kanzlerbesuchs.
Deutschlandfunk: „Besuch in Kiew - Merz fordert ein Ende der russischen Angriffe:
