Friedrich Merz, Welthandel

Merz schlägt in Tokio Allianz für freien Welthandel vor

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 10:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bundeskanzler Friedrich Merz will Staaten für eine gemeinsame Verteidigung internationaler Handelsregeln gewinnen. Zugleich wirbt er für ein EU-Abkommen mit der pazifischen CPTPP und langfristig mit Asean.

WTO-Reform und Handelsbündnis im Fokus

  • Merz schlägt in Tokio eine politische Allianz zur Verteidigung des regelbasierten Welthandels vor.
  • Das Bündnis soll die WTO nicht ersetzen, sondern Reformen und verbindliche Streitentscheidungen fördern.
  • Gemeinsame Reaktionen auf unerlaubte Zölle und wirtschaftlichen Zwang gehören zu den möglichen Aufgaben.
  • Merz nahm zum Auftakt seines Japan-Besuchs an einem Wirtschaftsforum teil. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Merz startet in Tokio eine weitere Initiative für den freien Welthandel. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Merz nahm zum Auftakt seines Japan-Besuchs an einem Wirtschaftsforum teil. - Bild: Kay Nietfeld/dpa Merz startet in Tokio eine weitere Initiative für den freien Welthandel. - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Merz wirbt in Tokio für Allianz des Welthandels

Bundeskanzler Friedrich Merz hat in Tokio die Gründung einer politischen Allianz für einen geregelten Welthandel vorgeschlagen. Das Bündnis soll internationale Vereinbarungen verteidigen, die WTO stärken und bei Regelverstößen gemeinsame Reaktionen ermöglichen.

WTO soll Grundlage bleiben

Bei einem Wirtschaftsforum sagte Merz, die Allianz solle politische Impulse setzen und gemeinsam reagieren können, wenn die regelbasierte Ordnung gefährdet sei. Die WTO solle ausdrücklich nicht ersetzt werden.

Merz schlug vor, dass sich die Mitglieder trotz der Blockade der WTO-Berufungsinstanz auf die Verbindlichkeit von Entscheidungen verständigen könnten. Zudem könnten sie sich gemeinsam gegen unerlaubte Zölle und wirtschaftlichen Zwang stellen.

Freihandel mit dem Pazifik

Bereits am Dienstag hatte Merz in Singapur ein Freihandelsabkommen der EU mit der Transpazifischen Partnerschaft CPTPP befürwortet. Dem 2018 gegründeten Bündnis gehören zwölf Länder auf fünf Kontinenten an, darunter Japan, Kanada, Australien, Chile und Großbritannien.

Darüber hinaus will Merz die Gespräche über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Asean voranbringen. Abkommen mit einzelnen Staaten könnten nach seiner Vorstellung miteinander verknüpft werden, um sie effizienter zu machen.

Berlin kann nicht allein verhandeln

Die konkreten Verhandlungen über Handelsabkommen liegen bei der Europäischen Union. Merz’ Vorschläge müssen deshalb auf europäischer Ebene und mit den möglichen Partnerstaaten weiterverfolgt werden.

Merz’ Vorschlag zielt auf eine engere politische Abstimmung von Staaten, die an einem regelbasierten Welthandel festhalten wollen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Gründung einer weiteren Handelsorganisation, sondern ein Bündnis, das politischen Druck ausüben und gemeinsame Reaktionen auf Zölle, wirtschaftlichen Zwang oder Verstöße gegen internationale Regeln koordinieren könnte.

Die WTO bleibt für den Welthandel zentral, ist aber seit Jahren durch die Blockade ihrer Berufungsinstanz geschwächt. Merz’ Überlegung, Entscheidungen trotz dieser Blockade gemeinsam als verbindlich anzuerkennen, würde auf eine Gruppe von Staaten mit einheitlicheren Regeln für Streitfälle hinauslaufen. Das könnte die Durchsetzung von Handelsregeln stärken, setzt aber politische Einigkeit der beteiligten Länder voraus.

Handelspolitik bleibt EU-Aufgabe

Die Initiative steht im Zusammenhang mit Merz’ Plänen für engere Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und dem Indopazifik. Ein Abkommen zwischen der EU und der CPTPP sowie eine langfristige Vereinbarung mit Asean hätten wegen der großen Märkte und verflochtenen Lieferketten erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Konkrete Verhandlungen kann Berlin jedoch nicht allein führen: Handelsabkommen gehören zur Zuständigkeit der Europäischen Union.

Für Unternehmen könnten zusätzliche Abkommen den Zugang zu Absatzmärkten erleichtern und Lieferketten breiter aufstellen. Gleichzeitig würden Verhandlungen über Standards, Zölle und sensible Branchen Jahre dauern. Der unmittelbare Effekt der Tokio-Initiative liegt daher zunächst in der politischen Positionierung; entscheidend wäre, welche Staaten sich anschließen und welche gemeinsamen Regeln sie tatsächlich akzeptieren.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Kanzler Merz setzt auf Handel mit Asien - offenbar als Reaktion auf Trump“ (27.10.2026)

Der Beitrag ordne Merz’ Freihandelspläne als Teil einer engeren Zusammenarbeit Europas und Asiens ein. Anders als die Tokio-Initiative rücke er die geopolitische Dimension und die mögliche Abgrenzung von einer stärker national ausgerichteten US-Handelspolitik in den Mittelpunkt.

ZDFheute: „Asienreise von Merz: Neue Partner gegen Chinas Dominanz“ (27.10.2026)

Der Artikel verbinde die Handelspläne mit Merz’ Suche nach strategischen Partnern in Asien und mit dem Ziel, wirtschaftliche Abhängigkeiten zu verringern. Gemeinsam sei den Beiträgen die Beschreibung des CPTPP-Vorstoßes; der ZDF-Bericht betone darüber hinaus Sicherheits- und China-Fragen.

Übereinstimmend steht die Vertiefung der Handelsbeziehungen im Zentrum. Unterschiede gibt es beim Schwerpunkt: Während die dpa-Meldung die neue Allianz und die WTO-Reform hervorhebt, legen die anderen Beiträge den Akzent stärker auf geopolitische Partnerschaften und China.

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