Deutsche Großunternehmen unterstützen Appell für mehr Entwicklungshilfe
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 07:30 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSMehrere große deutsche Unternehmen sprechen sich in einem gemeinsamen Appell dafür aus, die Entwicklungszusammenarbeit zu stärken und internationale Kooperationen auszubauen. Den Aufruf haben unter anderem der Pharmakonzern Bayer, die Fluggesellschaft Condor sowie die Transportunternehmen Hapag-Lloyd und DHL unterzeichnet.
Unternehmen werben für internationale Zusammenarbeit
In dem Appell heißt es, internationale Zusammenarbeit schaffe Vertrauen, eröffne neue wirtschaftliche Chancen und stärke langfristige Partnerschaften. Die unterzeichnenden Unternehmen betonen, Deutschland lebe wie kaum ein anderes Land von seiner internationalen Zusammenarbeit und die heimische Wirtschaft sei auf weltweite Kontakte, neue Märkte und starke, verlässliche Partner angewiesen.
Auch der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) hat sich der Initiative angeschlossen. Damit unterstützen zentrale Akteure des Außenhandels die Forderung, Entwicklungsprojekte und Kooperationen mit Partnerländern nicht zurückzufahren.
Initiative von Entwicklungsministerin Alabali-Radovan
Angestoßen wurde die Initiative von Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan (SPD), die den Appell als Bekenntnis zur Stärkung der internationalen Zusammenarbeit versteht. Sie argumentiert, dass Entwicklungshilfe auch der eigenen Wirtschaft zugutekomme und warnt vor einer Politik der Abschottung.
Abschottung schwäche Deutschland und gefährde den Wohlstand, sagte die Ministerin laut Bericht. Wer Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit sichern wolle, brauche verlässliche Partner in der Welt und Beziehungen auf Augenhöhe, von denen beide Seiten profitieren.
Reaktion auf Kürzungen der Entwicklungszusammenarbeit
Hintergrund der Initiative sind Kürzungen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. In den USA hat Milliardär Elon Musk seine Rolle als Sonderberater im Weißen Haus genutzt, um die eigenständige Entwicklungsbehörde USAID zu zerschlagen.
Die beteiligten Unternehmen wollen mit ihrem Appell ein Gegenzeichen zu solchen Kürzungen setzen und den wirtschaftlichen Nutzen von Entwicklungshilfe unterstreichen. Sie verweisen darauf, dass internationale Kooperationen für ein exportorientiertes Land wie Deutschland von zentraler Bedeutung sind.
Der gemeinsame Appell großer deutscher Unternehmen für eine stärkere Entwicklungszusammenarbeit fällt in eine Phase, in der staatliche Mittel für internationale Projekte vielerorts unter Druck stehen. Wenn Konzerne wie Bayer, Condor, Hapag-Lloyd und DHL öffentlich betonen, wie sehr ihre Geschäftsmodelle von offenen Märkten und verlässlichen Partnern in Entwicklungs- und Schwellenländern abhängen, markieren sie damit auch ein eigenes wirtschaftliches Interesse an stabilen Rahmenbedingungen.
Hintergrund: Kürzungen und Gegenbewegung
International sind in den vergangenen Jahren immer wieder Kürzungen bei Entwicklungsbudgets diskutiert oder umgesetzt worden. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Hinweis von Ministerin Reem Alabali-Radovan, dass Abschottung den Wohlstand in Deutschland schwächen könne, zusätzliche Schärfe. Entwicklungspolitik wird damit nicht allein als humanitäre Aufgabe verstanden, sondern ausdrücklich als Investition in langfristige wirtschaftliche Beziehungen – mit Lieferketten, Absatzmärkten und Standorten, die für exportorientierte Unternehmen zentral sind.
Bedeutung für Unternehmen und Beschäftigte
Für die beteiligten Unternehmen geht es um Planungssicherheit in globalen Netzwerken: Logistikdienstleister sind auf funktionierende Infrastruktur und stabile Partner angewiesen, die Pharmaindustrie auf verlässliche Zulieferer und Gesundheitsprojekte, Handel und Außenwirtschaft auf offene Märkte. Wenn Firmen und der Außenhandelsverband BGA Entwicklungshilfe als wirtschaftlichen Faktor betonen, berührt das auch die Lage vieler Beschäftigter in Deutschland, deren Arbeitsplätze von Exporten und internationalen Kooperationen abhängen.
Ausblick: Zusammenarbeit als Standortfrage
Der Appell deutet darauf hin, dass die Debatte über Entwicklungspolitik künftig stärker mit Fragen der Wettbewerbsfähigkeit und Standortsicherheit verknüpft wird. Politik und Wirtschaft stellen heraus, dass „Beziehungen auf Augenhöhe“ und gegenseitiger Nutzen als Antwort auf Abschottungstendenzen verstanden werden. Ob und wie sich diese Positionen in konkreten Haushaltsentscheidungen und Programmen niederschlagen, wird für Unternehmen, Beschäftigte und Partnerländer gleichermaßen entscheidend sein.
