Giorgia Meloni, Mailand

Mailand: Meloni prüft nach Krawallen Ausgangssperren

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 18:24 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach Plünderungen und gewalttätigen Ausschreitungen in mehreren Städten prüft die italienische Regierung Ausgangssperren und weitere Einschränkungen. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni will zudem gegen Straßenblockaden vorgehen.

Folgen für Mailands Innenstadt

  • In Mailand, Turin und Bologna kam es nach Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten zu Ausschreitungen.
  • Mindestens 14 Sicherheitskräfte wurden verletzt, der Sachschaden wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt.
  • Am Dienstag soll ein Gesetzesdekret gegen Straßenblockaden beschlossen werden.
Vor dem Mailänder Dom brannte am Samstagabend ein Feuer. - Bild: Stefano Porta/LaPresse/AP/dpa

Meloni berät nach Ausschreitungen über Ausgangssperren

Nach schweren Krawallen in mehreren italienischen Städten will die Regierung in Rom eine Wiederholung verhindern und mögliche Ausgangssperren prüfen. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni berief dazu eine mehrstündige Krisensitzung ihres Kabinetts ein.

Regierung prüft neue Maßnahmen

Aus Regierungskreisen hieß es anschließend, der Staat werde auf die Unruhen der vergangenen Tage „entschlossen reagieren“. Neben Ausgangssperren würden technische Lösungen zu ihrer Durchsetzung geprüft; auch Maßnahmen gegen Straßenblockaden seien im Gespräch.

Ein entsprechendes Gesetzesdekret soll nach Angaben aus Regierungskreisen bereits an diesem Dienstag vom Ministerrat verabschiedet werden.

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Mehr als 270 vorübergehende Festnahmen

In Mailand, Turin und Bologna war es nach zunächst friedlichen Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Rund um den Mailänder Dom schlugen meist schwarz gekleidete und vermummte Jugendliche Schaufenster ein und plünderten Geschäfte sowie Supermärkte.

Insgesamt gab es mehr als etwa 270 vorübergehende Festnahmen, die sich zumeist gegen Minderjährige richteten. Fünf Jugendliche kamen in Untersuchungshaft.

Millionenschäden rund um den Dom

Aus Sorge vor neuen Unruhen schlossen mehrere Luxusgeschäfte in der Nähe des Domplatzes am Montag ihre Läden. Nach offiziellen Angaben wurden mindestens 14 Sicherheitskräfte verletzt; die Staatsanwaltschaft Mailand sprach von einem Ausmaß „seltener Gewalt“.

Zur Zahl verletzter Demonstranten gab es keine genauen Angaben. Der Schaden geht nach Schätzungen in die Millionenhöhe.

Wahl im kommenden Jahr

Meloni regiert seit vier Jahren mit einer Koalition aus drei rechten und konservativen Parteien. Im kommenden Jahr steht erneut eine Parlamentswahl an.

Melonis Partei Fratelli d’Italia steht durch die weiter rechts angesiedelte Partei Futuro Nazionale unter Druck. Im linken Lager will PD-Vorsitzende Elly Schlein gegen Meloni antreten.

Die Ausschreitungen in Mailand stehen im Zusammenhang mit Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und werden von der italienischen Regierung zugleich als Sicherheitsproblem behandelt. Damit treffen zwei Konfliktlinien aufeinander: der soziale Unmut über steigende Belastungen und die Frage, wie weit der Staat zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung gehen darf.

Die Größenordnung der Folgen ist erheblich. Nach der dpa-Meldung wurden mehr als 270 Menschen vorübergehend festgenommen, mindestens 14 Sicherheitskräfte verletzt und Schäden in Millionenhöhe verursacht. Dass vor allem Minderjährige betroffen sein sollen und fünf Jugendliche in Untersuchungshaft kamen, erhöht den politischen Druck auf Regierung, Justiz und Kommunen.

Ausgangssperren als politisches Signal

Eine mögliche Ausgangssperre würde über die unmittelbare Strafverfolgung hinausgehen. Sie könnte Geschäfte und Anwohner rund um besonders betroffene Plätze schützen, würde aber auch die Bewegungsfreiheit vieler Menschen einschränken. Entscheidend wären deshalb eine klare zeitliche Begrenzung, eine genaue örtliche Festlegung und die rechtliche Grundlage.

Für Giorgia Melonis Regierung fällt die Debatte zudem in eine angespannte politische Phase. Die für das kommende Jahr erwartete Parlamentswahl verstärkt den Anreiz, Handlungsfähigkeit zu zeigen. Gleichzeitig dürfte die Regierung erklären müssen, wie Sicherheitsmaßnahmen mit dem Recht auf friedlichen Protest und den sozialen Ursachen der Demonstrationen vereinbar bleiben.

Europäischer Kontext

Der Vergleich mit Frankreich verweist auf ein breiteres europäisches Muster: Proteste gegen steigende Kosten können schnell von friedlichen Kundgebungen in lokale Gewalt umschlagen. Für Leser in Italien bedeutet die Entwicklung kurzfristig mögliche Einschränkungen in Innenstädten; längerfristig geht es um die Frage, ob staatliche Härte die Ursachen des Unmuts entschärfen kann.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDFheute: „Ausschreitungen in Mailand: Mehr als 200 Festnahmen“ (19.10.2026)

Der Beitrag bestätige die Ausschreitungen, Plünderungen und die hohe Zahl von Festnahmen in Mailand. Anders als die dpa-Meldung betone er außerdem die Parallelen zu Protesten in Frankreich, Portugal und Belgien sowie die sozialen Auslöser.

Deutschlandfunk: „Weitere Proteste in Europa - Ausschreitungen und Plünderungen in Mailand“ (19.10.2026)

Der Deutschlandfunk berichte ebenfalls über Zusammenstöße und Plünderungen in Mailand, nenne jedoch 160 Festnahmen. Sein Schwerpunkt liege auf der europäischen Ausweitung von Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und Wohnkosten.

Einigkeit bestehe über die Eskalation in Mailand und den sozialen Protesthintergrund. Unterschiede gebe es bei der Zahl der Festnahmen und bei der Gewichtung des europäischen Vergleichs; offen bleibe, welche konkreten Maßnahmen der Ministerrat beschließen werde.

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