Madrid: 87-Jährige darf nach Zwangsräumung in Wohnung zurückkehren
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 05:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie 87-jährige Maricarmen Abascal darf nach Protesten gegen ihre Zwangsräumung in ihre Wohnung in Madrid zurückkehren.
Einigung mit Immobilienunternehmen
Vertreter der Seniorin erzielten am Montagabend eine Einigung mit dem Immobilienunternehmen, dem das Gebäude gehört. Abascal soll zu neuen Mietbedingungen zurückkehren können; ihre monatliche Belastung für Miete, Nebenkosten und Hausgeld soll etwa dem bisherigen Betrag von rund 500 Euro entsprechen.
Die endgültige Bestätigung der 87-Jährigen, dass sie die Bedingungen akzeptiert, steht dem Bericht zufolge noch aus.
Zehntausende protestierten
Am Wochenende waren in Madrid Zehntausende gegen die Zwangsräumung und die wachsende Wohnungsnot in Spanien auf die Straße gegangen. Der Protest stand unter dem Motto «Ni una Maricarmen más» («Keine weitere Maricarmen»).
Die Demonstranten verlangten unter anderem einen besseren Schutz vor Zwangsräumungen, Maßnahmen gegen steigende Mieten, eine Begrenzung der Nutzung von Wohnraum als Renditeobjekt und stärkere Mieterrechte.
Nach 70 Jahren aus der Wohnung geholt
Abascal war 1956 mit ihren Eltern in die Wohnung im Madrider Stadtteil Retiro eingezogen und hatte später den Mietvertrag übernommen. Nachdem das Gebäude verkauft worden war, sollte sie ausziehen, weil ihr alter Mietvertrag nicht mehr gültig sei; die neuen Eigentümer bekamen vor Gericht Recht.
Nach mehreren gescheiterten Räumungsversuchen wurde die Seniorin schließlich am Mittwoch von Polizisten trotz des Widerstands von Unterstützern aus der Wohnung geholt und in ein Krankenhaus gebracht.
Regierung plant neue Maßnahmen
Die Demonstranten machten sowohl die Zentralregierung von Pedro Sánchez als auch konservative Regionalregierungen wie jene von Isabel Díaz Ayuso in Madrid für die Wohnungsnot verantwortlich. Sie forderten unter anderem unbefristete Mietverträge, ein Einfrieren der Mieten sowie eine stärkere Regulierung von Zeitmietverträgen und der Vermietung einzelner Zimmer.
Unter dem Eindruck der Proteste arbeitet die Regierung an einem neuen Gesetzesdekret zur Wohnungspolitik. Vorgesehen sind unter anderem Maßnahmen gegen Zwangsräumungen. Für die Verabschiedung verhandelt die Regierung noch mit mehreren Parteien über die erforderliche Mehrheit.
Wohnungskrise als politischer Brennpunkt
Der Fall steht für einen länger schwelenden Konflikt in Spanien: In vielen Städten treffen knappes Angebot, steigende Mieten und eine starke Nachfrage nach Wohnraum aufeinander. Nach Angaben der Banco de España fehlen landesweit rund 700.000 Wohnungen. Besonders in großen Städten verschärfen touristische Vermietung, finanzielle Investitionen und befristete Mietmodelle den Druck auf Haushalte.
Die Proteste verbinden deshalb den individuellen Räumungsfall mit strukturellen Forderungen. Dazu gehören längere beziehungsweise automatisch verlängerte Mietverhältnisse, ein stärkerer Schutz vor Zwangsräumungen, Begrenzungen für Mieterhöhungen und mehr sozialer Wohnungsbau. Die Auseinandersetzung betrifft nicht nur ältere Menschen: Auch Familien, Studierende und Beschäftigte mit mittleren Einkommen finden in den Ballungsräumen zunehmend schwer bezahlbare Wohnungen.
Entscheidung mit Folgen
Die geplanten Maßnahmen der spanischen Regierung sollen den Schutz von Mietern verbessern und Zwangsräumungen erschweren. Politisch ist ihre Umsetzung jedoch auf Mehrheiten im Parlament angewiesen. Für Betroffene hängt viel davon ab, ob neue Regeln unmittelbar gelten, welche Voraussetzungen sie enthalten und ob dauerhaft zusätzlicher Wohnraum entsteht. Die Rückkehr Abascals würde den konkreten Konflikt entschärfen, die grundlegende Wohnungsnot aber nicht lösen.
