Isabella Weber, Lebensmittelpreise

Lebensmittelpreise: Isabella Weber fordert Höchstpreise für Grundnahrung

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 16:11 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Ökonomin Isabella Weber schlägt einen staatlich abgesicherten Warenkorb mit stabilisierten Preisen vor. Zusätzlich fordert sie große Vorräte an Getreide, Reis und Öl, um Verbraucher in Krisen vor Preissprüngen zu schützen.

Top-Ökonomin will gedeckelte Preise für Grundnahrungsmittel
Einkaufsregal in einem Supermarkt (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Ökonomin Isabella Weber fordert staatliche Höchstpreise für einen begrenzten Warenkorb von Grundnahrungsmitteln. Außerdem soll Deutschland elementare Lebensmittel wie Getreide, Reis und Öl in großem Stil einlagern, um Preise in Krisenzeiten stabilisieren zu können.

Stabilisierte Preise für Grundbedarf

„Natürlich kann es nicht darum gehen, die Preise von 97 Kaugummiarten festzulegen. Aber für einen Warenkorb von Grundnahrungsmitteln“, sagte Weber dem „Spiegel“. Nach ihrer Vorstellung könnte die Bundesregierung große Supermarktketten dazu bewegen, diese Produkte zu stabilisierten Preisen anzubieten.

Als Gegenleistung seien Subventionen und Steuervergünstigungen denkbar. Die Unternehmen dürften dabei nach Webers Worten keine Übergewinne erwirtschaften. Die Ökonomin lehrt an der University of Massachusetts in Amherst und berät Parteien und Regierungen weltweit.

Wirtschaftspolitik gegen rechte Erfolge

Weber verbindet ihren Vorschlag mit einer grundlegend anderen Wirtschaftspolitik. Deutschland stecke in einer „multiplen Wirtschafts- und Staatskrise“, die Orientierungslosigkeit und Zukunftslosigkeit verstärke, sagte sie.

Wirtschaftliche Unsicherheit und Krisen korrelierten nach Forschung seit den 1930er Jahren mit dem Zulauf zu rechtsextremen Kräften. Viele AfD-Wähler litten unter finanzieller Unsicherheit und suchten eine Alternative zum bestehenden Zustand, erklärte Weber.

Grundbedürfnisse als staatliche Aufgabe

Ihr Konzept einer „antifaschistischen Wirtschaftspolitik“ zielt darauf, Grundbedürfnisse für alle zu erfüllen. Dazu zählt Weber neben günstigen Lebensmitteln auch bezahlbaren Wohnraum und stark verbilligten Nahverkehr.

Die Wahlerfolge von Zohran Mamdani in New York und der Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp in Berlin wertet sie als Hinweis darauf, dass solche Konzepte bei Wählern Anklang finden können. Nötig sei eine gedankliche Wende in der Wirtschaftspolitik, sagte Weber.

Isabella Webers Vorschlag fällt in eine Phase, in der die deutsche Teuerung wieder deutlich angezogen hat. Im September lagen die Verbraucherpreise 3,3 Prozent über dem Vorjahresmonat; Haupttreiber waren Energiepreise, während Lebensmittel im Durchschnitt um 0,4 Prozent teurer wurden. Die vergleichsweise moderate Entwicklung bei Nahrungsmitteln schließt jedoch Belastungen einzelner Haushalte und stark schwankende Preise bestimmter Produkte nicht aus.

Ein Preisdeckel für ausgewählte Grundnahrungsmittel würde staatliche Eingriffe von einer allgemeinen Entlastung auf einen begrenzten Warenkorb konzentrieren. Webers Modell sieht vor, dass Handelsunternehmen stabilisierte Preise anbieten und dafür Subventionen oder Steuervergünstigungen erhalten. Die politische Herausforderung läge darin, den Warenkorb festzulegen, Kosten entlang der Lieferkette abzudecken und zugleich zu verhindern, dass Anbieter Waren verknappen oder Verluste über andere Preise ausgleichen.

Vorräte als Kriseninstrument

Die geplante Einlagerung von Getreide, Reis und Öl verbindet Preispolitik mit Versorgungssicherheit. Staatliche Reserven könnten bei Lieferausfällen oder starken Preissprüngen zeitweise als Puffer dienen, wären aber mit laufenden Lager-, Qualitäts- und Finanzierungskosten verbunden. Zudem müsste geregelt werden, wann Bestände freigegeben und wie sie wieder aufgefüllt werden.

Webers Ansatz ist ausdrücklich breiter angelegt: Bezahlbarer Wohnraum, günstiger Nahverkehr und niedrige Lebensmittelpreise sollen Grundbedürfnisse absichern. Für die politische Debatte steht damit nicht nur die Frage einzelner Preise im Mittelpunkt, sondern auch, ob der Staat Krisen stärker durch direkte Leistungen, Marktregeln oder strategische Vorräte abfedern soll.

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