Klimakonferenz, Fossile Energien

Klimakonferenz: Dutzende Staaten fordern Ausstieg aus Öl, Kohle und Gas

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 13:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Dutzende Staaten haben bei einem Vorbereitungstreffen auf Fidschi mehr Tempo beim Klimaschutz verlangt. Sie fordern unter anderem den schrittweisen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas sowie eine Verdreifachung der Kapazität erneuerbarer Energien bis 2030.

Auf dem Inselstaat Tuvalu wird versucht, sich gegen den steigenden Meeresspiegel zu wappnen.  - Bild: Mick Tsikas/AAP/dpa
Auf dem Inselstaat Tuvalu wird versucht, sich gegen den steigenden Meeresspiegel zu wappnen. - Bild: Mick Tsikas/AAP/dpa

Dutzende Staaten haben bei einem Vorbereitungstreffen auf Fidschi vier Wochen vor der Weltklimakonferenz in der Türkei mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderhitzung verlangt.

Gemeinsamer Appell vor der Klimakonferenz

In einer gemeinsamen Erklärung forderten Minister und Regierungsvertreter insbesondere die schrittweise Abkehr von Kohle, Öl und Gas. Zudem müsse der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase „stark, schnell und nachhaltig“ sinken.

Die Staaten pochten außerdem darauf, die Kapazität erneuerbarer Energien bis 2030 weltweit zu verdreifachen. Dieses Ziel war vor drei Jahren von fast 200 Staaten bei der UN-Klimakonferenz in Dubai vereinbart worden.

Bedrohte Inselstaaten im Mittelpunkt

Unter den Teilnehmern der dreitägigen „Pre-COP“ sind Vertreter vieler Staaten, die besonders unter der Klimakrise und steigenden Meeresspiegeln leiden. Dazu gehören Tuvalu und Mauritius, aber auch Australien, Nepal und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Deutschland ist bei dem Treffen, das noch bis Donnerstag läuft, mit Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth vertreten. Die Unterzeichner riefen dazu auf, sich hinter jene zu stellen, die an der „Frontlinie der Klimakrise“ stehen.

Warnung vor jedem weiteren Bruchteil

In der Erklärung heißt es, die Erde habe sich im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits weltweit um fast 1,5 Grad aufgeheizt. Auch das natürlich vorkommende Klimaphänomen El Niño habe schädliche Auswirkungen.

„Jeder Bruchteil eines Grads Erwärmung“ beschleunige die Folgen des Klimawandels und erhöhe das Risiko nicht wieder gutzumachender Verluste und Schäden, warnen die Staaten. Besonders gefährdet seien kleine Inselstaaten und die am wenigsten entwickelten Länder.

Ziel für mehr Elektrifizierung

Die Erklärung begrüßt ein sich abzeichnendes „Momentum“ für ein neues globales Ziel zur Elektrifizierung bei der kommenden Klimakonferenz in Antalya. Die Türkei als Gastgeber hatte im Sommer vorgeschlagen, den Anteil elektrischer Energie am Endverbrauch bis 2035 von heute 20 auf 35 Prozent zu steigern.

Kritiker wenden ein, dass ein höherer Stromanteil dem Klimaschutz nur dann diene, wenn die zusätzliche Elektrizität aus erneuerbaren Quellen wie Wind, Sonne oder Wasserkraft stamme und nicht aus fossilen Energieträgern.

Weitere Konferenz zu fossilen Energien

Tuvalu richtet als Co-Gastgeber im Juli 2027 gemeinsam mit Irland die zweite internationale Konferenz zur Abkehr von fossilen Energien aus.

Appell vor entscheidender Verhandlungsphase

Die Erklärung von Fidschi zielt auf eine zentrale Konfliktlinie der bevorstehenden Klimakonferenz: Besonders verletzliche Staaten verlangen schnellere Emissionssenkungen, während die Umsetzung globaler Zusagen weiterhin von nationalen Energie- und Industriepolitiken abhängt. Die Forderung nach einer Verdreifachung der Kapazität erneuerbarer Energien bis 2030 knüpft an den Beschluss von Dubai an und soll aus einem politischen Ziel messbare Ausbaufortschritte machen.

Für Inselstaaten ist der Meeresspiegelanstieg keine entfernte Zukunftsfrage. Frühere Emissionen haben einen Teil des Anstiegs bereits festgelegt; wie stark und wie schnell sich die Folgen verschärfen, hängt jedoch weiterhin von den gegenwärtigen Emissionen ab. Eine aktuelle internationale Forschungsbilanz warnt zugleich vor rasch wachsenden Risiken irreversibler Schäden, falls die Erderwärmung die Marke von 1,5 Grad dauerhaft überschreitet.

Elektrifizierung allein reicht nicht

Das von der Türkei vorgeschlagene Ziel für einen höheren Anteil elektrischer Energie könnte den Umbau von Verkehr, Gebäuden und Industrie beschleunigen. Klimapolitisch entscheidend ist aber, ob zusätzliche Nachfrage mit Wind-, Solar- und Wasserkraft gedeckt wird oder den Verbrauch fossiler Brennstoffe lediglich verlagert.

Für Deutschland verbindet sich die Debatte mit Fragen der Versorgungssicherheit. Dezentrale erneuerbare Anlagen können Importabhängigkeiten und Verwundbarkeiten von Energieinfrastruktur verringern. Zugleich bleiben Netze, Speicher, Investitionen und faire Finanzierungsregeln für ärmere Staaten konkrete Voraussetzungen dafür, dass der globale Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas politisch tragfähig wird.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „Klimaschäden teils unumkehrbar: Zehn Erkenntnisse entscheiden über unsere Zukunft“ (06.10.2026)

Der Bericht hebe hervor, dass ein Überschreiten von 1,5 Grad rasch wachsende Risiken irreversibler Folgen für Ozeane, Gletscher und Permafrost mit sich bringe. Er bestätige damit die Dringlichkeit des Appells von Fidschi, setze den Schwerpunkt jedoch auf wissenschaftliche Erkenntnisse zu Meeresspiegelanstieg, Ernährungssystemen und Klimafinanzierung; offen bleibe, wie die politischen Ziele in konkrete Maßnahmen übersetzt würden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Wadephul warnt wegen Klimawandels – ‚Nährboden‘ für Extremismus, Terrorismus und Migration“ (06.10.2026)

Der Artikel schreibe, Außenminister Johann Wadephul betone die sicherheitspolitischen Folgen des Klimawandels und sehe Investitionen in erneuerbare Energien auch als Beitrag zur Widerstandsfähigkeit. Anders als die Erklärung von Fidschi richte der Bericht den Fokus auf Konflikte, Ernährungssicherheit und Migration; beide Perspektiven verbänden die Klimakrise mit unmittelbaren Risiken für besonders verwundbare Gesellschaften.

Medienübergreifend bestehe Einigkeit über die wachsenden Folgen der Erderwärmung und den Bedarf an schnellen Emissionssenkungen; die Berichte setzten jedoch unterschiedliche Schwerpunkte bei wissenschaftlichen Risiken, Sicherheit und der politischen Umsetzung.

Disclaimer...

de | ausland | 70255287 |