John Bolton, Donald Trump

John Bolton attackiert Trumps Außenpolitik als planlos und gefährlich

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 09:06 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Ex-Sicherheitsberater John Bolton wirft Donald Trump eine planlose, ideologiegetriebene Außenpolitik vor und hält die Nationale Sicherheitsstrategie der US-Regierung für substanzlos. Seine Kritik zielt auf die grundsätzliche Rolle der USA in Europa, im Nahen Osten und in Asien.

Ex-US-Sicherheitsberater Bolton kritisiert Trumps Außenpolitik
Donald Trump (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der frühere US-Sicherheitsberater John Bolton hat die Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert und ihm fehlende Strategie in Sicherheitsfragen vorgehalten. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk warf Bolton Trump vor, ohne politische Philosophie und ohne übergeordnete nationale Sicherheitsstrategie zu handeln.

Bolton sieht Trump als „transaktional und ad hoc“

Bolton sagte, nichts diszipliniere Trump, er denke nicht einmal in klassischen politischen Kategorien. Der Präsident handele „transaktional, punktuell und ad hoc“ und habe bereits in seiner ersten Amtszeit so agiert. Wenn überhaupt, sei die Lage in einer zweiten Amtszeit nach Boltons Einschätzung noch problematischer.

Der ehemalige Sicherheitsberater kritisierte damit vor allem die fehlende langfristige Planung in der Außen- und Sicherheitspolitik. Entscheidungen würden seiner Darstellung nach situativ und ohne erkennbaren strategischen Rahmen getroffen.

Schwere Vorwürfe gegen Nationale Sicherheitsstrategie

Kritik äußerte Bolton auch an der Nationalen Sicherheitsstrategie der US-Regierung. Diese sei seiner Ansicht nach von „Isolationisten“ verfasst worden, deren Argument laute, die USA hätten sich weltweit übernommen und hätten keine wirklichen Interessen in Europa oder im Nahen Osten, in Asien nur begrenzt.

Das Papier bezeichnete Bolton als politisches Dokument mit „vielen Schlussfolgerungen, viel Ideologie, wenig zur Umsetzung“. Es sei gut, dass sich aus seiner Sicht wenig davon konkret umsetzen lasse, weil die Verfasser so weniger Schaden anrichten könnten. Insgesamt halte er die Nationale Sicherheitsstrategie für weitgehend substanzlos.

„Kindliches Verständnis“ von internationaler Politik

Besonders deutlich wurde Bolton bei der Einschätzung von Trumps persönlichem Politikstil. Trump sehe internationale Beziehungen „grundsätzlich verkehrt“ und glaube, Freundschaften mit ausländischen Staatschefs bedeuteten automatisch intakte Beziehungen zwischen den Staaten.

Bolton widersprach dem entschieden und sprach dem Präsidenten ein „geradezu kindliches Verständnis internationaler Politik“ zu. Diese Sichtweise sei aus seiner Sicht sehr gefährlich, weil sie die komplexen Interessenlagen zwischen Staaten verkenne und außenpolitische Entscheidungen auf persönliche Beziehungen reduziere.

John Bolton gehört zu den bekanntesten republikanischen Sicherheitspolitikern in den USA. Als Nationaler Sicherheitsberater diente er Donald Trump von April 2018 bis September 2019, bevor er im Streit mit dem Präsidenten ausschied. Seine jetzige Kritik trifft daher einen ehemaligen Dienstherrn, dessen Arbeitsweise er aus unmittelbarer Nähe kennt.

In der innenpolitischen Debatte der USA steht Bolton traditionell für eine harte, interventionistische Linie. Wenn gerade er der Regierung eine von „Isolationisten“ geprägte Sicherheitsstrategie vorwirft, richtet sich das nicht nur gegen Trump persönlich, sondern gegen einen Kurs, der die globale Rolle der USA eher zurückfahren will. Das ist vor allem für europäische Staaten bedeutsam, die seit Jahrzehnten auf die sicherheitspolitische Schutzfunktion der USA und die NATO-Partnerschaft setzen.

Hintergrund und Bedeutung für Europa

Boltons Einschätzung, die Nationale Sicherheitsstrategie enthalte „keine echten Interessen in Europa oder im Nahen Osten“, unterstreicht die Sorge vieler europäischer Regierungen, dass Washington sich weiter aus Konflikten und Stabilitätsfragen in diesen Regionen zurückziehen könnte. Für EU-Staaten würde das bedeuten, eigene militärische und diplomatische Fähigkeiten stärker auszubauen, um Sicherheitslücken zu vermeiden.

Gleichzeitig illustriert Boltons Hinweis auf Trumps persönliches Freundschaftsverständnis in der Außenpolitik einen grundsätzlichen Konflikt: Klassische, institutionell eingebettete Außenpolitik prallt auf eine stark individualisierte, kurzfristig angelegte Entscheidungslogik. Für Verbündete erhöht das die Unsicherheit, weil verbindliche Zusagen und langfristige Strategie schwerer kalkulierbar werden.

Ausblick

Ob Trumps Kurs in einer weiteren Amtszeit tatsächlich „noch schlimmer“ würde, wie Bolton sagt, hängt von zahlreichen Faktoren ab: der Zusammensetzung seines Teams, der Kongressmehrheiten und der internationalen Lage. Klar ist jedoch, dass Boltons Wort in konservativen sicherheitspolitischen Kreisen Gewicht hat. Seine Kritik könnte dort die Debatte über die zukünftige Rolle der USA in NATO, Nahost und Asien weiter anheizen und Partnerländer dazu bringen, sich auf noch volatilere amerikanische Entscheidungen einzustellen.

Disclaimer...

de | ausland | 70135614 |