Benjamin Netanjahu, UN-Generaldebatte

Netanjahu verteidigt Gaza-Krieg und Iran-Angriffe vor der UN

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 22:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bei der UN-Generaldebatte seinen Kurs im Gaza-Krieg und gegenüber dem Iran verteidigt. Während Delegierte den Saal verließen, demonstrierten in New York zahlreiche Menschen gegen seinen Auftritt.

  • Rede vor lichten Reihen: Israels Ministerpräsident Netanjahu. - Bild: Yuki Iwamura/AP/dpa
    Rede vor lichten Reihen: Israels Ministerpräsident Netanjahu. - Bild: Yuki Iwamura/AP/dpa
  • Nicht nur die Vertreter Palästinas verließen den Raum, als Netanjahu als podium trat. - Bild: Yuki Iwamura/AP/dpa
    Nicht nur die Vertreter Palästinas verließen den Raum, als Netanjahu als podium trat. - Bild: Yuki Iwamura/AP/dpa
  • Auch vor dem UN-Gebäude gab es Protest. Schauspielerin Susan Sarandon wurde festgenommen. - Bild: Madison Swart/AP/dpa
    Auch vor dem UN-Gebäude gab es Protest. Schauspielerin Susan Sarandon wurde festgenommen. - Bild: Madison Swart/AP/dpa
  • Delegierte verlassen den Raum, als Netanjahu an das Rednerpult tritt. - Bild: Seth Wenig/AP/dpa
    Delegierte verlassen den Raum, als Netanjahu an das Rednerpult tritt. - Bild: Seth Wenig/AP/dpa
Rede vor lichten Reihen: Israels Ministerpräsident Netanjahu. - Bild: Yuki Iwamura/AP/dpa Nicht nur die Vertreter Palästinas verließen den Raum, als Netanjahu als podium trat. - Bild: Yuki Iwamura/AP/dpa Auch vor dem UN-Gebäude gab es Protest. Schauspielerin Susan Sarandon wurde festgenommen. - Bild: Madison Swart/AP/dpa Delegierte verlassen den Raum, als Netanjahu an das Rednerpult tritt. - Bild: Seth Wenig/AP/dpa

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bei der UN-Generaldebatte in New York seinen Kurs im Gaza-Krieg und gegenüber dem Iran verteidigt, während Delegierte den Saal verließen und Menschen gegen seinen Auftritt protestierten.

Netanjahu weist Völkermordvorwurf zurück

„Israel des Völkermords zu bezichtigen, ist die größte Lüge des Jahrhunderts“, sagte Netanjahu in seiner Rede. Israel habe keinen Völkermord begangen, sondern einen solchen verhindert, weil die Hamas andernfalls entsprechend gehandelt hätte.

Wenige Stunden zuvor hatte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas Israel in einer per Video übertragenen Rede einen „Völkermordkrieg“ im Gazastreifen vorgeworfen. Dutzende Menschen protestierten zudem vor dem UN-Hauptquartier im Osten Manhattans.

Delegationen verlassen den Saal

Als Netanjahu an das Rednerpult trat, standen zahlreiche Delegationen auf und verließen den Zuhörerraum. Nach Angaben eines Sprechers der New Yorker Polizei wurden bei den Protesten mehrere Menschen in Gewahrsam genommen, darunter Medienberichten zufolge auch die Schauspielerinnen Susan Sarandon und Hannah Einbinder.

Netanjahu steht wegen des israelischen Vorgehens im Gazastreifen international stark unter Druck. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seit Beginn des Krieges mehr als 73.900 Palästinenser getötet; die Statistik unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und bewaffneten Kämpfern.

Konflikt mit New Yorks Bürgermeister

In seiner Rede griff Netanjahu auch New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani an und bezeichnete ihn als „antisemitischen Bürgermeister von New York“. Mamdani zählt zu den schärfsten Kritikern des israelischen Regierungschefs und wirft Israel einen Völkermord an den Palästinensern im Gazastreifen vor.

Fast zeitgleich teilte Mamdani mit, er habe an seinem Amtssitz mit einer palästinensischen Familie aus Gaza einen Olivenbaum gepflanzt. Später erklärte er, Netanjahu habe mit seiner Rede unbegründete Lügen wiederholt, um sein Vorgehen im Gazastreifen zu rechtfertigen.

Auch Angriffe auf Iran gerechtfertigt

Neben dem Gaza-Krieg verteidigte Netanjahu die Angriffe auf iranische Atomanlagen. Die Zerstörung sei schwierig gewesen, für ihn aber eine der leichtesten Entscheidungen als Ministerpräsident, sagte er. Israel habe damit verhindern wollen, dass Iran Atomwaffen entwickle, die Israel und die Welt bedrohen könnten.

Das tatsächliche Ausmaß der Schwächung des iranischen Atomprogramms wird von der Internationalen Atomenergiebehörde, Geheimdiensten und Experten unterschiedlich bewertet. In einem nicht klassifizierten Jahresbericht der US-Geheimdienste hieß es, es gebe keinen Hinweis auf eine politische Entscheidung des Iran zum Bau einer Atombombe.

Wahl im Oktober

Netanjahu hielt sich nur wenige Stunden in den USA auf und absolvierte am Rande der UN-Vollversammlung wenige Treffen mit hochrangigen Politikern. In Israel wird am 27. Oktober ein neues Parlament gewählt. Umfragen zufolge könnte es für Netanjahus Lager schwierig werden, eine Mehrheit zu sichern.

Internationale Isolation nimmt zu

Die Rede fällt in eine Phase, in der Israels Vorgehen im Gazastreifen international stark kritisiert wird. Der Gaza-Krieg begann nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023, bei dem nach dpa-Angaben rund 1.200 Menschen in Israel getötet und mehr als 250 Menschen verschleppt wurden. Die hohe Zahl palästinensischer Opfer und die humanitäre Lage haben den politischen Druck auf die israelische Regierung verstärkt.

Netanjahus Auftritt verdeutlicht zugleich die wachsende Kluft zwischen Israel und Teilen der internationalen Gemeinschaft. Während der Ministerpräsident den Militäreinsatz als notwendige Verteidigung gegen Hamas und den Iran darstellt, bewerten UN-Gremien und zahlreiche Staaten das Vorgehen als Verstoß gegen internationales Recht. Israel weist diese Vorwürfe zurück und wirft den Vereinten Nationen Voreingenommenheit vor.

Wahlkampf und regionale Eskalation

Die Rede richtet sich nicht nur an das internationale Publikum, sondern auch an die israelische Öffentlichkeit. In Israel steht am 27. Oktober eine Parlamentswahl an; Umfragen zufolge könnte Netanjahus Lager Schwierigkeiten haben, erneut eine Mehrheit zu sichern. Die harte Rhetorik erlaubt es ihm, Sicherheit und militärische Stärke zum zentralen politischen Thema zu machen.

Zusätzlich verschärft die Rechtfertigung der Angriffe auf iranische Atomanlagen die regionale Dimension. Wie dauerhaft das iranische Atomprogramm geschwächt wurde, wird von internationalen Fachleuten unterschiedlich bewertet. Für die weitere Entwicklung entscheidend bleiben deshalb sowohl die humanitäre Lage in Gaza als auch die Frage, ob aus der Konfrontation mit dem Iran ein breiterer regionaler Konflikt entsteht.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

DER SPIEGEL: „Benjamin Netanyahu: Etliche Delegierte verlassen vor Rede bei der Uno-Vollversammlung den Saal“ (24.09.2026)

Der Bericht bestätige, dass zahlreiche Delegierte vor Netanjahus Rede aus Protest gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen den Saal verlassen hätten. Er setze einen besonderen Schwerpunkt auf Netanjahus scharfe Reaktion, seine Auseinandersetzung mit New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani sowie den politischen Druck vor der israelischen Parlamentswahl.

Damit bestätige der Artikel den Protest und die Konfrontation der dpa-Meldung, ergänze jedoch den Hinweis auf den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen Netanjahu wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Offen bleibe, wie stark die internationale Kritik die politische Position des israelischen Ministerpräsidenten bis zur Wahl beeinflusse.

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