Israel-Wahl: Netanjahus Lager liegt mit 56 Sitzen vorn
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 09:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Sitzverteilung in der Knesset
- Netanjahus Likud liegt mit 28 Sitzen vor Eisenkots Jaschar-Partei mit 21 Mandaten.
- Die arabischen Parteien kommen zusammen auf 16 der 120 Sitze.
- Netanjahu fordert eine rechtsgerichtete Regierung ohne Beteiligung arabischer Parteien.
Zwischenstand nach der Parlamentswahl in Israel
Nach der Parlamentswahl in Israel liegt das rechtsreligiöse Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach Auszählung von rund 60 Prozent der Stimmen vorn. Mit 56 der 120 Sitze verfehlt es jedoch weiterhin die Mehrheit und liegt acht Sitze vor dem Lager des früheren Militärchefs Gadi Eisenkot.
Likud stärkste Einzelpartei
Netanjahus Likud wurde mit 28 Sitzen stärkste Kraft. Dahinter folgt Eisenkots Mitte-Partei Jaschar mit 21 Sitzen.
Die Regierungsbildung dürfte schwierig werden. Eisenkots Lager wäre für eine Mehrheit auf die Unterstützung arabischer Parteien angewiesen, was mehrere Oppositionsparteien bislang ablehnen.
Arabische Parteien als möglicher Schlüssel
Die arabischen Parteien kommen nach dem Zwischenstand zusammen auf 16 Sitze. Netanjahu rief zur Bildung einer starken rechtsgerichteten Regierung ohne Beteiligung dieser Parteien auf.
Netanjahus Lager holt im Verlauf der Auszählung auf
Nach Schließung der Wahllokale hatten die drei großen israelischen Fernsehsender zunächst das Oppositionslager vorn gesehen. Im Verlauf der Nacht änderte sich das Bild, und Netanjahus Koalition machte Boden gut.
Bei der letzten Wahl Ende 2022 hatte sich Netanjahus Koalition noch auf 64 Sitze gestützt. Da die Auszählung noch nicht abgeschlossen ist, kann sich die Sitzverteilung weiter verschieben.
Die Sitzverteilung zeigt ein bekanntes Grundproblem des israelischen Wahlsystems: Für eine Regierungsbildung reicht es nicht, stärkste politische Kraft zu werden. Entscheidend ist, ob sich ein Block auf mindestens 61 der 120 Sitze einigen kann. Nach dem derzeitigen Auszählungsstand fehlen Netanjahus Lager dafür noch fünf Mandate.
Die arabischen Parteien verfügen zusammen über 16 Sitze und könnten damit eine wichtige Rolle bei der Mehrheitsbildung spielen. Für Netanjahu kommt eine von arabischen Parteien unterstützte Regierung nach der dpa-Meldung jedoch nicht infrage. Eisenkots Lager wiederum wäre rechnerisch auf Unterstützung aus diesem Spektrum angewiesen, stößt dabei aber auf den Widerstand mehrerer Oppositionsparteien.
Schwierige Koalitionssuche
Die Ausgangslage erinnert an frühere politische Pattsituationen in Israel, in denen Koalitionen nur nach langwierigen Verhandlungen zustande kamen oder Neuwahlen notwendig wurden. Zusätzlich erschwert die politische Spannbreite der beteiligten Parteien eine Verständigung: Netanjahus Block stützt sich auf rechtsgerichtete und religiöse Kräfte, während Eisenkots Bündnis und die arabischen Parteien unterschiedliche politische Interessen vertreten.
Für die Bevölkerung bedeutet der Zwischenstand zunächst politische Unsicherheit. Bis zur vollständigen Auszählung können sich die Sitzverhältnisse noch verändern. Danach dürften die Gespräche über mögliche Bündnisse, Bedingungen und personelle Zusagen entscheiden, ob Netanjahu seine bisherige Koalitionsrichtung fortsetzen kann oder Eisenkot eine alternative Mehrheit organisiert.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: „Israel-Wahl 2026: Rekord bei arabischen Parteien – Netanjahus Macht steht auf der Kippe“ (28.10.2026)
Der Beitrag ordne die arabischen Parteien als möglichen Schlüssel für die Regierungsbildung ein und hebe ihre zusammen 16 Sitze hervor. Anders als die dpa-Meldung stelle er zudem die hohe Wahlbeteiligung und die politische Vorgeschichte der Wahl stärker heraus.
Bayerischer Rundfunk: „Netanjahu baut Vorsprung bei Parlamentswahl in Israel aus“ (28.10.2026)
Der Bericht bestätige den Vorsprung von Netanjahus Lager mit 56 Sitzen und die fehlende Mehrheit. Als zusätzlichen Schwerpunkt nenne er den erwarteten Zeitpunkt für das endgültige Wahlergebnis und verweise ebenfalls auf die Rolle der arabischen Parteien.
Beide Beiträge stimmten darin überein, dass Netanjahus Lager vorne liege, aber keine eigene Mehrheit besitze. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung: Während der BR die laufende Auszählung und den möglichen Zeitplan betone, rücke die Frankfurter Rundschau die arabischen Parteien und die politische Vorgeschichte stärker in den Mittelpunkt.
