Israel-Wahl, Isaak Herzog

Israel-Wahl: Herzog prüft Eisenkot als Regierungsbildner

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 16:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach der Übergabe der amtlichen Endergebnisse hört der Präsident bis Donnerstagabend alle Fraktionen an. Wegen der zersplitterten Sitzverteilung könnte der erste Auftrag zur Regierungsbildung an Ex-Militärchef Gadi Eisenkot gehen.

Mandate der israelischen Parteien

  • Likud erhielt bei der Wahl am 27. Oktober 27 der 120 Sitze.
  • Jaschar kam auf 21 Mandate und lag damit auf Platz zwei.
  • Herzog empfängt die Parteivertreter bis Donnerstagabend in Jerusalem.
Nach Übergabe der amtlichen Endergebnisse der Wahl in Israel beginnt Präsident Izchak Herzog die Konsultationen zur Regierungsbildung. - Bild: Olivier Fitoussi/Haaretz Pool/dpa

Herzog beginnt Gespräche nach knapper Israel-Wahl

Israels Präsident Izchak Herzog hat nach der Übergabe der amtlichen Endergebnisse Gespräche zur Bildung einer neuen Regierung aufgenommen. Bis Donnerstagabend empfängt er Vertreter aller Parteien in seiner Residenz in Jerusalem und prüft, wer die besten Chancen auf eine parlamentarische Mehrheit hat.

Likud bleibt stärkste Kraft

Bei der Wahl am 27. Oktober wurde die rechtskonservative Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit 27 von 120 Sitzen stärkste Kraft. Die Mitte-Partei Jaschar von Ex-Militärchef Gadi Eisenkot kam auf 21 Mandate.

Das Mitte-Rechts-Bündnis Bejachad der früheren Ministerpräsidenten Naftali Bennett und Jair Lapid erhielt zwölf Sitze. Die arabisch geprägte Vereinte Liste kam auf elf Mandate, die Demokraten und die arabische Raam-Partei jeweils auf acht.

Viele Parteien erschweren Mehrheit

Jeweils sieben Sitze entfielen auf Israel Beitenu, die rechtsextreme Partei Ozma Jehudit und das ultraorthodoxe Vereinigte Tora-Judentum. Schas und der Religiöse Zionismus erhielten jeweils sechs Sitze.

Herzog sagte, er wolle offene und kritische Gespräche führen und dabei auch schwierige Fragen stellen. Eine Neuwahl wolle er nach Möglichkeit vermeiden.

Eisenkot könnte zuerst beauftragt werden

Traditionell beauftragt der Präsident den Kandidaten, dem er die besten Chancen auf eine parlamentarische Mehrheit einräumt. Das muss nicht der Vorsitzende der stärksten Partei sein.

Nach Medienberichten könnte Eisenkot deshalb zuerst den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten, wenn er die meisten Empfehlungen der Parteien auf sich vereinen kann.

Die Gespräche in Jerusalem sind der erste formelle Schritt nach der Parlamentswahl, aber noch keine Entscheidung über den künftigen Ministerpräsidenten. Entscheidend ist, welchem Kandidaten Herzog die besten Chancen auf eine Mehrheit in der 120 Sitze umfassenden Knesset zutraut.

Das Wahlergebnis verteilt die Mandate auf mehrere politische Lager. Likud ist zwar stärkste Kraft, verfehlt mit 27 Sitzen aber deutlich die Mehrheit. Auch Jaschar kommt mit 21 Mandaten nicht allein auf eine regierungsfähige Basis. Damit hängt die Regierungsbildung von Koalitionsverhandlungen und möglichen Unterstützungsabsprachen mit weiteren Parteien ab.

Mehrheiten bleiben offen

Herzogs Gespräche sollen bis Donnerstagabend dauern. Die Parteivertreter können dabei Empfehlungen für den ersten Auftrag zur Regierungsbildung abgeben. Dass dieser Auftrag nicht automatisch an den Vorsitzenden der stärksten Partei geht, macht die Zahl der erwarteten Empfehlungen zu einem wichtigen Faktor.

Für die Bürger bedeutet das zunächst eine Phase politischer Verhandlungen. Ein Auftrag an Eisenkot würde nicht automatisch seine Wahl zum Ministerpräsidenten bedeuten, sondern lediglich den Beginn eines weiteren verfassungsrechtlichen Schritts. Erst wenn ein Kandidat eine Koalition formt, lässt sich absehen, ob Israel eine stabile Regierung erhält oder die Gespräche scheitern.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesschau: „Israels Präsident Herzog startet Konsultationen zur Regierungsbildung“ (04.11.2026)

Der Beitrag ordne die Gespräche als Beginn eines schwierigen und möglicherweise langwierigen Regierungsbildungsprozesses ein. Einen zusätzlichen Schwerpunkt lege er auf die Rolle der arabischen Parteien als mögliche Schlüsselspieler bei der Suche nach einer Mehrheit.

Deutschlandfunk: „Israel - Wahlkommission sieht keine Unregelmäßigkeiten - Konsultationen beginnen“ (04.11.2026)

Der Deutschlandfunk berichte über den Beginn der Konsultationen und die Feststellung der Wahlkommission, bei der Wahl habe es keine Unregelmäßigkeiten gegeben. Anders als der Tagesschau-Beitrag konzentriere sich der Bericht stärker auf das Verfahren und die Sitzverteilung; offen bleibe in beiden Darstellungen, wer letztlich den Auftrag zur Regierungsbildung erhalte.

Beide Beiträge seien sich einig, dass Herzog zunächst die Parteien anhöre und Likud stärkste Kraft geworden sei. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung des Verfahrens und der möglichen Rolle arabischer Parteien.

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