Westjordanland, Hebron

Israel startet Einsatz nach Angriff auf zwei Soldaten in Hebron

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 04:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach dem tödlichen Schusswaffenangriff nahe Hebron sollen Armee, Geheimdienst, Grenzpolizei und Zivilverwaltung mehrere Tage lang gegen mutmaßliche Terrorstrukturen vorgehen. Die Maßnahmen umfassen auch Abriegelungen, Straßensperren und mögliche Abrisse illegaler Bauwerke.

Maßnahmen rund um Hebron

  • Armee, Schin Bet, Grenzpolizei und Zivilverwaltung durchsuchen das Einsatzgebiet nach Waffen und Terrorinfrastruktur.
  • Hebron und Halhul sind abgeriegelt; drei Ausgänge ermöglichen Bewohnern nach Befragung das Verlassen des Gebiets.
  • Die Armee kündigt zusätzlich den Abriss illegaler Bauwerke an, die eine Sicherheitsbedrohung darstellen könnten.
  • Israel startet nach eigenen Angaben eine «Anti-Terror-Operation» im Raum Hebron. - Bild: Mahmoud Illean/AP/dpa
  • Guterres zeigte sich angesichts der Lage im Westjordanland besorgt. (Archivbild) - Bild: Yuki Iwamura/AP/dpa
  • In Israel wird am Dienstag gewählt. - Bild: Erik Marmor/dpa
Israel startet nach eigenen Angaben eine «Anti-Terror-Operation» im Raum Hebron. - Bild: Mahmoud Illean/AP/dpa Guterres zeigte sich angesichts der Lage im Westjordanland besorgt. (Archivbild) - Bild: Yuki Iwamura/AP/dpa In Israel wird am Dienstag gewählt.  - Bild: Erik Marmor/dpa

Israel beginnt Einsatz im Raum Hebron

Israel hat im Westjordanland einen Anti-Terror-Einsatz im Raum Hebron begonnen. Die Operation folgt auf einen Schusswaffenangriff, bei dem am Freitag zwei israelische Soldaten getötet und drei weitere verletzt wurden.

Mehrere Tage dauernde Suche angekündigt

Armee, Inlandgeheimdienst Schin Bet, Grenzpolizei und Zivilverwaltung sollen das Gebiet gezielt nach Terrorinfrastruktur und Waffen durchsuchen und diese beseitigen. Der Einsatz sei auf den Bereich begrenzt, aus dem die mutmaßlichen Angreifer operiert hätten, und werde voraussichtlich mehrere Tage dauern.

Abriegelung und Straßensperren

Die beiden mutmaßlich palästinensischen Täter aus Hebron wurden nach Angaben des israelischen Militärs getötet. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ordnete nach dem Angriff an, Hebron abzuriegeln und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen.

Die Sicherheitskräfte riegelten auch Halhul ab und richteten Straßensperren ein. Bewohnerinnen und Bewohner des betroffenen Gebiets können demnach über drei ausgewiesene Ausgänge nach einer Befragung das Gebiet verlassen.

Abrisse und Einsätze an Dutzenden Orten

Die Armee kündigte außerdem den Abriss illegaler Bauwerke an, die am Ort des Zwischenfalls eine mögliche Sicherheitsbedrohung darstellen könnten. Nach ihren Angaben laufen derzeit in Dutzenden Orten im Westjordanland Anti-Terror-Einsätze.

Guterres besorgt über Folgen

UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich zutiefst besorgt über die Abriegelung von Hebron sowie Berichte über Hausabrisse und mögliche Vertreibungen. Sein Sprecher erklärte, die Absperrungen schränkten die Bewegungsfreiheit, den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und die Lebensgrundlage der Palästinenser erheblich ein.

Einsatz vor israelischer Parlamentswahl

Am Dienstag wird in Israel ein neues Parlament gewählt. Der Konflikt mit den Palästinensern ist ein wichtiges Wahlkampfthema, während rechte Politiker ein hartes Vorgehen gegen palästinensische Gewalt versprechen.

Das Westjordanland und Ost-Jerusalem wurden von Israel im Sechstagekrieg 1967 erobert und werden seither von Israel besetzt gehalten. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden dort seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem Beginn des Gaza-Kriegs mehr als 1.100 Palästinenser bei Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet.

Der Einsatz im Raum Hebron steht im Zusammenhang mit der verschärften Sicherheitslage im Westjordanland seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem folgenden Gaza-Krieg. Militärische Razzien, bewaffnete Angriffe, Festnahmen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit prägen seither den Alltag vieler Menschen in dem Gebiet.

Die angekündigte Dauer von mehreren Tagen und die Abriegelung von Hebron und Halhul machen den Vorgang auch für die palästinensische Zivilbevölkerung unmittelbar relevant. Ausgewiesene Ausgänge nach Befragung sollen zwar das Verlassen des betroffenen Gebiets ermöglichen, zugleich können Sperren den Zugang zu Arbeit, medizinischer Versorgung, Schulen und anderen grundlegenden Dienstleistungen erschweren.

Wahlkampf erhöht den politischen Druck

Die Operation beginnt wenige Tage vor der israelischen Parlamentswahl. Das Thema Sicherheit gehört zu den zentralen Konfliktfeldern des Wahlkampfs; ein hartes Vorgehen gegen palästinensische Gewalt spricht insbesondere rechte Wählergruppen an. Die Regierung muss dabei zwischen dem Versprechen entschlossener Sicherheitsmaßnahmen und den Folgen umfassender Abriegelungen abwägen.

International richtet sich der Blick deshalb nicht nur auf die Suche nach Waffen und mutmaßlicher Terrorinfrastruktur, sondern auch auf Hausabrisse, mögliche Vertreibungen und den Schutz der Zivilbevölkerung. Die weitere Entwicklung hängt davon ab, wie lange die Maßnahmen dauern, ob sie auf das angekündigte Gebiet begrenzt bleiben und ob es zu weiteren Angriffen oder Vergeltungsmaßnahmen kommt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Nach Anschlag auf Soldaten: Israel startet Operation im Westjordanland“ (24.10.2026)

Der Beitrag bestätigt den Beginn der Operation und beschreibt die Suche nach Waffen und Terrorinfrastruktur. Einen zusätzlichen Schwerpunkt setzt er auf die vorausgegangene Abriegelung sowie auf die Ankündigung eines möglichen größeren Militäreinsatzes.

Deutschlandfunk: „Israel startet ‚Anti-Terror-Operation‘ im Westjordanland nach Schusswaffenangriff in Hebron“ (24.10.2026)

Der Bericht bestätigt die mehrtägige Suche im Großraum Hebron und nennt die Zahl der Toten und Verletzten bei dem Angriff. Anders als der tagesschau-Beitrag konzentriert er sich stärker auf die unmittelbare Abfolge von Schusswaffenangriff, Gegenschlag und Abriegelungsankündigung.

Beide Beiträge stimmen beim Beginn des Einsatzes und beim Zusammenhang mit dem tödlichen Angriff überein. Offen bleibt, wie lange die Abriegelungen tatsächlich dauern und ob die angekündigte Operation ausgeweitet wird.

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