Island, Europa

Island vor EU-Referendum: Ja zu neuen Beitrittsgesprächen?

Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Heute wird über Islands künftigen EU-Kurs entschieden. Und das Votum könnte denkbar knapp ausfallen. Geht die Vulkaninsel wieder auf Brüssel zu - oder bleiben die Isländer lieber für sich?

  • Mehr als 270.000 Isländer sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.  - Bild: Marco Di Marco/AP/dpa
    Mehr als 270.000 Isländer sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. - Bild: Marco Di Marco/AP/dpa
  • Längst nicht alle Inselbewohner sind für einen EU-Beitritt. - Bild: Marco Di Marco/AP/dpa
    Längst nicht alle Inselbewohner sind für einen EU-Beitritt. - Bild: Marco Di Marco/AP/dpa
  • Zwischen dem «Ja»- und «Nein»-Lager wird ein enges Rennen erwartet. (Archivbild) - Bild: James Brooks/AP/dpa
    Zwischen dem «Ja»- und «Nein»-Lager wird ein enges Rennen erwartet. (Archivbild) - Bild: James Brooks/AP/dpa
  • Islands Regierungschefin Kristrún Frostadóttir befürwortet neue Beitrittsgespräche. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Islands Regierungschefin Kristrún Frostadóttir befürwortet neue Beitrittsgespräche. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • Die Bewohner der Vulkaninsel Island sind gespalten, was den EU-Kurs angeht. (Symbolbild) - Bild: Marco Di Marco/AP/dpa
    Die Bewohner der Vulkaninsel Island sind gespalten, was den EU-Kurs angeht. (Symbolbild) - Bild: Marco Di Marco/AP/dpa
  • Fischerei und Walfang gehören zu Islands wichtigsten Wirtschaftspfeilern. (Archivbild) - Bild: Steffen Trumpf/dpa
    Fischerei und Walfang gehören zu Islands wichtigsten Wirtschaftspfeilern. (Archivbild) - Bild: Steffen Trumpf/dpa
Mehr als 270.000 Isländer sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.  - Bild: Marco Di Marco/AP/dpa Längst nicht alle Inselbewohner sind für einen EU-Beitritt. - Bild: Marco Di Marco/AP/dpa Zwischen dem «Ja»- und «Nein»-Lager wird ein enges Rennen erwartet. (Archivbild) - Bild: James Brooks/AP/dpa Islands Regierungschefin Kristrún Frostadóttir befürwortet neue Beitrittsgespräche. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa Die Bewohner der Vulkaninsel Island sind gespalten, was den EU-Kurs angeht. (Symbolbild) - Bild: Marco Di Marco/AP/dpa Fischerei und Walfang gehören zu Islands wichtigsten Wirtschaftspfeilern. (Archivbild) - Bild: Steffen Trumpf/dpa

Heute geht's für Island um Europa: In einem Referendum stimmen die Bewohner der Vulkaninsel über die Wiederaufnahme von EU-Beitrittsgesprächen ab. Stimmen sie mit «Ja», macht das den Weg für neue Verhandlungen mit Brüssel frei. Bei einem «Nein» hat die Regierung versprochen, das Vorhaben fallen zu lassen. Mehr als 270.000 Isländerinnen und Isländer sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Ein Fünftel von ihnen hat das Kreuzchen nach Angaben des isländischen Fernsehens bereits vorab gemacht. Alles deutet auf ein enges Rennen hin.

Regierungschefin Frostadóttir will neue Gespräche

Die sozialdemokratische Regierungschefin Kristrún Frostadóttir hatte ihren Landsleuten schon bei Amtsantritt Ende 2024 eine Abstimmung über neue EU-Verhandlungen angekündigt. Auch wenn der Ausgang des Referendums noch nichts darüber aussagt, ob Island am Ende möglicher Beitrittsgespräche auch tatsächlich Mitglied der EU würde, ging es in den Debatten der vergangenen Wochen schon viel darum, welchen Vorteil eine volle Mitgliedschaft hätte. 

«Ich halte das für einen der wichtigsten Schritte, die wir unternehmen können, um Risiken zu verringern», sagte Frostadóttir im isländischen Fernsehen. In unsicheren Zeiten wie diesen, in denen sich internationale Beziehungen veränderten, sei die Frage, ob ein kleines Land wie Island sich größeren Staaten und Bündnissen annähern sollte. «Wir sehen um uns herum, dass Länder in unserer Nachbarschaft durch die Europäische Union geschützt wurden.»

Ob sie damit auch Grönland meint? Die wiederholten Drohungen von US-Präsident Donald Trump, die zu Dänemark gehörende Arktisinsel den Vereinigten Staaten einzuverleiben, haben auch in Island Unruhe ausgelöst. So mancher Isländer fragt sich, wie verlässlich das 1951 mit den USA geschlossene bilaterale Verteidigungsabkommen noch ist. Und allein kann Island sich nicht verteidigen. Die Insel ist zwar Gründungsmitglied der Nato, hat aber keine eigene Armee.

Wirtschaftlich ist Island zudem bereits stark in Europa integriert: Das Land gehört zum Europäischen Wirtschaftsraum und genießt die Vorteile des Binnenmarkts - hat aber bei wichtigen Entscheidungen kein Mitspracherecht. 

Angst um das Geschäft mit der Fischerei

Bereits während der Finanzkrise 2009 hatte das gerade einmal rund 400.000 Einwohner zählende Land einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt. Doch der Vorstoß verlief im Sande: Nach der Parlamentswahl 2013 legte die neue, EU-skeptische Regierung die Beitrittspläne auf Eis.

Gescheitert waren die Gespräche damals unter anderem an der Debatte um die Fischerei. Sie ist der größte Wirtschaftszweig der Insel. In diesem Bereich hat Island deshalb besonders große Sorge, seine Unabhängigkeit zu verlieren. In einer Debatte im isländischen Fernsehen kurz vor dem Referendum versprach Regierungschefin Frostadóttir ihren Landsleuten, Island werde den Verhandlungstisch schnell wieder verlassen, sollte man nicht die volle Kontrolle über die eigenen Fischereiressourcen behalten dürfen.

Ob es überhaupt an den Verhandlungstisch geht, wird sich nach dem Referendum entscheiden. Sollten die Beitrittsgespräche letztlich zum Erfolg führen, hätte das isländische Volk noch einmal die Wahl: Für diesen Fall hat die Regierung ein zweites Referendum angekündigt, in dem die Isländer über die Mitgliedschaft abstimmen dürften.

Disclaimer...

de | ausland | 70017840 |