Irkutsk: Behörden finden bei fast 5.000 Pest-Tests keine gefährlichen Erreger
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 14:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach dem Tod einer Wissenschaftlerin an einem Pest-Forschungszentrum in Irkutsk haben russische Behörden bei fast 5.000 Labortests keine gefährlichen Krankheitserreger gefunden.
Reihenuntersuchungen fast abgeschlossen
90 Prozent der Personen unter Beobachtung seien untersucht worden, teilte die für Seuchenbekämpfung zuständige Behörde Rospotrebnadsor mit. Dabei seien keine Gesundheitsbeeinträchtigungen im Zusammenhang mit Infektionskrankheiten festgestellt worden.
Wie viele mögliche Kontaktpersonen der gestorbenen Wissenschaftlerin untersucht wurden, teilte die Behörde nicht mit. In Presseberichten war zuvor von bis zu 200 Personen die Rede.
Behörde schließt Laborunfall aus
Rospotrebnadsor bekräftigte zugleich die Einschätzung, dass es in dem Institut zur Bekämpfung von Pestkrankheiten keinen Laborunfall gegeben habe. Für die Region rund 4.200 Kilometer östlich von Moskau bestehe kein Seuchenrisiko.
Todesursache bleibt unbekannt
Die 28-Jährige war am vergangenen Freitag gestorben. Als offizielle Todesursache gilt eine Lungenentzündung unbekannter Herkunft. Genauere Angaben machten die Behörden bislang nicht.
Die Frau sei nicht mit den Pesterregern infiziert gewesen, mit denen sie beruflich zu tun hatte, hieß es. Russland habe die Weltgesundheitsorganisation regelkonform über den Vorfall informiert.
Kreml weist Berichte zurück
Der Fall einer möglichen Infektion mit der Lungenpest sorgt dennoch international für Besorgnis. Die USA und die WHO dringen auf weitere Informationen.
Kremlsprecher Dmitri Peskow rief dazu auf, sich an die offiziellen Angaben von Rospotrebnadsor zu halten. Die meisten Informationen zu Irkutsk in den Medien seien falsch.
Seltene, aber behandlungsbedürftige Infektion
Die Pest ist in Russland nicht vollständig verschwunden. Der Erreger Yersinia pestis zirkuliert in bestimmten Naturherden unter Nagetieren und kann über Flöhe oder direkten Kontakt mit infizierten Tieren übertragen werden. In Sibirien überwachen spezialisierte Institute solche Gebiete und untersuchen Proben.
Besonders gefährlich ist die Lungenpest, weil sie sich bei engem Kontakt über Tröpfchen verbreiten kann und unbehandelt rasch lebensbedrohlich wird. Zugleich ist sie mit geeigneten Antibiotika behandelbar. Für die Eindämmung sind deshalb eine schnelle Diagnose, die Isolierung Erkrankter und die Überwachung enger Kontaktpersonen entscheidend.
Bedeutung der Untersuchungen
Die fast 5.000 Tests und die Untersuchung von 90 Prozent der beobachteten Personen bilden eine wichtige Grundlage für die Einschätzung der Lage in Irkutsk. Bleiben weitere Erkrankungen aus, spricht das für einen begrenzten Vorgang und gegen eine breitere Infektionskette. Für Deutschland ergibt sich daraus kein konkreter Anlass zur Sorge: Ein einzelner importierter Fall wäre grundsätzlich medizinisch behandelbar und durch etablierte Melde- und Isolationsstrukturen einzudämmen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Russland dementiert Pestfall nach Tod in Forschungslabor“ (05.10.2026)
Der Bericht bestätige den Tod der 28-jährigen Mitarbeiterin und die russischen Dementis zu Pestinfektion und Laborunfall. Er hebe zugleich hervor, widersprüchliche Angaben zu Quarantänemaßnahmen und frühere Hinweise auf eine „besonders gefährliche Infektion“ hätten die Spekulationen verstärkt.
Das Medium schreibe, eine größere Ausbreitung sei bei einem einzelnen Fall und konsequenter Überwachung der Kontaktpersonen eher unwahrscheinlich. Zugleich betone der Bericht, die Todesursache und ein möglicher Zusammenhang mit der Arbeit im Labor blieben zentrale offene Fragen.
Beide Berichte bestätigten den Todesfall, die Untersuchungen und die behördliche Zurückweisung eines Pestfalls; unterschiedlich gewichten sie die offenen Fragen und das Risiko einer weiteren Ausbreitung.

