Iran und Oman planen Abkommen zu neuen Schiffsrouten durch die Straße von Hormus
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 15:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIran und Oman wollen mit einem Treffen in Maskat ein Abkommen über neue Schiffsrouten durch die Straße von Hormus schließen, während der Krieg in der Region und die Blockade der Meerenge den globalen Ölhandel weiter belasten.
Abkommen über neue Routen durch die Meerenge geplant
Irans Präsident Massud Peseschkian kündigte an, dass Iran und Oman am Montag in der omanischen Hauptstadt ein Abkommen über neue Schiffsrouten in der Straße von Hormus unterzeichnen wollen. Auch die arabischen Golf-Anrainerstaaten sind demnach eingeladen, um über Details der Vereinbarung informiert zu werden, Bahrain will das Treffen jedoch boykottieren. Eine rasche Öffnung der Meerenge für die internationale Schifffahrt gilt als unwahrscheinlich, da aus iranischer Sicht zunächst die US-Seeblockade enden und militärische Handlungen der US-Armee eingestellt werden müssten.
Regionale Beteiligte und Rolle internationaler Organisationen
Teilnehmer des Treffens sollen detaillierte Informationen zu dem geplanten Abkommen erhalten und Karten mit den vorgesehenen neuen Routen ausgehändigt bekommen. Nach Angaben des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi soll die Vereinbarung zudem der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation übergeben werden. Das regionale Format des Treffens könnte der Vereinbarung zusätzliches politisches Gewicht verleihen und Gespräche über eine mögliche Verständigung zwischen Teheran und Washington unterstützen.
Anhaltende Gewalt rund um die Straße von Hormus
Die Lage rund um die Straße von Hormus bleibt trotz der diplomatischen Initiative angespannt. Bei einem Angriff auf ein iranisches Containerschiff wurde nach Angaben aus Teheran ein Mann getötet und vier Besatzungsmitglieder verletzt, an Bord des Schiffs brach ein Feuer aus. Rund um die Meerenge greift das US-Militär inzwischen auch zivile iranische Schiffe an, nachdem US-Präsident Donald Trump als Reaktion auf iranische Raketenangriffe auf Handelsschiffe die Doktrin „Tanker für Tanker“ angeordnet hatte.
Auswirkungen auf Ölpreise und Weltwirtschaft
Nach mehr als einem halben Jahr Krieg ist der Streit um den wichtigen Seeweg weiterhin ungelöst. Vor Beginn der Auseinandersetzungen war die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr offen, die aktuelle Blockade belastet die Weltwirtschaft und die Energiemärkte erheblich. Der Preis für ein Barrel Rohöl der Referenzsorte Brent ist zuletzt fast auf 110 US-Dollar gestiegen, nachdem er im Februar vor Kriegsbeginn noch bei rund 70 US-Dollar lag.
Saudische Alternativroute durch Drohnenangriffe gestoppt
Die ölreichen Golfstaaten versuchen seit Monaten, ihre Ausfuhren trotz der Krise in der Meerenge aufrechtzuerhalten. Saudi-Arabien hatte dazu Öl über eine Pipeline zum Roten Meer umgeleitet, um die Straße von Hormus zu umgehen. Nach Drohnenangriffen aus dem Irak wurde diese Ost-West-Pipeline mit einer Länge von 1.200 Kilometern und einer Kapazität von etwa sieben Millionen Barrel täglich jedoch vorsorglich stillgelegt.
Bedrohung an Bab al-Mandab und im Jemen
Selbst bei einer Wiederinbetriebnahme der Pipeline bleiben saudische Exporte über die Meerenge Bab al-Mandab aufgrund des Vormarschs der Huthi-Miliz im Jemen unter Druck. Die Miliz kontrolliert inzwischen die gesamte Westküste des Landes am Roten Meer, was die Lage weiter verschärft. Im Jemen herrscht nach dem Vormarsch der Iran-treuen Huthi eine angespannte Ruhe, zugleich kommt es laut Militärkreisen zu erneuten Angriffen von Regierungstruppen auf Huthi-Ziele im Raum von Tais.
Verstärkte Angriffe und hohe Verluste
Die Huthi erklärten, sie hätten Waffenlager und Kommandozentren in Saudi-Arabien angegriffen und greifen verstärkt zivile Ziele sowie Öl-Einrichtungen im Königreich an. Mit der international anerkannten Regierung verbündete Kämpfer an der Westküste berichteten von mehr als 500 Toten und 1.500 Verletzten in den eigenen Reihen bei Gefechten mit der Miliz. Es handele sich nach ihrer Darstellung um einige der schwersten und intensivsten Kämpfe, die mit Raketen, Drohnen und Sprengstoff-Booten geführt wurden.
Humanitäre Katastrophe und Fluchtbewegungen
Der ohnehin stark verarmte Jemen ist durch die erneute Eskalation weiter in den seit mehr als zehn Jahren andauernden Bürgerkrieg gestürzt. Nach UN-Schätzungen aus dem Jahr 2021 wurden über 150.000 Menschen in Kämpfen getötet, weitere 220.000 starben an indirekten Kriegsfolgen wie Hunger und Krankheiten. Rund 22 Millionen Menschen im Jemen sind derzeit auf humanitäre Hilfe angewiesen, gleichzeitig kommt es zu neuen Fluchtbewegungen in Nachbarstaaten.
Gefährdung der Schifffahrt im Roten Meer
Innerhalb von 24 Stunden seien 1.400 Flüchtlinge in Dschibuti angekommen, einem Staat am Horn von Afrika auf der gegenüberliegenden Seite der Meerenge Bab al-Mandab. Von ihren neu gewonnenen Positionen am Roten Meer aus können die Huthi Handels- und andere Schiffe gezielter angreifen oder stören als zuvor, sie hatten dort bereits in den vergangenen Jahren mehrfach Schiffe attackiert, versenkt oder gekapert. Ein Sprecher der Miliz erklärte, die Sicherheit der Schifffahrt sei gewährleistet, ausgenommen seien saudische Schiffe.
Militäreinsätze zum Schutz der Schifffahrt
Als Reaktion auf die Angriffe ab dem Jahr 2023 wurden die EU-geführte Mission Aspides und der US-geführte Einsatz Prosperity Guardian zum Schutz der Schifffahrt im Roten Meer ins Leben gerufen. Trotz dieser Einsätze setzen die Huthi ihre Angriffe auf Schiffe fort, sodass die maritime Sicherheit in der Region weiterhin stark beeinträchtigt bleibt.
Strategische Bedeutung der Straße von Hormus
Die geplante Vereinbarung zwischen Iran und Oman zu neuen Schiffsrouten durch die Straße von Hormus zielt in einem laufenden Krieg auf die Entschärfung eines zentralen globalen Engpasses. Die Meerenge ist für einen erheblichen Teil der weltweiten Öl- und Gastransporte unverzichtbar. Die faktische Blockade hat die Energiepreise deutlich steigen lassen und erhöht die Unsicherheit für Unternehmen, die auf stabile Lieferketten angewiesen sind. Zugleich bleibt die Öffnung abhängig von politischen Entscheidungen der USA, deren Seeblockade und militärische Operationen Iran als zentrale Hindernisse benennt.
Verwundbare Alternativrouten und regionale Konfliktlinien
Die Stilllegung der saudischen Ost-West-Pipeline nach Drohnenangriffen aus dem Irak zeigt, wie begrenzt die Möglichkeiten der Golfstaaten sind, die Straße von Hormus zu umgehen. Selbst wenn die Pipeline wieder in Betrieb geht, bleiben die Ausfuhren über Bab al-Mandab wegen der Huthi-Präsenz im Jemen gefährdet. Damit geraten sowohl der Persische Golf als auch das Rote Meer zu zusammenhängenden Konflikträumen, in denen staatliche und nichtstaatliche Akteure gezielt Energieinfrastruktur und Handelsrouten angreifen. Für Importeure in Europa bedeutet dies anhaltende Preis- und Versorgungsschwankungen, die direkt auf Verbraucherpreise und Industrieproduktion durchschlagen können.
Humanitäre Krise im Jemen und begrenzter Militäreinsatz
Parallel zur geopolitischen Dimension eskaliert der Bürgerkrieg im Jemen erneut. Die hohe Zahl von Toten und Verletzten, neue Fluchtbewegungen sowie die große Abhängigkeit von humanitärer Hilfe unterstreichen, dass militärische Antworten bislang keine nachhaltige Stabilisierung bringen. Die Einsätze Aspides und Prosperity Guardian sollen die Schifffahrt schützen, können aber die Angriffe der Huthi nur begrenzt eindämmen. Für Leserinnen und Leser wird deutlich: Entscheidungen über ein Abkommen im Oman und über den weiteren Kurs der USA haben unmittelbare Folgen für Energiepreise, Versorgungssicherheit und die Chancen auf eine politische Entspannung in einer Region, deren Konflikte sich bis nach Europa auswirken.
