Iran-Gespräche: Vance prüft Diplomatie vor US-Schlägen
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 03:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVermittlung zwischen Washington und Teheran
- JD Vance soll Mohsen Resai ein Schreiben zu möglichen Verhandlungen geschickt haben.
- Katar drängt den Iran demnach auf Zugang für UN-Inspektoren zu bombardierten Atomanlagen.
- Abbas Araghtschi erklärte, der Iran sei kampfbereit und gebe der Diplomatie weiter eine Chance.
Vance sondiert Gespräche mit Iran
US-Vizepräsident JD Vance soll dem iranischen Sicherheitsratschef Mohsen Resai ein Schreiben zu möglichen Verhandlungen geschickt haben. Parallel drängen Vermittler um Katar den Iran demnach auf Zugang für UN-Inspektoren zu bombardierten Atomanlagen.
Schreiben soll Militärschläge abwenden
Das „Wall Street Journal“ berichtete unter Berufung auf ungenannte Quellen, Vance wolle ausloten, ob geplante Militärschläge gegen den Iran noch diplomatisch verhindert werden könnten. Zuvor hatte die Zeitung berichtet, die USA hätten mehrere arabische Golfstaaten aufgefordert, sich auf einen kurzen, intensiven Militäreinsatz nach den US-Zwischenwahlen am 3. November einzustellen.
Atomprogramm als Bedingung
Seit längerem wird darüber spekuliert, dass die USA und Israel nach den Midterms erneut gegen den Iran vorgehen könnten. In Vances Schreiben soll es dem Bericht zufolge um Rahmenbedingungen für Verhandlungen gehen, nicht um einen konkreten Vorschlag zur Beendigung des Krieges.
Das Portal „Axios“ berichtete unter Berufung auf einen US-Regierungsbeamten, Vance habe klargemacht, dass Irans Atomprogramm zwingend Gegenstand möglicher Gespräche sein müsse. Nur so könnten Angriffe des US-Militärs noch abgewendet werden.
Trump bestätigt Austausch mit Vance
„Axios“ und das „Wall Street Journal“ berichteten übereinstimmend, der Brief sei mit Präsident Donald Trump abgestimmt gewesen. Trump sagte hingegen, bei Vances Initiative gehe es darum, dass der Iran Hilfe bei medizinischen Gütern und anderen Dingen benötige.
Trump schilderte den Austausch mit seinem Vize mit den Worten: „Er hat mich gefragt, was ich davon halte, ich habe gesagt: ‚Wenn du das machen willst, ist das in Ordnung.‘“
Iran hält an Diplomatie fest
Irans Außenminister Abbas Araghtschi erklärte, sein Land sei kampfbereit, gebe der Diplomatie aber weiterhin eine Chance. Der Iran stehe in engem Kontakt mit Vermittlern, um Vorschläge zur Umsetzung seines Sieben-Tage-Plans innerhalb von weniger als einer Woche zu prüfen.
Der Plan sieht eine schrittweise Deeskalation vor, wurde von Washington bislang aber abgelehnt. Teherans Reaktion auf den Vorschlag zu Inspektionen und einer möglichen Lockerung von US-Sanktionen ist nicht bekannt.
Katar wirbt in Amman für Lösung
Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani traf sich in der jordanischen Hauptstadt Amman mit Außenminister Aiman al-Safadi. Nach Angaben des katarischen Außenministeriums sprach er sich für eine diplomatische Lösung und die Sicherung der freien Schifffahrt aus.
Jordanien ist mit den USA verbündet und wird immer wieder Ziel iranischer Raketenangriffe. Katar versucht unterdessen, neue Verhandlungen zwischen Washington und Teheran zu ermöglichen und ein Wiederaufflammen des Krieges zu verhindern.
Die Meldung fällt in eine Phase, in der militärischer Druck und diplomatische Sondierungen parallel laufen. Der von US-Vizepräsident JD Vance übermittelte Vorstoß soll klären, ob Gespräche über das iranische Atomprogramm Bedingungen schaffen könnten, unter denen weitere Angriffe ausbleiben.
Eine zentrale Rolle übernimmt dabei Katar. Das Golfemirat verfügt über Kontakte zu Teheran und Washington und kann deshalb zwischen den Konfliktparteien vermitteln. Der mögliche Zugang von UN-Inspektoren zu bombardierten Atomanlagen wäre dabei nicht nur eine technische Frage: Er könnte Aufschluss über Schäden, verbliebene Anlagen und den Stand des iranischen Nuklearprogramms geben.
Diplomatie unter militärischem Zeitdruck
Für den Iran verbindet der Vorschlag mehrere heikle Punkte. Teheran müsste einerseits Transparenz bei den Atomanlagen ermöglichen, andererseits auf eine Lockerung von US-Sanktionen hoffen. Washington wiederum müsste entscheiden, ob begrenzte Zugeständnisse ausreichen, um einen neuen Militäreinsatz abzuwenden. Der von Außenminister Abbas Araghtschi erwähnte Sieben-Tage-Plan zielt auf eine schrittweise Deeskalation, während die USA ihn bislang ablehnen.
Für die Region steht zusätzlich die Sicherheit der Schifffahrt auf dem Spiel. Das Treffen der Außenminister Katars und Jordaniens in Amman zeigt, dass Vermittler neben dem Atomprogramm auch die Auswirkungen des Konflikts auf Nachbarstaaten und Verkehrswege eindämmen wollen. Ob aus den Kontakten formelle Verhandlungen entstehen, hängt vor allem von Teherans Bereitschaft zu Inspektionen, möglichen US-Sanktionsschritten und der weiteren militärischen Planung nach dem 3. November ab.
FOCUS online: „Iran: Gespräche über Fahrplan für Kriegsende laufen“ (28.10.2026)
Der Beitrag hebt Gespräche über einen Fahrplan zur Beendigung des Krieges und eine mögliche Öffnung der Straße von Hormus hervor. Damit setzt er einen breiteren Schwerpunkt auf Kriegsende und regionale Schifffahrt, während die dpa-Meldung vor allem Vances Schreiben, das Atomprogramm und den möglichen Zugang für UN-Inspektoren beschreibt.
Frankfurter Rundschau: „Warnung an Verbündete: US-Regierung plant offenbar schweren Militärschlag gegen den Iran“ (28.10.2026)
Der Artikel konzentriert sich auf die militärische Vorbereitung nach den US-Zwischenwahlen und die regionale Warnung an Verbündete. Er ergänzt damit den diplomatischen Schwerpunkt der dpa-Meldung um die mögliche Eskalationsoption; offen bleibt, ob Verhandlungen diese Planung noch verändern können.
Beide Beiträge ordnen die diplomatischen Kontakte in einen größeren Konflikt ein, setzen aber unterschiedliche Akzente: FOCUS online betont den möglichen Fahrplan und die Schifffahrt, die Frankfurter Rundschau die militärische Drohkulisse.
