ICE-Schüsse in Austin: Venezolaner bei Einsatz der US-Einwanderungsbehörde schwer verletzt
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 07:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIn der texanischen Großstadt Austin haben Beamte der US-Einwanderungsbehörde ICE einen Mann angeschossen und schwer verletzt.
Mann schwer verletzt, Ermittlungen angekündigt
Der Mann wurde nach Angaben von Bürgermeister Kirk Watson mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht, schwebt aber nicht in Lebensgefahr. Ein Schuss traf ihn am Sonntag im Bereich des Oberkörpers, wie die Polizei mitteilte. Zunächst blieb unklar, ob die Kugel von vorne in die Brust oder von hinten in den Rücken eindrang.
Situation am Tatort noch unklar
Fotos vom Tatort deuten darauf hin, dass sich der Mann in seinem Auto befand, als die Schüsse fielen. Das Heimatschutzministerium erklärte auf der Plattform X, bei dem angeschossenen Mann handele es sich um einen Venezolaner, der sich den Angaben zufolge illegal in den USA aufhielt. Er sei nun in Gewahrsam der Bundesbehörden, bevor er abgeschoben werde. Der Vorfall soll untersucht werden.
Rufe nach transparenter Aufarbeitung
Bürgermeister Watson zeigte sich über den Einsatz empört und erklärte, es sei inakzeptabel, dass Beamte einer Behörde, die für Recht und Ordnung zuständig sei, auf offener Straße auf Menschen schießen. Er und Austins Polizeichefin Lisa Davis forderten, dass die örtliche Polizei in die Aufarbeitung des Vorfalls einbezogen wird. Eine interne Untersuchung allein durch ICE sei aus Gründen der Transparenz nicht ausreichend, so Watson. Nach seinen Angaben haben die Aktivitäten der Bundesbehörde gegen Migranten in Austin in diesem Monat deutlich zugenommen.
Proteste und Kritik an ICE
Am Ort des Zwischenfalls kam es zu spontanen kleineren Protesten gegen das Vorgehen von ICE. Der demokratische Abgeordnete Greg Casar, in dessen Wahlkreis Austin liegt, verlangte eine vollständige, unabhängige Untersuchung und die unverzügliche Veröffentlichung der Videos der eingesetzten Bodycams. Der verantwortliche Beamte müsse zur Rechenschaft gezogen werden. Casar sagte, ICE habe wiederholt auf Menschen geschossen und anschließend ein falsches Bild der Ereignisse gezeichnet. Für Austin sprach er vom „Horror“, der in die Stadt gekommen sei.
Harter Kurs der Trump-Regierung
US-Präsident Donald Trump verfolgt seit seinem Amtsantritt vor gut eineinhalb Jahren einen besonders harten Kurs gegen Migranten ohne gültigen Aufenthaltsstatus und gegen vorbestrafte Ausländer. Er drängt auf Massenabschiebungen und baut dabei vor allem auf die Bundesbehörde ICE, deren Kräfte für Razzien und Festnahmen zuständig sind. Die unter Trump deutlich verstärkte Behörde steht wegen teils brutaler Einsätze stark in der Kritik.
Frühere tödliche Einsätze
Bereits Anfang des Jahres hatten tödliche Schüsse bei einem Einsatz im Bundesstaat Minnesota für Empörung gesorgt, bei denen zwei US-Amerikaner ums Leben kamen. Der für diese Einsätze verantwortliche ICE-Funktionär Gregory Bovino musste daraufhin seinen Posten räumen. Seitdem agieren die Beamten nach Angaben aus den Behörden zwar weniger martialisch, doch die umstrittenen Einsätze setzen sich landesweit fort.
Gewaltvorwurf gegen US-Einwanderungsbehörde
Der Vorfall in Austin fügt sich in eine längere Reihe umstrittener Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE. Die Behörde steht seit Jahren in der Kritik, weil Festnahmen und Abschiebungen immer wieder mit dem Einsatz von Waffen und körperlicher Gewalt verbunden sind. Unter Präsident Donald Trump wurde ICE personell und organisatorisch ausgebaut, um einen besonders harten Kurs gegen Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus und vorbestrafte Migranten durchzusetzen.
Lokale Spannungen in Austin
Für die Stadt Austin verschärft der Schusswaffeneinsatz die Debatte über das Verhältnis zwischen Bundesbehörden und lokalen Institutionen. Bürgermeister Kirk Watson verweist auf eine deutlich erhöhte Präsenz von ICE-Einsätzen im laufenden Monat, während zugleich der Ruf nach transparenter und unabhängiger Untersuchung laut wird. Dass Vertreter der Stadtverwaltung und der Polizei ausdrücklich eine eigene Rolle bei der Aufarbeitung einfordern, zeigt das Misstrauen gegenüber einer alleinigen internen Untersuchung der Bundesbehörde.
Politische und gesellschaftliche Folgen
Bundesweit berührt der Fall zentrale Streitfragen der US-Migrationspolitik: Wie weit darf staatliche Gewalt im Kontext von Abschiebungen gehen, und wer kontrolliert deren Einsatz? Die Kritik von Kongressabgeordneten wie Greg Casar, der ICE wiederholte Falschaussagen nach Schusswaffeneinsätzen vorwirft, verdeutlicht, dass es hier nicht nur um einen Einzelfall, sondern um mögliche strukturelle Probleme geht. Für Migrantinnen und Migranten, insbesondere aus Lateinamerika, verstärkt ein solcher Vorfall die Angst vor Kontrollen und Abschiebungen. Zugleich wird sichtbar, dass Städte wie Austin versuchen, eigene Standards von Transparenz und Rechtsstaatlichkeit gegen den Kurs der Bundesregierung zu setzen.
