Jemen, Seeverkehr

Huthi-Rebellen kontrollieren gesamte jemenitische Rotmeer-Küste und Zugang zu Bab al-Mandab

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 14:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Huthi-Rebellen haben nach Regierungsangaben die gesamte jemenitische Küste am Roten Meer und strategisch wichtige Inseln unter ihre Kontrolle gebracht und ihren Zugriff auf die Meerenge Bab al-Mandab ausgebaut. Damit wächst der Druck auf den Welthandel und die ohnehin angespannte Lage in der Region.

  • Auch die Insel Perim oder Majun in der Meeresenge Bab al-Mandab soll in die Hände der Huthi-Rebellen gefallen sein. (Archivbild) - Bild: Planet Labs PBC/Planet Labs PBC/AP/dpa
    Auch die Insel Perim oder Majun in der Meeresenge Bab al-Mandab soll in die Hände der Huthi-Rebellen gefallen sein. (Archivbild) - Bild: Planet Labs PBC/Planet Labs PBC/AP/dpa
  • Die Huthi-Rebellen haben die ganze Küste des Roten Meeres unter ihre Kontrolle gebracht. (Archivbild) - Bild: Osamah Abdulrahman/AP/dpa
    Die Huthi-Rebellen haben die ganze Küste des Roten Meeres unter ihre Kontrolle gebracht. (Archivbild) - Bild: Osamah Abdulrahman/AP/dpa
  • Die Huthi griffen aus Solidarität mit der Hamas während des jüngsten Gaza-Kriegs immer wieder Schiffe im Roten Meer an. (Archivbild) - Bild: Osamah Abdulrahman/AP/dpa
    Die Huthi griffen aus Solidarität mit der Hamas während des jüngsten Gaza-Kriegs immer wieder Schiffe im Roten Meer an. (Archivbild) - Bild: Osamah Abdulrahman/AP/dpa
Auch die Insel Perim oder Majun in der Meeresenge Bab al-Mandab soll in die Hände der Huthi-Rebellen gefallen sein. (Archivbild) - Bild: Planet Labs PBC/Planet Labs PBC/AP/dpa Die Huthi-Rebellen haben die ganze Küste des Roten Meeres unter ihre Kontrolle gebracht. (Archivbild) - Bild: Osamah Abdulrahman/AP/dpa Die Huthi griffen aus Solidarität mit der Hamas während des jüngsten Gaza-Kriegs immer wieder Schiffe im Roten Meer an. (Archivbild) - Bild: Osamah Abdulrahman/AP/dpa

Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen kontrollieren nach Angaben jemenitischer Regierungsquellen inzwischen die gesamte Küste des Roten Meers im Jemen sowie strategisch wichtige Inseln und erweitern damit ihren Zugriff auf die Meerenge Bab al-Mandab.

Schlüsselroute zwischen Europa und Asien

Der Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und ist Teil einer Schifffahrtsroute, die vom Mittelmeer über den Suezkanal bis in den Indischen Ozean führt. Diese Linie gilt als kürzester Seeweg zwischen Europa und Asien und ist für den globalen Warenverkehr sowie den Transport von Rohstoffen von zentraler Bedeutung. Mit der Kontrolle über die jemenitische Rotmeer-Küste können die Huthi den Zugang zu dieser Route in größerem Umfang beeinflussen.

Belastung für Ölmarkt und Weltwirtschaft

Die Straße von Hormus ist infolge des Iran-Kriegs stark beeinträchtigt und spielt vor allem für den Export von Öl und Flüssigerdgas aus dem Persischen Golf eine Rolle. Der Bab al-Mandab wiederum ist für den gesamten Waren- und Rohstoffverkehr zwischen Europa und Asien wichtig. Der Ölpreis stieg in der Nacht auf Freitag deutlich an, der Preis für ein Barrel der Referenzsorte Brent mit Lieferung im November näherte sich zeitweise der Marke von 110 US-Dollar. Die zunehmende Unsicherheit an mehreren Engstellen des Welthandels erhöht die Risiken für Energiepreise und Lieferketten.

Luftangriffe der jemenitischen Regierung

Erst kürzlich hatten die Huthi die Hafenstadt Mokka am Roten Meer eingenommen. Mit den neuen Vorstößen kontrollieren sie nun den gesamten jemenitischen Abschnitt des Roten Meers. Die international anerkannte jemenitische Regierung reagierte nach dpa-Informationen mit Luftangriffen auf Huthi-Kämpfer im Bereich des Hafens und des Flughafens von Mokka. Von ihren neuen Positionen aus können die Huthi Handels- und andere Schiffe im Roten Meer gezielter angreifen oder stören als zuvor.

Gefahr für Schifffahrt und internationale Missionen

Der Schifffahrtsweg durch Bab al-Mandab gilt als enorm wichtig für den Welthandel und dürfte durch die verstärkte Kontrolle der Huthi noch stärker bedroht werden. In den vergangenen Jahren hatten die Rebellen im Zuge des Gaza-Kriegs aus Solidarität mit der Hamas mehrfach Schiffe im Roten Meer angegriffen, teils versenkt oder gekapert. Nach saudisch geführten Angriffen kündigten sie im Juli eine Blockade der Schifffahrt für Saudi-Arabien an, griffen seitdem mehrere Schiffe an und zwangen andere zu Kursänderungen. Die USA und die EU versuchen bereits mit Militäreinsätzen, Handelsschiffe besser vor Attacken der Miliz zu schützen.

Bewertungen von Experten und Rolle Irans

Vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen den USA und dem Iran bezeichnete der israelische Militärexperte Danny Citrinowicz die jüngsten Ereignisse als schweren Rückschlag für den Westen. Auf der Plattform X schrieb er, im Mittleren Osten habe es selten ein strategisches Versagen dieser Größenordnung gegeben und der Vorgang sei nicht nur ein saudisches, sondern ein internationales Problem. Irans Vizepräsident Mohammed Resa Aref gratulierte den Huthi-Rebellen und erklärte auf X, man freue sich über die Siege des „heldenhaften Volkes des Jemen“.

Langjähriger Bürgerkrieg und Fluchtbewegungen

Der Konflikt im Jemen dauert seit Jahren an und ist zuletzt erneut eskaliert. Die Huthi kämpfen gegen die international anerkannte Regierung und deren Verbündete und gelten als Teil der iranischen „Achse des Widerstands“, eines Netzwerks von Milizen, das von Teheran mit Waffen, Technologie, Fachwissen und Geld unterstützt wird. Auf der Gegenseite stehen die jemenitische Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt wird, sowie regierungstreue Kräfte wie die sogenannten Nationalen Widerstandskräfte, mit denen das saudisch angeführte Bündnis ebenfalls Luftangriffe gegen die Huthi fliegt.

Humanitäre Krise verschärft sich

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind durch die jüngsten Entwicklungen mehr als 46.000 Menschen in die Flucht getrieben worden. Die Chefin der Internationalen Organisation für Migration, Amy Pope, erklärte, Familien würden im Konflikt zum zweiten oder dritten Mal zur Flucht gezwungen und hätten kaum noch Besitz. In der Nacht hätten viele Menschen die Hafenstadt Mokka mit ihren Habseligkeiten verlassen, nachdem die Huthi die strategisch wichtige Stadt am Donnerstag eingenommen hatten. In einigen Gebieten sollen ganze Dörfer verlassen worden sein. Die IOM fordert die Konfliktparteien auf, humanitären Zugang zu ermöglichen und die Sicherheit von Helfern zu gewährleisten.

Strategische Bedeutung von Bab al-Mandab

Die Einnahme der gesamten jemenitischen Rotmeer-Küste durch die Huthi-Rebellen verschiebt das militärische und wirtschaftliche Kräfteverhältnis in einer der sensibelsten Seeregionen der Welt. Bab al-Mandab ist Teil der kürzesten Verbindung zwischen Europa und Asien über Mittelmeer, Suezkanal und Indischen Ozean. Wer hier Küstenabschnitte und Inseln kontrolliert, kann den internationalen Warenfluss beobachten, bedrohen oder im Extremfall blockieren und damit den Druck auf Reedereien, Versicherungen und staatliche Akteure deutlich erhöhen.

Auswirkungen auf Energiepreise und Sicherheitspolitik

Der spürbare Anstieg des Ölpreises unmittelbar nach den jüngsten Huthi-Vorstößen zeigt, wie sensibel die Märkte auf Risiken für zentrale Seewege reagieren. Zugleich ist mit der weiterhin beeinträchtigten Straße von Hormus ein weiterer Nadelöhr-Punkt der Weltwirtschaft betroffen. Zusammen erhöht dies die Gefahr, dass Transporte von Öl, Flüssigerdgas und anderen Rohstoffen kostspieliger und unsicherer werden. Staaten wie Saudi-Arabien, aber auch westliche Länder mit Marinepräsenz am Horn von Afrika müssen ihre Schutzkonzepte für Handelsschiffe überprüfen, da Angriffe nun von einer größeren und strategisch günstigeren Küstenlinie aus möglich sind.

Humanitäre Folgen und regionale Konfliktdynamik

Neben den ökonomischen Risiken verschärft der Vormarsch der Huthi die humanitäre Krise im Jemen. Zehntausende Menschen sind erneut zur Flucht gezwungen, viele bereits zum zweiten oder dritten Mal. Dies schwächt staatliche und lokale Strukturen zusätzlich und erschwert Hilfsorganisationen den Zugang. Politisch verstärkt der Erfolg der Huthi die Rolle Irans in der Region, da die Miliz Teil der von Teheran unterstützten „Achse des Widerstands“ ist. Für die international anerkannte jemenitische Regierung und ihre Verbündeten, insbesondere Saudi-Arabien, bedeutet der Verlust der Küste einen schweren Rückschlag, der die Aussichten auf eine stabile Friedenslösung weiter eintrübt.

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