Huthi kontrollieren gesamte jemenitische Rotmeer-Küste – Bab al-Mandab wird zum Risiko für Welthandel
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 16:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen kontrollieren nach Angaben jemenitischer Regierungsstellen inzwischen die gesamte Küste des Roten Meers im Jemen und strategisch wichtige Inseln.
Huthi bauen Zugriff auf Bab al-Mandab aus
Mit dem Vormarsch haben die Huthi ihren Zugriff auf die Meerenge Bab al-Mandab deutlich ausgeweitet, durch die eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt führt. Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und ist Teil der Route vom Mittelmeer über den Suezkanal in den Indischen Ozean. Diese Verbindung gilt als kürzester Seeweg zwischen Europa und Asien und ist für den globalen Warenverkehr von zentraler Bedeutung.
Zwei strategische Meerengen unter Druck
Neben Bab al-Mandab ist die infolge des Iran-Kriegs stark beeinträchtigte Straße von Hormus besonders für den Handel mit Öl und Flüssigerdgas wichtig, da sie den rohstoffreichen Persischen Golf mit dem Indischen Ozean verbindet. Bab al-Mandab spielt demgegenüber eine Schlüsselrolle für den gesamten Waren- und Rohstoffverkehr zwischen Europa und Asien. In der Nacht auf Freitag legte der Ölpreis deutlich zu: Ein Barrel Rohöl der Nordsee-Referenzsorte Brent zur Lieferung im November kostete zeitweise fast 110 US-Dollar.
Kämpfe um Mokka und Luftangriffe der Regierung
Erst kürzlich hatten die Huthi die jemenitische Hafenstadt Mokka eingenommen. Mit den jüngsten Vorstößen kontrolliert die Miliz nun den gesamten jemenitischen Küstenstreifen am Roten Meer. Die international anerkannte Regierung reagierte den Angaben zufolge mit Luftangriffen auf Huthi-Kämpfer im Hafen und am Flughafen von Mokka. Von ihren neuen Positionen aus können die Huthi Handels- und andere Schiffe im Roten Meer gezielter angreifen oder stören als zuvor.
Gefahr für Welthandel und selektive Drohungen
Der für den Welthandel zentrale Seeweg durch das Rote Meer gilt damit als noch stärker bedroht als bisher. Die Huthi hatten dort in den vergangenen Jahren wiederholt Schiffe angegriffen, teils versenkt oder gekapert. Ein Sprecher der Miliz versicherte zwar, die Sicherheit der Schifffahrt werde gewährleistet, machte aber eine Ausnahme für saudische Schiffe.
Reaktionen von Experten und aus dem Iran
Vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen den USA und dem Iran sprach der israelische Militärexperte Danny Citrinowicz von einem Rückschlag für den Westen. Auf der Plattform X schrieb er, im Mittleren Osten habe es selten ein strategisches Versagen dieser Größenordnung gegeben, und bezeichnete die jüngsten Entwicklungen als internationales Problem. Irans Vizepräsident Mohammed Resa Aref gratulierte den Huthi-Rebellen zu ihrem Vormarsch und erklärte auf X, man freue sich über die Siege des Volkes im Jemen.
Huthi als Teil der „Achse des Widerstands“
Im Jemen ist ein seit Jahren andauernder Konflikt erneut eskaliert. Die Huthi kämpfen gegen die international anerkannte Regierung und deren Verbündete und gehören zur sogenannten iranischen „Achse des Widerstands“, einem Netzwerk von Milizen, die von Teheran unterstützt werden. Der Iran versorgt die Huthi ähnlich wie die Hisbollah im Libanon mit Waffen, Technologie, Know-how und finanziellen Mitteln. Auf Seiten der Regierung stehen unter anderem Saudi-Arabien und regierungstreue Kräfte wie die sogenannten Nationalen Widerstandskräfte, die als strategische Partner im Kampf gegen die Huthi gelten.
Engpass für Schiffe und militärischer Schutz
Die Meerenge Bab al-Mandab ist an ihrer schmalsten Stelle etwa 20 Kilometer breit und damit deutlich enger als die etwa 50 Kilometer breite Straße von Hormus. Die stärkere Kontrolle des Zugangs durch die Huthi wird als erheblicher Rückschlag für Saudi-Arabien und den internationalen Schiffsverkehr gewertet. Die USA und die EU versuchen mit Militäreinsätzen, Handelsschiffe besser vor Angriffen der Miliz zu schützen.
Auswirkungen auf Zivilbevölkerung
Parallel zur militärischen Entwicklung hat sich die humanitäre Lage weiter verschärft. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden mehr als 46.000 Menschen in die Flucht getrieben. Familien würden in diesem Konflikt zum zweiten oder dritten Mal zur Flucht gezwungen, oft ohne nennenswerten Besitz, wie die Chefin der Internationalen Organisation für Migration, Amy Pope, erklärte. In der Nacht sollen zahlreiche Menschen die Hafenstadt Mokka mit ihren Habseligkeiten verlassen haben, in einigen Regionen seien ganze Dörfer verlassen worden. Die IOM fordert die Konfliktparteien auf, humanitären Zugang zu gewähren und die Sicherheit von Helfern zu garantieren.
Gespräche über die Straße von Hormus
Während sich die Lage am Bab al-Mandab zuspitzt, bereiten der Iran und die Staaten am Persischen Golf Gespräche über die umkämpfte Straße von Hormus vor. Das Treffen soll am Montag im Oman stattfinden, wie das iranische Außenministerium bestätigte. Beteiligt sein sollen dem Bericht zufolge die Außenminister aus Iran, Irak, Oman, Kuwait, Bahrain, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Irans Außenminister Abbas Araghtschi und Omans Außenminister Badr al-Busaidi wollen die Regierungsvertreter über den Stand der Verhandlungen unterrichten. Beide Länder sprechen seit Wochen über einen Mechanismus zur Regelung des Schiffsverkehrs durch die Meerenge.
Strategische Bedeutung von Bab al-Mandab
Die Einnahme der gesamten jemenitischen Rotmeer-Küste durch die Huthi und der verstärkte Zugriff auf die Meerenge Bab al-Mandab verändern die sicherheitspolitische Lage an einer der wichtigsten globalen Handelsrouten. Über diese Verbindung zwischen Rotem Meer und Golf von Aden laufen große Teile des Warenverkehrs zwischen Europa und Asien, einschließlich Containertransporten, Rohstoffen und Energieprodukten. Eine Machtverschiebung an dieser Engstelle hat daher unmittelbare Folgen für Reedereien, Versicherer und letztlich für Verbraucherpreise weltweit.
Folgen für Energiepreise und Schifffahrt
Der zeitweise Anstieg des Brent-Ölpreises auf nahezu 110 US-Dollar pro Barrel zeigt, wie sensibel die Märkte auf militärische Entwicklungen an maritimen Engpässen reagieren. Wenn neben der bereits beeinträchtigten Straße von Hormus nun auch Bab al-Mandab stärker unter Kontrolle einer bewaffneten Miliz steht, steigt das wahrgenommene Risiko für Tanker und Frachtschiffe. Reedereien könnten Routen anpassen, etwa über das Kap der Guten Hoffnung ausweichen oder zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Das verteuert den Transport, was sich über längere Lieferketten auf Industrie, Handel und Verbraucher auswirken kann.
Regionale Machtkonflikte und humanitäre Dimension
Politisch fügt sich der Vormarsch der Huthi in das regionale Ringen zwischen dem Iran und von Saudi-Arabien geführten Bündnissen. Die Huthi sind Teil der von Teheran unterstützten „Achse des Widerstands“, während die international anerkannte jemenitische Regierung auf saudische Unterstützung und Luftangriffe setzt. Der militärische Gewinn der Huthi geht mit gravierenden humanitären Kosten einher: Zehntausende Menschen fliehen erneut, ganze Dörfer werden verlassen, und internationale Organisationen mahnen sicheren humanitären Zugang an. Gleichzeitig versuchen USA und EU, die Handelsschifffahrt militärisch zu schützen, während Iran und Golfstaaten über Regelungen für die Straße von Hormus beraten. Für Leser in Europa bedeutet dies: Lieferketten, Energiepreise und sicherheitspolitische Stabilität sind direkt von den Entwicklungen in diesem Küstenstreifen des Jemen abhängig.
