Hungerkrisen in Afrika, Welthunger-Index

Hungerkrisen: Afrika verliert seit 2018 weiter an Boden

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 11:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Hilfsorganisationen warnen zum Welternährungstag vor einer Verschärfung der Hungerkrisen in Afrika. Während sich die globale Lage nur leicht verbessert, steigen Not und Hilfebedarf vor allem in Konfliktstaaten.

Akute Ernährungskrisen konzentrieren sich

  • 2025 waren in 47 Ländern und Gebieten rund 266 Millionen Menschen akut ernährungsunsicher.
  • Auf Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und den Sudan entfielen zusammen 82,9 Millionen Betroffene.
  • Die Finanzierung humanitärer Ernährungshilfe sank zwischen 2022 und 2025 um 59 Prozent.
  • Der seit 2023 andauernde Krieg im Sudan hat eine der schwersten Hungerkrisen weltweit ausgelöst. (Archivbild) - Bild: Marwan Ali/AP/dpa
    Der seit 2023 andauernde Krieg im Sudan hat eine der schwersten Hungerkrisen weltweit ausgelöst. (Archivbild) - Bild: Marwan Ali/AP/dpa
  • Ein Arzt misst den Armumfang eines unterernährten Babys. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Somalia ist chronisch unterernährt. (Archivbild)  - Bild: Eva-Maria Krafczyk/dpa
    Ein Arzt misst den Armumfang eines unterernährten Babys. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Somalia ist chronisch unterernährt. (Archivbild) - Bild: Eva-Maria Krafczyk/dpa
  • Auch der schwere Ebola-Ausbruch macht den Menschen in der Demokratischen Republik Kongo zu schaffen. (Archivbild) - Bild: Dieudonne Dirole/AP/dpa
    Auch der schwere Ebola-Ausbruch macht den Menschen in der Demokratischen Republik Kongo zu schaffen. (Archivbild) - Bild: Dieudonne Dirole/AP/dpa
Der seit 2023 andauernde Krieg im Sudan hat eine der schwersten Hungerkrisen weltweit ausgelöst. (Archivbild) - Bild: Marwan Ali/AP/dpa Ein Arzt misst den Armumfang eines unterernährten Babys. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Somalia ist chronisch unterernährt. (Archivbild)  - Bild: Eva-Maria Krafczyk/dpa Auch der schwere Ebola-Ausbruch macht den Menschen in der Demokratischen Republik Kongo zu schaffen. (Archivbild) - Bild: Dieudonne Dirole/AP/dpa

Afrika trägt die schwersten Hungerkrisen

Der Kampf gegen den Hunger kommt weltweit kaum noch voran, in Afrika südlich der Sahara hat sich die Lage seit 2018 sogar verschlechtert. Sieben der acht Länder mit alarmierender Hungersituation liegen dort, ebenso die drei größten erfassten akuten Ernährungskrisen.

Welthunger-Index verschlechtert sich

Der Welthunger-Index stieg gegenüber dem Referenzjahr 2018 weltweit von 17,6 auf 18,1 Punkte. In 32 Ländern nahm der Hunger zu, in 20 weiteren gab es kaum Fortschritte.

Die Welthungerhilfe forderte angesichts der Entwicklung, Kürzungen bei Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe zurückzunehmen. Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) bezeichnete die Hungerzahlen als Alarmsignal und verwies auf den Zusammenhang mit Kriegen und Konflikten.

Drei Länder besonders betroffen

Nach einer Auswertung von Aktion gegen den Hunger waren 2025 in 47 Ländern und Gebieten rund 266 Millionen Menschen von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Zwei Drittel lebten in zehn Ländern; auf Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und den Sudan entfielen zusammen 82,9 Millionen Betroffene.

Die UN-Ernährungsorganisation FAO meldete für 2025 einen leichten weltweiten Rückgang des chronischen Hungers auf 645 Millionen Menschen. Diese Zahl erfasst eine andere Dimension als akute Ernährungskrisen; der Welthunger-Index berücksichtigt zusätzlich Unterernährung, Mangelernährung bei Kindern und Kindersterblichkeit.

Sudan bleibt Krisenherd

Der seit 2023 andauernde Krieg im Sudan löste eine der schwersten Hungerkrisen weltweit aus. 2025 waren rund 24,6 Millionen Menschen von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen, fast die Hälfte der Bevölkerung.

In Al-Fascher und Kadugli wurde 2025 eine Hungersnot festgestellt. Im Mai 2026 galten noch 14 Gebiete als von Hungersnot bedroht; für dieses Jahr werden rund 825.000 schwer akut mangelernährte Kinder unter fünf Jahren erwartet. Insgesamt benötigen nach UN-Schätzungen 33,7 Millionen Menschen humanitäre Hilfe.

Nigeria verzeichnet stärksten Anstieg

In Nigeria stieg der Welthunger-Index seit 2018 von 28,2 auf 34,3 Punkte. Nach Angaben von Aktion gegen den Hunger war das Land 2025 mit 30,6 Millionen Menschen die größte erfasste akute Ernährungskrise; für die Hungerperiode 2026 wurden bis zu 34,7 Millionen Betroffene prognostiziert.

Besonders im ärmeren Norden verschärfen Gewalt, hohe Lebensmittelpreise und Überschwemmungen die Not. Hinzu kommen schätzungsweise 6,4 Millionen akut mangelernährte Kinder unter fünf Jahren.

Kongo verliert Behandlungskapazitäten

Die Demokratische Republik Kongo erreichte im Welthunger-Index 39,5 Punkte. 2025 waren laut Aktion gegen den Hunger 27,7 Millionen Menschen von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen, mehr als zehn Millionen davon in umkämpften östlichen Provinzen.

Kämpfe, Vertreibungen und Plünderungen behindern Landwirtschaft und Handel. Wegen gekürzter Hilfsgelder mussten 2025 nach Angaben der Organisation mehr als 1.000 Ernährungszentren schließen; dadurch verloren mehr als 390.000 schwer akut mangelernährte Kinder den Zugang zu Behandlung.

Konflikte und Klimarisiken verstärken Not

Auch Somalia und der Südsudan gehören zu den besonders belasteten Ländern. Außerhalb Afrikas stiegen die Betroffenenzahlen 2025 gegenüber 2024 vor allem in Myanmar, Afghanistan und dem Jemen.

Konflikte waren 2025 in 19 Ländern und Gebieten die Hauptursache akuter Ernährungskrisen mit 147,4 Millionen Betroffenen. Dürren, Überschwemmungen und hohe Preise verschärften die Folgen.

Gleichzeitig sank die Finanzierung humanitärer Ernährungshilfe in Krisengebieten zwischen 2022 und 2025 um 59 Prozent. Die Kürzungen gefährden nach Angaben von Aktion gegen den Hunger auch die Datenerhebung und erschweren damit die Einschätzung des tatsächlichen Ausmaßes.

Die Berichte zum Welternährungstag zeichnen ein widersprüchliches Bild: Weltweit ist die Zahl der chronisch unterernährten Menschen 2025 zwar leicht auf 645 Millionen gesunken. Dieser Rückgang konzentriert sich jedoch vor allem auf Asien sowie Lateinamerika und die Karibik, während Afrika südlich der Sahara beim Welthunger-Index den höchsten Wert aller Regionen aufweist.

Besonders eng ist der Zusammenhang zwischen bewaffneten Konflikten und akuter Ernährungsunsicherheit. Im Sudan, in Nigeria und in der Demokratischen Republik Kongo treffen Gewalt, Vertreibung und unterbrochene Handelswege auf hohe Lebensmittelpreise sowie klimabedingte Belastungen. Dadurch verlieren Menschen nicht nur den Zugang zu Nahrung, sondern häufig auch zu Feldern, Märkten und medizinischer Versorgung.

Weniger Hilfe, größerer Bedarf

Die Größenordnung der Krisen macht die Folgen internationaler Finanzierung sichtbar: 266 Millionen Menschen waren 2025 in 47 Ländern und Gebieten von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Zugleich sank die Finanzierung humanitärer Ernährungshilfe zwischen 2022 und 2025 um 59 Prozent. Für Betroffene bedeutet das weniger Behandlungsmöglichkeiten und eine geringere Fähigkeit der Hilfsorganisationen, neue Krisen früh zu erkennen.

Für Deutschland liegt die Bedeutung damit nicht nur in der humanitären Unterstützung einzelner Länder. Kürzungen bei Entwicklungszusammenarbeit und Nothilfe können Prävention, Ernährungssysteme und Gesundheitsversorgung schwächen. Gerade in Konfliktregionen erhöht eine anhaltende Versorgungskrise zudem den Druck auf Nachbarstaaten und erschwert eine politische Stabilisierung.

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