Gerhard Schröder, Wladimir Putin

Gerhard Schröder feiert Putins Geburtstag in Moskau – Empörung in Deutschland

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 14:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Altkanzler Gerhard Schröder hat in Moskau den 74. Geburtstag des russischen Präsidenten Wladimir Putin gefeiert. Der Auftritt löst parteiübergreifend scharfe Kritik aus, während ein SPD-Außenpolitiker Schröders Zugang zum Kremlchef als mögliche Gesprächschance verteidigt.

  • Enge Kontakte nach Moskau: Gerhard Schröder. (Archivbild) - Bild: Swen Pförtner/dpa
    Enge Kontakte nach Moskau: Gerhard Schröder. (Archivbild) - Bild: Swen Pförtner/dpa
  • Schröder zählte zu Putins Gratulanten. (Archivbild) - Bild: Alexei Druzhinin/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa
    Schröder zählte zu Putins Gratulanten. (Archivbild) - Bild: Alexei Druzhinin/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa
Enge Kontakte nach Moskau: Gerhard Schröder. (Archivbild) - Bild: Swen Pförtner/dpa Schröder zählte zu Putins Gratulanten. (Archivbild) - Bild: Alexei Druzhinin/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa

Altkanzler Gerhard Schröder hat am Mittwoch in Moskau den 74. Geburtstag des russischen Präsidenten Wladimir Putin gefeiert und damit parteiübergreifend scharfe Kritik ausgelöst.

Regierung und SPD distanzieren sich

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) reagierte nach Angaben des stellvertretenden Regierungssprechers Steffen Meyer „zutiefst empört“. Putins Befehle im Angriffskrieg gegen die Ukraine sorgten jeden Tag für „unermessliches Leid, für zivile Opfer, für Familien, die auseinandergerissen werden, für Tote und Verwundete“.

Auch SPD-Chef Lars Klingbeil bezeichnete Schröders Auftritt in Moskau als „völlig inakzeptabel“. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Siemtje Möller sagte, sie sei fassungslos, dass Schröder mit Putin feiere, während Russland die Ukraine weiter angreife.

Einladung durch Putin

Der Kreml erklärte, Putin habe am Mittwochmorgen aus den Medien von Schröders Anwesenheit in Moskau erfahren und seinen „alten Freund“ anschließend zu sich nach Hause eingeladen. Veröffentlicht wurden Fotos, auf denen beide Männer lächelnd die Hände verschränken.

Schröder war nach seiner Berufung in den Aufsichtsrat des russischen Globus-Ablegers nach Moskau gereist. Vor Mitarbeitern einer Filiale hielt er eine Begrüßungsrede. Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und steht wegen seiner engen Verbindung zu Putin sowie seines geschäftlichen Engagements für russische Energieunternehmen seit Jahren in der Kritik.

Ukrainischer Botschafter spricht von „widerlich“

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, nannte das Treffen „widerlich“. Gegen Putin liegt seit 2023 ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen vor.

Auch Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt, FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und CDU-Sozialpolitiker Dennis Radtke griffen Schröder scharf an. Radtke verwies darauf, dass Schröder 2025 wegen einer Burnout-Erkrankung mehrfach Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Zusammenhang mit Nord Stream 2 abgesagt hatte.

Stegner verteidigt Schröders Kontakte

Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner nahm Schröder dagegen in Schutz. Man müsse in Russland mit denjenigen reden, „die da sind“, sagte er. Schröder könne Türen zu Putin öffnen; wenn der Besuch dem Frieden auch nur einen Millimeter gedient habe, sei er ein Erfolg gewesen.

Stegner betonte zudem, Schröder sei als Privatmann in Moskau gewesen und kein aktiver Politiker. Im Mai hatte Putin Schröder als möglichen Vermittler zwischen Russland und der Ukraine ins Gespräch gebracht. In der Bundesregierung war dieser Vorschlag auf Skepsis gestoßen.

Reisebegleitung durch Personenschützer

Zur Frage nach einem möglichen Personenschutz erklärte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums, die Begleitung von Reisen durch BKA-Personenschützer gehöre zum Schutzauftrag. Das Ministerium genehmige solche Reisebegleitungen nicht und werde darüber auch nicht informiert.

Schröder war nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt lange für russische Energiekonzerne tätig, unter anderem als Präsident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG. Die Pipeline wurde Ende 2021 fertiggestellt, nahm wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 jedoch nicht den Betrieb auf.

Ein Treffen mit hoher Symbolkraft

Gerhard Schröders Besuch fällt in eine Phase, in der Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortsetzt und politische Kontakte zu westlichen Akteuren gezielt öffentlich macht. Schröder ist seit Jahren eng mit Wladimir Putin verbunden und war nach seiner Kanzlerschaft in leitenden Funktionen für russische Energiekonzerne tätig. Diese Verbindungen prägen die politische Bewertung seines Auftretens bis heute.

Die aktuelle Debatte berührt deshalb mehr als die private Beziehung zweier früherer politischer Partner. Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und besitzt weiterhin eine hohe öffentliche Bekanntheit. Sein Auftreten kann daher als politisches Signal wahrgenommen werden, auch wenn er kein Regierungsamt mehr innehat. Besonders kontrovers ist die mögliche Vermittlerrolle: Putin hatte Schröder im Mai als Gesprächskanal ins Spiel gebracht, während die Bundesregierung dem mit Skepsis begegnete.

Bedeutung für die deutsche Politik

Für die SPD verschärft der Auftritt den Konflikt zwischen dem Anspruch, Russlands Krieg klar zu verurteilen, und Stimmen, die Schröders Zugang zu Putin für mögliche Gespräche erhalten wollen. Befürworter einer solchen Kontaktmöglichkeit verweisen auf den seltenen direkten Zugang. Kritiker halten dagegen, dass ein öffentliches gemeinsames Auftreten Putins Position aufwerten und Schröders geschäftliche Verbindungen mit politischen Kontakten vermischen könne. Für die deutsche Öffentlichkeit bleibt damit vor allem die Frage relevant, ob aus dem persönlichen Zugang ein belastbarer Beitrag zu Gesprächen entsteht oder ob das Treffen lediglich symbolische Wirkung entfaltet.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Scham ist kaum noch ein Ausdruck“: Scharfe Kritik für Schröders Teilnahme an Putins Geburtstagsfeier (09.10.2026)

Der Bericht bestätige die Teilnahme Schröders an Putins Geburtstagsfeier und stelle die heftige Kritik aus mehreren politischen Lagern heraus. Zugleich setze er einen eigenen Schwerpunkt auf den zeitgleichen russischen Großangriff auf die Ukraine sowie auf die Frage, ob die Einladung tatsächlich spontan erfolgt sei. Als Gegenposition komme Ralf Stegner zu Wort, der Schröders Zugang zu Putin für mögliche Friedensgespräche genutzt sehen wolle.

n-tv: „Schröder feiert Putins Geburtstag in Moskau“ (08.10.2026)

Der Artikel bestätige den Geburtstagsbesuch und ordne ihn stärker über Schröders neuen Aufsichtsratsposten bei der russischen Handelskette Hyperglobus ein. Er berichte, Schröder sei zunächst aus geschäftlichem Anlass nach Moskau gereist und anschließend von Putin eingeladen worden. Anders als der Tagesspiegel konzentriere sich der Beitrag weniger auf die parteipolitische Empörung und stärker auf den Ablauf der Reise und Schröders fortbestehende Verbindung zu Putin.

Beide Berichte stellten die Teilnahme am Geburtstag und Schröders langjährige Nähe zum Kremlchef übereinstimmend heraus. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Schwerpunkt: Während der Tagesspiegel die politische und moralische Kontroverse sowie den Kriegskontext betone, rücke n-tv den geschäftlichen Anlass und die Chronologie des Besuchs in den Vordergrund.

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