Straße von Hormus, Iran-USA-Konflikt

Geplantes Krisentreffen zur Straße von Hormus in Oman kurzfristig verschoben

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 09:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Ein geplantes Treffen im Oman sollte neue Regeln für die Schifffahrt durch die Straße von Hormus bringen, ist jedoch kurz vor dem Termin abgesagt worden. Die Entscheidung verschärft die Unsicherheit an einer der wichtigsten Energiearterien der Welt.

  • Der Konflikt ist zur Belastungsprobe für viele Staaten am Persischen Golf geworden. (Archivbild) - Bild: -/The Visible Earth/NASA/dpa
    Der Konflikt ist zur Belastungsprobe für viele Staaten am Persischen Golf geworden. (Archivbild) - Bild: -/The Visible Earth/NASA/dpa
  • Zuletzt kam es am Persischen Golf wieder zu gegenseitigem Beschuss. (Archivbild) - Bild: Vahid Salemi/AP/dpa
    Zuletzt kam es am Persischen Golf wieder zu gegenseitigem Beschuss. (Archivbild) - Bild: Vahid Salemi/AP/dpa
Der Konflikt ist zur Belastungsprobe für viele Staaten am Persischen Golf geworden. (Archivbild) - Bild: -/The Visible Earth/NASA/dpa Zuletzt kam es am Persischen Golf wieder zu gegenseitigem Beschuss. (Archivbild) - Bild: Vahid Salemi/AP/dpa

Ein für Montag geplantes regionales Treffen im omanischen Salalah zur Zukunft der Straße von Hormus ist kurz vor dem Termin verschoben worden und lässt Hoffnungen auf Entspannung im Konflikt um die Meerenge vorerst platzen.

Festgefahrene Lage in strategisch wichtiger Meerenge

Seit Monaten ist die Straße von Hormus, an ihrer engsten Stelle rund 35 bis 40 Kilometer breit, zentraler Streitpunkt im Krieg zwischen dem Iran und den USA. Vor Beginn des Konflikts konnten Handelsschiffe die Meerenge frei und ohne Gebühren passieren; etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung sowie Flüssiggas und Dünger aus den Golfstaaten wurden über diese Route exportiert. Die nun anhaltenden Einschränkungen belasten die Weltwirtschaft und verstärken den Druck durch steigende Öl- und Benzinpreise auch auf die US-Regierung.

Militärische Eskalation und verminter Schifffahrtsweg

Schon kurz nach Beginn der israelisch-amerikanischen Luftangriffe Ende Februar hat die iranische Militärführung den Schiffsverkehr in der Meerenge mit Drohungen und Angriffen nahezu zum Erliegen gebracht. Die iranische Marine verminte die Fahrwasser, erklärte lediglich eine nördliche Route entlang der eigenen Küste für sicher und verlangt Gebühren für die Durchfahrt. Dadurch rückten andere Konfliktfelder wie der Atomstreit oder die Unterstützung Teherans für militante Gruppen zeitweise in den Hintergrund.

Rahmenabkommen und erneute Spannungen

Ein Mitte Juni unterzeichnetes Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran sollte den Weg für ein dauerhaftes Ende des Kriegs ebnen und sah auch eine Wiederöffnung der Meerenge vor. Kurz darauf eskalierte die Lage erneut: Teheran wirft den USA vor, Reedereien zur Nutzung einer südlichen Route fern der iranischen Küste zu drängen. Die iranische Führung befürchtet, damit ihre Kontrolle über die Meerenge und damit ein wichtiges Druckmittel zu verlieren.

Geplantes Abkommen zwischen Iran und Oman

Der Iran und der Oman als direkte Anrainerstaaten der Straße von Hormus verhandeln seit Wochen über einen Mechanismus zur künftigen Regelung des Schiffsverkehrs. Irans Präsident Massud Peseschkian hatte angekündigt, dass beide Länder ein Abkommen über neue Schiffsrouten in der Meerenge unterzeichnen wollten. Eine rasche vollständige Öffnung für die internationale Schifffahrt war zwar nicht erwartet worden, doch galt das Treffen als Chance für Bewegung in einem Konflikt, in dem es zwischen Washington und Teheran seit Wochen keine sichtbaren diplomatischen Fortschritte gibt.

Unklarer Grund für Verschiebung des Treffens

Der konkrete Grund für die Verschiebung des Termins wurde nicht benannt. Als Faktor gelten jedoch unterschiedliche Positionen der Golfstaaten. Darauf deutet eine Mitteilung des omanischen Außenministers Badr al-Busaidi hin, der am späten Sonntagabend erklärte, das für Montag in Salalah geplante regionale Treffen sei "im Interesse des Konsenses" verschoben worden. Zuvor hatte der Inselstaat Bahrain, der im Krieg unter starkem iranischem Beschuss stand, seinen Boykott des Treffens angekündigt, während die Vereinigten Arabischen Emirate statt ihres Außenministers lediglich einen Staatssekretär entsenden wollten.

Bedenken der Golfstaaten zu neuem Status quo

Der israelische Journalist Barak Ravid berichtete auf der Plattform X unter Berufung auf einen hochrangigen Vertreter eines Golfstaats, dass Saudi-Arabien Änderungen am omanisch-iranischen Vorschlag eingereicht habe. Demnach habe Riad gewarnt, die Formulierungen könnten "effektiv einen neuen Status quo in der Straße etablieren", der für Saudi-Arabien und andere Golfstaaten nicht akzeptabel wäre. Die Absage des Termins verdeutlicht die schwierige Lage der Nachbarstaaten, die zugleich US-Militärstützpunkte beherbergen und in der heißen Kriegsphase Ziel iranischer Gegenangriffe waren, nun aber aus wirtschaftlichen Gründen auf Normalität drängen.

Begleitkonvois und feststeckende Schiffe

Die US-Marine eskortiert nach Angaben aus Washington im Rahmen des "Projekts Freiheit" Tanker und Handelsschiffe durch die Meerenge. Dennoch fährt im Vergleich zur Zeit vor dem Krieg nur ein Bruchteil der Schiffe durch die Straße von Hormus, viele Reedereien sehen die Passage weiter als großes Risiko. Der Iran greift weiterhin Schiffe an, zugleich attackieren die USA iranische Öltanker. Ende August meldete die Weltschifffahrtsorganisation, dass noch rund 400 Schiffe mit etwa 6000 Seeleuten im Persischen Golf feststeckten.

Auswirkungen auf Märkte und weitere Engpässe

Für die Märkte ist die Absage des Treffens im Oman eine weitere schlechte Nachricht: Zum Wochenstart legten die Ölpreise zu. Dazu trägt auch bei, dass Saudi-Arabien eine Ölpipeline nach Drohnenangriffen abgeschaltet hat. Zusätzlich bedroht die proiranische Huthi-Miliz, die im Jemen die gesamte Küste des Roten Meeres und strategisch wichtige Inseln kontrolliert, zunehmend die Schifffahrt durch die Meerenge Bab al-Mandab auf der anderen Seite der arabischen Halbinsel. Damit ist die Straße von Hormus längst nicht mehr der einzige kritische Punkt für den globalen Seehandel.

Regionale Machtbalance und wirtschaftliche Risiken

Die vorläufige Absage des Treffens im omanischen Salalah zeigt, wie schwer es den Staaten am Persischen Golf fällt, sicherheitspolitische und wirtschaftliche Interessen in Einklang zu bringen. Der Iran nutzt die Straße von Hormus als zentrales Druckmittel gegenüber den USA und deren Verbündeten, während die Golfstaaten einerseits auf den Schutz durch US-Militärstützpunkte angewiesen sind und andererseits stabile Handelswege für ihre ölbasierte Wirtschaft benötigen. Die unterschiedliche Bereitschaft zur Teilnahme an dem Treffen verweist auf bestehende Misstrauen und abweichende Bedrohungswahrnehmungen.

Verflochtene Konflikte und neue Verwundbarkeiten

Der Konflikt um die Straße von Hormus ist längst mit anderen Krisen in der Region verwoben. Der Krieg zwischen Iran und USA hat den Schifffahrtsverkehr in einer der wichtigsten Energiearterien der Welt massiv eingeschränkt. Gleichzeitig verschärfen Drohnenangriffe auf Infrastrukturen wie Ölpipelines in Saudi-Arabien sowie die Kontrolle der Huthi-Miliz über die jemenitische Küste am Roten Meer die Lage. Mit Bab al-Mandab ist neben der Straße von Hormus eine weitere Schlüsselroute unter Druck. Diese geografische Doppelbelastung erhöht die Verwundbarkeit globaler Lieferketten für Öl, Gas und Dünger.

Folgen für Verbraucher und Industrie

Für Verbraucher in Europa und weltweit bedeutet die Unsicherheit in beiden Meerengen vor allem steigende oder volatile Energiepreise. Unternehmen mit energieintensiver Produktion sowie Reedereien müssen sich auf höhere Transportkosten und anhaltende Risiken einstellen. Dass laut Weltschifffahrtsorganisation hunderte Schiffe mit tausenden Seeleuten im Persischen Golf feststecken, verdeutlicht die Dimension der Störung. Solange kein tragfähiger regionaler Kompromiss zur Ordnung des Schiffsverkehrs gefunden ist und der Rahmenkompromiss zwischen USA und Iran nicht umgesetzt wird, bleibt die Aussicht auf Entspannung begrenzt. Das geplatzte Treffen im Oman signalisiert, dass ein neuer Status quo in der Straße von Hormus derzeit politisch umstritten ist.

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