Gaza-Patienten: Deutsche Ärzte behandeln 34 Verletzte in Kairo
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 14:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAhmeds Behandlung in Kairo
- Ahmed al-Chair ist 21 Jahre alt und hat seit Juni 2025 eine Kugel im Kopf.
- Deutsche Ärzte von Malteser International behandelten in Kairo insgesamt 34 Verletzte aus dem Gazastreifen.
- Die Entfernung der Kugel gilt als zu riskant; zunächst soll die Infektion an der Kopfwunde weiter behandelt werden.
Deutsche Ärzte behandeln Gaza-Patienten in Kairo
Deutsche Ärzte der Hilfsorganisation Malteser International haben in Kairo den 21-jährigen Ahmed al-Chair aus dem Gazastreifen behandelt, der eine Kugel im Kopf trägt. Insgesamt versorgten sie 34 Patienten mit Verletzungen aus dem Krieg im Gazastreifen.
Kugel bleibt im Kopf
Ahmed kann sein rechtes Bein und seinen rechten Arm nicht bewegen. Die Ärzte halten es für zu riskant, die Kugel zu entfernen; zudem hat sich die Wunde infiziert.
„Wieder lernen“, sei zunächst sein einziger Wunsch, heißt es in der Schilderung. Vor dem Krieg habe der Palästinenser Volkstänze aufgeführt und sei über Bühnen im Gazastreifen gesprungen.
Verletzungen und schwierige Transporte
Die Mediziner berichten von Verbrennungen, Amputationen sowie Wunden durch Granatsplitter, Schüsse und Explosionen. Hinzu kämen Infektionen infolge mangelnder Hygiene, verzögerter Behandlung, Mangelernährung und geschwächter Immunsysteme.
Ahmed sei nach Angaben seines Vaters im Juni 2025 auf einer Straße im Gazastreifen von einer Maschinengewehrkugel getroffen worden, die von einem israelischen Panzer abgefeuert worden sei. Er habe Lebensmittel von einem US-geführten Verteilzentrum holen wollen.
Konfliktparteien weisen auf ihre Positionen hin
Israel betont, seine Angriffe richteten sich gegen die Hamas und andere militante Gruppen. Die israelische Armee erklärt, sie bemühe sich, zivile Opfer zu vermeiden, und bedauere den Tod Unbeteiligter.
Die für Palästinenserangelegenheiten zuständige israelische Behörde Cogat erklärt, Arzneimittel könnten uneingeschränkt in den Gazastreifen eingeführt werden. Auch Motorenöl für Rettungswagen werde regelmäßig geliefert; Anträge internationaler Hilfsorganisationen würden koordiniert.
Hilfsorganisationen beschreiben Engpässe
Peter Dischler von der Berliner Hilfsorganisation Cadus beschreibt den Transport innerhalb des Gazastreifens als besonders schwierig. Für Fahrzeuge und medizinische Geräte fehlten Ersatzteile; ein Liter Motorenöl koste etwa 1.000 US-Dollar.
Die Behandlung in Kairo war laut Malteser International als zweiwöchiges Pilotprojekt angelegt. Eine Fortsetzung und Ahmeds Rehabilitation hängen nach Angaben der Organisation von weiteren Spenden ab.
Familie hofft auf Rückkehr
Ahmeds Familie lebt weiterhin im Gazastreifen in einem Zelt. Sein Vater betrieb vor dem Krieg in Rafah ein Café und ein Süßwarengeschäft, die inzwischen zerstört seien.
Die Familie hoffe, nach dem Krieg in Frieden nach Gaza zurückkehren und wieder ein normales Leben aufnehmen zu können.
Die Behandlung Ahmed al-Chairs steht für ein medizinisches Problem, das über seinen Einzelfall hinausreicht: Schwer verletzte Menschen aus dem Gazastreifen benötigen oft Versorgung, die unter den Bedingungen vor Ort nicht gewährleistet werden kann. Evakuierungen nach Ägypten sind deshalb ein entscheidender, zugleich aber logistischer und politischer Engpass.
Für Patienten wie Ahmed endet die Hilfe mit einer Operation nicht. Infektionen, Rehabilitationsbedarf und dauerhafte neurologische Schäden erfordern eine längerfristige Betreuung. Besonders schwierig ist, dass medizinische Evakuierungen, Transporte und die Aufnahme in ägyptischen Kliniken voneinander abhängen. Verzögerungen können den Zustand von Verletzten weiter verschlechtern.
Versorgung bleibt vom Zugang abhängig
Die Schilderungen der Ärzte machen zudem sichtbar, wie stark Kriegsverletzungen mit den allgemeinen Lebensbedingungen verbunden sind. Mangelnde Hygiene, Unterernährung und fehlende Ersatzteile erschweren nicht nur die Behandlung, sondern auch den Betrieb von Krankenhäusern und Rettungsdiensten. Für die Betroffenen entscheidet sich die Überlebenschance daher häufig bereits vor dem Erreichen einer Klinik.
Das zweiwöchige Pilotprojekt von Malteser International zeigt zugleich die begrenzte Reichweite einzelner Hilfseinsätze. 34 behandelte Patienten können den Bedarf nicht annähernd decken, während weitere Menschen auf Evakuierung und Versorgung außerhalb des Gazastreifens warten. Für Ahmed hängt der nächste Schritt von einer fortgesetzten Behandlung und der Finanzierung von Rehabilitationsmaßnahmen ab.
Für deutsche Leser bedeutet der Fall, dass humanitäre Hilfe nicht allein aus akuter Erstversorgung besteht. Ebenso wichtig sind sichere Transportwege, medizinische Aufnahmeplätze und längerfristige Reha-Angebote. Werden Hilfsbudgets gekürzt, trifft das deshalb nicht nur einzelne Projekte, sondern die gesamte Versorgungskette für Kriegsverletzte.
Stern: „Krieg im Gazastreifen: Kugel im Kopf - Deutsche Ärzte behandeln Patienten aus Gaza“ (26.10.2026)
Der Beitrag bestätigt die Behandlung Ahmed al-Chairs und ordnet sie in den Einsatz von Malteser International ein. Einen weiteren Schwerpunkt setzt er auf den persönlichen Verlauf des Patienten und die Frage nach seiner weiteren Versorgung.
