Friedensnobelpreis geht an Navi Pillay aus Südafrika
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 11:12 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die frühere Richterin am Internationalen Strafgerichtshof Navanethem „Navi“ Pillay. Das teilte das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo mit.
Pillays Arbeit in Den Haag und bei den Vereinten Nationen
Die aus Südafrika stammende Pillay war insbesondere von 2003 bis 2008 Richterin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Dort ist sie außerdem weiterhin als Ad-hoc-Richterin in der Rechtssache Gambia gegen Myanmar vorgesehen.
Von 2008 bis 2014 amtierte Pillay als Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte. In den 1990er Jahren war sie Richterin am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda.
Früher Einsatz gegen die Apartheid
Bereits 1967 schrieb Pillay Geschichte, als sie während der Apartheid in der südafrikanischen Provinz Natal als erste nichtweiße Frau eine eigene Rechtsanwaltskanzlei eröffnete. Zuvor hatte sie wegen ihrer Hautfarbe keine Anstellung in einem bestehenden Anwaltsbüro bekommen.
Der Friedensnobelpreis ist mit umgerechnet etwa einer Million Euro dotiert. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an Maria Corina Machado aus Venezuela.
Die Auszeichnung rückt den Schutz der Menschenrechte und die internationale Strafjustiz in den Mittelpunkt. Pillays Laufbahn verbindet dabei mehrere Ebenen: den persönlichen Widerstand gegen die rechtliche Ausgrenzung während der südafrikanischen Apartheid, die strafrechtliche Aufarbeitung des Völkermords in Ruanda und die Arbeit in den Vereinten Nationen.
Ihre frühe Tätigkeit als Anwältin steht beispielhaft für die Bedeutung unabhängiger Rechtsvertretung in einem diskriminierenden System. Später wirkte Pillay an internationalen Gerichten, die individuelle Verantwortung für schwerste Verbrechen verfolgen. Der Internationale Strafgerichtshof für Ruanda prägte die Entwicklung der internationalen Rechtsprechung zu Völkermord und sexualisierter Gewalt; am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gehörte sie zu den Richterinnen der ersten Arbeitsjahre des Gerichts.
Menschenrechte und internationale Verantwortung
Als UN-Hochkommissarin für Menschenrechte vertrat Pillay von 2008 bis 2014 die Perspektive, dass Menschenrechtsschutz nicht allein eine nationale Angelegenheit ist. Der Friedensnobelpreis lenkt damit Aufmerksamkeit auf Institutionen und Verfahren, deren Wirkung von politischer Unterstützung, unabhängigen Ermittlungen und der Kooperation von Staaten abhängt.
Für die internationale Debatte ist zudem ihre weiterhin vorgesehene Rolle als Ad-hoc-Richterin im Verfahren Gambia gegen Myanmar relevant. Der Preis verbindet somit historische Erfahrung mit einem laufenden menschenrechtlichen Kontext und macht die Frage sichtbar, wie internationale Gerichte auch Jahrzehnte nach schweren Verbrechen Verantwortung klären können.

