Friedensnobelpreis für Pillay: Trump kennt Preisträgerin nicht und kritisiert Norwegen
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 05:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
US-Präsident Donald Trump hat die Verleihung des Friedensnobelpreises an die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay scharf kritisiert und erneut erklärt, die Auszeichnung hätte den Vereinigten Staaten unter seiner Führung zustehen müssen.
Trump reklamiert Friedensbilanz für sich
Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Syracuse im Bundesstaat New York sagte Trump, die USA, vertreten durch ihn als Präsident, hätten den Preis erhalten sollen. Von Pillay habe er noch nie gehört. Zugleich gratulierte er ihr mit den Worten: „Trotzdem: Glückwunsch.“
Trump begründete seinen Anspruch erneut mit der Behauptung, während seiner Amtszeit acht Kriege beendet zu haben. Außerdem verwies er auf die Befreiung von Geiseln aus der Gewalt der islamistischen Hamas im Gazastreifen und darauf, Grönland bekommen zu haben.
Vorwürfe gegen Norwegen
Die Entscheidung bezeichnete Trump als unauslöschlichen Fleck auf Norwegen und den Menschen, die sie getroffen hätten. Der Friedensnobelpreis sei durch eine Handvoll radikaler Ideologen für immer diskreditiert worden.
Die USA hätten acht Nobelpreise erhalten müssen, sagte Trump weiter – einen für jeden von seinem Land beendeten Krieg. Dass der Preis nicht an die Vereinigten Staaten verliehen worden sei, wertete er als weiteres Zeichen dafür, dass Norwegen und andere Länder sein Land ausnähmen.
Unabhängiges Nobelkomitee entscheidet
Die Vergabe des Friedensnobelpreises liegt beim unabhängigen norwegischen Nobelkomitee, nicht bei der norwegischen Regierung. Bereits im Vorjahr hatte Trump Norwegen kritisiert, nachdem die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado ausgezeichnet worden war. Machado widmete ihm die Medaille später symbolisch.
Pillay kämpfte gegen Apartheid
Pillay erhielt den Preis für ihren Einsatz zur Förderung von Frieden und Völkerrecht. Die 85-Jährige kämpfte als junge Anwältin gegen die Apartheid in Südafrika und machte anschließend als internationale Spitzenjuristin Karriere.
Von 2003 bis 2008 war Pillay Richterin am Internationalen Strafgerichtshof. Kurz nach der Bekanntgabe der Preisträgerin verhängte die US-Regierung neue Sanktionen gegen den Gerichtshof.
287 Kandidaten nominiert
Der Friedensnobelpreis gilt als wichtigste Auszeichnung der Welt. In diesem Jahr waren 287 Kandidaten nominiert. Das Preisgeld beträgt umgerechnet etwas mehr als eine Million Euro.
Auszeichnung im Zeichen des Völkerrechts
Die Ehrung Pillays rückt den Schutz des Völkerrechts und die strafrechtliche Verfolgung schwerster Verbrechen in den Mittelpunkt. Ihre Laufbahn verbindet den Kampf gegen die Apartheid mit internationalen Gerichtsverfahren und ihrer späteren Arbeit für die Vereinten Nationen.
Politisch fällt die Entscheidung in eine Phase, in der internationale Institutionen unter Druck stehen. Die US-Regierung verhängte am Tag der Bekanntgabe neue Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof. Dadurch erhält die Auszeichnung neben ihrer persönlichen auch eine institutionelle Bedeutung: Sie würdigt die Idee, dass Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit unabhängig von nationaler Macht verfolgt werden sollen.
Signalwirkung über den Streit um Trump hinaus
Trump deutet den Preis als Zurückweisung seiner außenpolitischen Bilanz und richtet seine Kritik gegen Norwegen. Zuständig ist jedoch das unabhängige norwegische Nobelkomitee, nicht die norwegische Regierung. Für die internationale Öffentlichkeit steht deshalb weniger die Frage im Vordergrund, ob Trump den Preis verdient hätte, sondern welches Verständnis von Frieden die Jury mit der Wahl Pillays sichtbar macht.
Für Leser in Deutschland ist der Vorgang auch deshalb relevant, weil er den wachsenden Konflikt zwischen nationaler Souveränität und internationaler Strafjustiz veranschaulicht. Die Reaktion des US-Präsidenten dürfte die politische Debatte über die Rolle internationaler Gerichte und die Grenzen persönlicher Machtansprüche weiter verschärfen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Berliner Zeitung: „Der Friedensnobelpreis 2026 geht an die Südafrikanerin Navanethem „Navi“ Pillay“ (09.10.2026)
Der Bericht bestätige die Auszeichnung und stelle Pillays juristische Laufbahn sowie ihre Arbeit an internationalen Gerichten ausführlich heraus. Er ordne die Ehrung als Würdigung der internationalen Rechtsordnung ein und verweise zugleich darauf, dass die Auszeichnung nicht unmittelbar gegen Trump gerichtet sei, aber vor dem Hintergrund von US-Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof politisch gelesen werde.
tagesschau.de: „Navi Pillay steht für die multilaterale Ordnung“ (09.10.2026)
Die Analyse hebe hervor, mit Pillay werde stellvertretend die multilaterale Weltordnung und der Vorrang des Völkerrechts vor dem Recht des Stärkeren geehrt. Anders als die Reaktion Trumps konzentriere sie sich damit auf die institutionelle Bedeutung der Entscheidung; offen bleibe, wie sich der wachsende politische Druck auf internationale Strafgerichte auswirke.
Beide Berichte bestätigten die Auszeichnung Pillays und ihre Bedeutung für Menschenrechte und Völkerrecht. Während der eine Beitrag stärker ihre Biografie und die politische Vorgeschichte beleuchte, rücke der andere die grundsätzliche Auseinandersetzung um internationale Ordnung und Strafjustiz in den Mittelpunkt.

