Friedensnobelpreis 2026: Wer folgt auf María Corina Machado?
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie norwegische Nobeljury gibt heute um 11 Uhr bekannt, wer den Friedensnobelpreis 2026 erhält.
287 Kandidaten stehen zur Auswahl
Für die Auszeichnung sind 287 Kandidatinnen und Kandidaten vorgeschlagen worden, darunter 208 Personen und 79 Organisationen. Auch US-Präsident Donald Trump soll erneut nominiert sein.
Dass Trump den Preis erhält, gilt jedoch als ebenso unwahrscheinlich wie im vergangenen Jahr. Damals wurde die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado ausgezeichnet. Sie widmete den Preis Trump und überreichte ihm ihre Medaille symbolisch.
Medaille kann nicht übertragen werden
Nach den Regeln des Nobelkomitees kann Machado die Auszeichnung nicht offiziell an Trump weitergeben. Der US-Präsident hatte sich zuvor wiederholt selbst für den Friedensnobelpreis ins Spiel gebracht.
Experten erwarten, dass die Jury diesmal stärker auf weniger umstrittene Kandidaten setzen könnte. Haakon Gjerløw, Leiter des Osloer Friedensforschungsinstituts Prio, sagte, die Welt müsse vor allem daran erinnert werden, wie wichtig Zusammenarbeit sei. Die zahlreichen Konflikte führten dazu, dass die Folgen von Krieg und der mögliche Verlust internationaler Kooperation besonders deutlich würden.
Humanitäre Organisationen im Gespräch
Als aussichtsreiche Kandidaten gelten Kinderrechtsorganisationen wie Save the Children sowie die Emergency Response Rooms im Sudan. Die lokalen Netzwerke organisieren seit Beginn des Krieges Lebensmittel, medizinische Hilfe und Notunterkünfte.
Der Friedensnobelpreis ist in diesem Jahr mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, eine Million mehr als im Vorjahr. Das entspricht umgerechnet etwas mehr als einer Million Euro.
Weitere Nobelpreise werden vergeben
In dieser Woche wurden bereits die Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie und Literatur verkündet. Unter den drei Medizinpreisträgern sind die deutschen Forscher Peter Hegemann und Georg Nagel. Der Literaturnobelpreis ging an die Kanadierin Anne Carson.
Am Montag folgt der Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel. Offiziell handelt es sich nicht um einen Nobelpreis, weil die Auszeichnung nicht auf Alfred Nobels Testament zurückgeht.
Verleihung am 10. Dezember
Überreicht werden alle Preise am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels. Der Friedensnobelpreis wird als einzige der Auszeichnungen nicht in Stockholm, sondern in Oslo verliehen.
Preisentscheidung im Zeichen internationaler Konflikte
Die diesjährige Entscheidung fällt in eine Phase, in der Kriege, humanitäre Krisen und die Belastung internationaler Institutionen die politische Debatte prägen. Das Osloer Komitee muss damit nicht nur eine Person oder Organisation würdigen, sondern zugleich ein Signal setzen, welche Formen von Friedensarbeit es für besonders wichtig hält.
Der Friedensnobelpreis wird traditionell für konkrete Beiträge zur Verständigung, zur Verringerung von Gewalt oder zur Stärkung friedlicher Zusammenarbeit vergeben. Frühere Entscheidungen zeigen, dass die Auszeichnung sowohl bereits erreichte Erfolge als auch laufende politische Prozesse hervorheben kann. Sie schützt Preisträger jedoch nicht automatisch vor späterer Kritik oder politischem Druck.
Humanitäre Hilfe als mögliche Schwerpunktsetzung
Die Emergency Response Rooms im Sudan stehen beispielhaft für lokale Hilfe in einem Krieg, in dem staatliche Strukturen vielfach ausfallen. Solche Netzwerke versorgen Menschen mit Lebensmitteln, medizinischer Unterstützung und Notunterkünften. Eine Auszeichnung würde den Blick auf zivile Akteure lenken, die abseits internationaler Machtzentren handeln.
Auch eine Ehrung von Save the Children würde humanitäre Arbeit und den Schutz von Kindern in Konflikten in den Mittelpunkt rücken. Für Leserinnen und Leser in Deutschland ist die Entscheidung deshalb nicht nur eine Personalfrage: Sie kann Aufmerksamkeit, Spendenbereitschaft und politischen Druck zugunsten bestimmter Friedens- oder Hilfsprojekte beeinflussen. Verkündet wird der Preis in Oslo; überreicht werden die Nobelpreise traditionell am 10. Dezember.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesspiegel: „Friedensnobelpreis im Schatten von Donald Trump: Wird in diesem Jahr der Papst geehrt?“ (09.10.2026)
Der Bericht hebe hervor, dass Donald Trump trotz geringer eigener Chancen die Debatte über die Preisvergabe beeinflusse. Als mögliche Kandidaten nenne er unter anderem Papst Leo, internationale Gerichte, Francesca Albanese, die Emergency Response Rooms und Save the Children; damit setze er einen breiteren Schwerpunkt als die dpa-Meldung, die vor allem humanitäre Organisationen hervorhebe.
Der Artikel bestätige zugleich die Bedeutung der umstrittenen Preisvergabe an María Corina Machado im Vorjahr. Offen bleibe, ob sich das Komitee für eine politisch deutliche Würdigung des Völkerrechts oder für eine weniger konfrontative humanitäre Entscheidung ausspreche.
Deutschlandfunk: „Der Friedensnobelpreis ist keine Ehrung für das Lebenswerk“ (07.10.2026)
Der Beitrag ordne den Preis als Auszeichnung für konkrete Friedensleistungen und nicht als pauschale Würdigung eines Lebenswerks ein. Er betone, dass frühere Entscheidungen immer wieder Kontroversen ausgelöst hätten und der Preis Preisträger schützen, sie aber auch zusätzlichem politischen Druck aussetzen könne.
Damit bestätige der Artikel den im dpa-Bericht beschriebenen Erwartungsdruck nach der Auszeichnung Machados, setze den Schwerpunkt jedoch stärker auf die Wirkung und mögliche Entwertung des Preises. Über die diesjährige Entscheidung selbst treffe er noch keine Aussage.
Beide Beiträge stellten die Auswahl in den Zusammenhang mit der umstrittenen Vorjahresentscheidung; der Tagesspiegel richte den Blick stärker auf mögliche Kandidaten und politischen Druck, während der Deutschlandfunk die Kriterien und langfristigen Folgen der Auszeichnung untersuche.

