Frankreich setzt erneut 70.000 Polizisten bei Protesten ein
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 11:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWSGelbwesten planen Aktionen in ganz Frankreich
- Innenminister Laurent Nuñez kündigte für den kommenden Samstag erneut ein Polizeiaufgebot in der Größenordnung von 70.000 Beamten an.
- Die Gelbwesten riefen für den 31. Oktober zu Kundgebungen und Sitzstreiks vor der Nationalversammlung und Rathäusern auf.
- Für Freitag ist eine Casserolade mit Töpfen und Pfannen geplant; weitere Massenproteste wurden für den 5. November angekündigt.
Frankreich bereitet sich auf Protestsamstag vor
Frankreich will bei den angekündigten Massenprotesten am kommenden Samstag erneut rund 70.000 Polizisten einsetzen. Innenminister Laurent Nuñez sagte dem Sender RTL, es werde ein ähnlich umfangreiches Aufgebot wie beim Einsatz am vergangenen Samstag geben.
Polizei setzt auf umfangreiche Kräfte
Bei den vergangenen Demonstrationen waren neben Spezial- und Elitekräften auch gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer im Einsatz. Nuñez sagte, die Polizei werde so lange mobilisiert bleiben, wie es nötig sei; für den 5. November sind weitere Massenproteste angekündigt.
Nach Angaben des Ministers sind erneut gewaltbereite Gruppierungen unterwegs. Die Proteste, die seit Wochen von jungen Menschen wegen einer besseren Ausstattung von Schulen getragen werden, haben sich inzwischen auf weitere Gruppen ausgeweitet.
Gelbwesten kündigen Aktionen an
Die Gelbwesten riefen für den 31. Oktober zum „3. Akt“ ihrer Proteste auf. Geplant sind Kundgebungen und Sitzstreiks vor der Nationalversammlung sowie vor sämtlichen Rathäusern in Frankreich.
Für Freitag kündigte die Bewegung außerdem eine sogenannte Casserolade an, bei der mit Töpfen und Pfannen Lärm gemacht werden soll. Präsident Emmanuel Macron stufte die Demonstrationen als risikoreich ein und forderte, Protestzüge außerhalb der Stadtzentren abzuhalten.
Protestbewegung kehrt zurück
Die Gelbwesten hatten Frankreich zwischen November 2018 und Frühjahr 2019 mit Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und soziale Ungerechtigkeit in Atem gehalten. Ihren Namen verdankt die Bewegung den gelben Warnwesten, die viele Demonstrierende trugen.
Die angekündigte Mobilisierung fällt in eine Protestwelle, die zunächst von Schülerinnen und Schülern wegen der Ausstattung von Schulen getragen wurde. Mit den Forderungen gegen hohe Lebenshaltungskosten und sozialer Ungleichheit hat sich der Konflikt auf weitere gesellschaftliche Gruppen ausgeweitet.
Die Größenordnung des Polizeieinsatzes zeigt, dass die französischen Behörden die kommenden Kundgebungen nicht als gewöhnliche Demonstrationen behandeln. Beim vorangegangenen Protesttag waren nach Behördenangaben mehr als 400.000 Menschen beteiligt; zugleich wurden zahlreiche Festnahmen und Sachbeschädigungen gemeldet. Damit stehen Sicherheitsmaßnahmen und der Umgang mit den sozialen Forderungen gleichzeitig im Mittelpunkt.
Auswirkungen auf Städte und Handel
Für Bewohnerinnen und Bewohner der betroffenen Städte können Demonstrationen, Sitzstreiks und mögliche Sperrungen den öffentlichen Verkehr, den Zugang zu Behörden und den Geschäftsbetrieb beeinträchtigen. Die angekündigten Aktionen vor Rathäusern und der Nationalversammlung verleihen dem Protest zudem eine sichtbare politische Dimension.
Die Rückkehr der Gelbwesten knüpft an die landesweiten Proteste von November 2018 bis Frühjahr 2019 an. Der weitere Verlauf hängt nun davon ab, ob die Kundgebungen friedlich bleiben und ob Regierung und Protestgruppen einen Umgang mit den Themen Bildung, Lebenshaltungskosten und soziale Ungleichheit finden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ntv: „Frankreich wappnet sich für landesweite Unruhen an Halloween“ (26.10.2026)
Der Artikel bestätige den Einsatz von 70.000 Polizisten und stelle die erwarteten Ausschreitungen rund um Halloween in den Mittelpunkt. Anders als die dpa-Meldung betone er zudem die Zahl der Festnahmen sowie die Belastung des Einzelhandels.
Deutschlandfunk: „Protesttag - 1.300 Festnahmen nach Gewalt in Frankreich - Proteste auch in anderen Ländern“ (26.10.2026)
Der Deutschlandfunk berichte über mehr als 1.300 Festnahmen und ordne die französischen Proteste in ähnliche Aktionen in mehreren europäischen Ländern ein. Ein Schwerpunkt liege auf der unterschiedlichen Beteiligungsschätzung und den Folgen der Gewalt; offen bleibe, wie sich die angekündigten Protesttage entwickeln würden.
Beide Beiträge stellten die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen und die Gewalt beim vorangegangenen Protesttag heraus. Unterschiede gebe es vor allem beim Schwerpunkt: Während ntv die innenpolitischen und wirtschaftlichen Folgen betone, richte der Deutschlandfunk den Blick stärker auf die europäische Dimension.
