Frankreich-Proteste: 146.000 Menschen demonstrieren landesweit
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 19:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFestnahmen und nächste Proteste
- Das französische Innenministerium meldete landesweit 360 Festnahmen bis 19.00 Uhr.
- In Paris wurden 46.000 Demonstrierende und mehr als 5.800 Kontrollen registriert.
- Für Dienstag riefen Beschäftigte aus Bildung, Hochschulen und Forschung zu Streiks und Demonstrationen auf.
Frankreichs Proteste verlieren an Zulauf
In Frankreich haben nach Angaben des Innenministeriums 146.000 Menschen demonstriert, während die Organisatoren landesweit von 250.000 Teilnehmern sprachen. Damit lag die Beteiligung deutlich unter den am vergangenen Samstag genannten Zahlen von 320.000 bis 500.000 Menschen.
Ausschreitungen in mehreren Städten
In Toulouse, Marseille, Lyon, Bordeaux und Straßburg kam es nach Angaben des Innenministeriums zu Ausschreitungen und Zwischenfällen. In Paris verlief der genehmigte Demonstrationszug zunächst ruhig, am Abend waren jedoch Tränengaswolken und Brände zu sehen.
Bis 19.00 Uhr wurden landesweit 360 Menschen festgenommen. Zudem führten die Behörden knapp 40.000 präventive Kontrollen durch, insbesondere an Bahnhöfen.
Polizeiaufgebot und Vorfälle in Paris
Innenminister Laurent Nuñez hatte 70.000 Sicherheitskräfte, gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer angekündigt. Nach Angaben der Polizeipräfektur griffen in Paris nach dem Ende der Demonstration etwa 200 gewaltbereite Personen Sicherheitskräfte an.
Auslöser war demnach die Festnahme eines Mannes, der einen Müllcontainer in Brand gesetzt hatte. In der Hauptstadt wurden 15 Menschen festgenommen und mehr als 5.800 kontrolliert; nach Angaben der Polizeipräfektur demonstrierten dort 46.000 Menschen.
Gelbwesten-Kundgebung untersagt
Eine Kundgebung der Gelbwesten am Place de la Concorde war nicht erlaubt worden. Dennoch versammelten sich dort einige Menschen; französischen Medienberichten zufolge wurden zwei Koordinatoren der Bewegung festgenommen.
In Bordeaux griffen einzelne Personen Sicherheitskräfte mit Wurfgeschossen an. In Lyon kamen nach einer nicht offiziell angemeldeten Versammlung Tränengas und weitere Polizeimaßnahmen zum Einsatz.
Bildungsproteste für Dienstag angekündigt
Organisationen von Beschäftigten im Bildungsbereich riefen für Dienstag zu einem landesweiten Streik- und Demonstrationstag an Hochschulen und in der Forschung auf. Auch Studierendenorganisationen wollen den Druck auf die Regierung erhöhen.
Die Generalsekretärin der Studierendenvereinigung Unef, Manon Moret, sagte, junge Menschen seien weiterhin entschlossen und wütend. Premierminister Sébastien Lecornu will am Montag mit Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden sowie Vertretern von Gymnasiasten und Studierenden sprechen.
Die Proteste in Frankreich stehen im vierten Wochenende in Folge im Zeichen hoher Lebenshaltungskosten und anhaltender Konflikte im Bildungsbereich. Die Spannweite zwischen den Angaben des Innenministeriums und der Organisatoren zeigt dabei erneut, wie stark die politische Bewertung der Mobilisierung von der jeweiligen Zählweise abhängt.
Der Rückgang gegenüber dem vergangenen Samstag bedeutet zugleich keine Entwarnung. Mit 360 Festnahmen und Ausschreitungen in mehreren Städten blieb die Sicherheitslage angespannt. Besonders in Paris verlagerte sich der Konflikt nach dem zunächst ruhig verlaufenen Demonstrationszug in den Abend, als eine gewaltbereite Gruppe Sicherheitskräfte angriff.
Proteste mit mehreren Fronten
Die Bewegung verbindet unterschiedliche Anliegen: Gewerkschaften und Jugendorganisationen wenden sich gegen steigende Lebenshaltungskosten und Probleme im Bildungssystem, während die Gelbwesten erneut eigene Kundgebungen anstreben. Das erschwert der Regierung eine einheitliche politische Antwort.
Die angekündigten Aktionen im Bildungswesen am Dienstag dürften deshalb ein wichtiger nächster Belastungstest werden. Premierminister Sébastien Lecornu will bereits am Montag mit Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden sowie Vertretern von Gymnasiasten und Studierenden sprechen. Für Leser in Frankreich können die Proteste damit kurzfristig weitere Einschränkungen im Bildungsbetrieb, im öffentlichen Raum und bei der Mobilität bedeuten.
