Flydubai-Flug nach Tel Aviv: Pilot soll Kollegen attackiert haben – Notlandung in Saudi-Arabien
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 17:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAuf dem Flydubai-Flug von Dubai nach Tel Aviv soll ein Pilot seinen Kollegen mit einem Messer angegriffen haben, woraufhin die Maschine in einen Sturzflug geriet und in Saudi-Arabien notlandete.
Passagiere helfen im Cockpit
Die israelische Regierung geht von einem versuchten Terroranschlag aus. Verteidigungsminister Israel Katz sprach von einem „Versuch eines dschihadistischen Anschlags“, der nur durch den Mut israelischer Passagiere vereitelt worden sei.
Nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu stach einer der Piloten auf seinen Kollegen ein und wollte das Flugzeug offenbar zum Absturz bringen. Passagiere und ein Besatzungsmitglied seien in das Cockpit vorgedrungen und hätten den Angreifer überwältigt.
Notlandung in Tabuk
Die in Dubai gestartete Maschine landete zunächst im saudi-arabischen Tabuk. Kapitän und Erster Offizier wurden nach Angaben des Flughafens verletzt in ein Krankenhaus gebracht; weitere Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet.
Die Maschine setzte zunächst den Notrufcode 7700 und anschließend den Code 7500 ab, der eine Flugzeugentführung signalisiert. Flydubai bestätigte eine Auseinandersetzung im Cockpit und erklärte, eine zweite Besatzung an Bord habe das Flugzeug sicher gelandet.
Passagiere erreichen Tel Aviv
Am Abend landeten die Passagiere mit einer Ersatzmaschine sicher auf dem Flughafen von Tel Aviv. Dort warteten Angehörige auf sie. Nach Angaben Netanjahus waren fast alle Passagiere Israelis; der Tatverdächtige wurde von saudischen Sicherheitsbehörden festgenommen und befragt.
Die Hintergründe und Motive des Vorfalls waren nach Angaben der Fluggesellschaft zunächst unklar. Flydubai rief dazu auf, während der laufenden Ermittlungen von Spekulationen abzusehen.
Widersprüchliche Angaben zur Herkunft
Zur Herkunft der Piloten gab es unterschiedliche Angaben. Das israelische Nachrichtenportal „ynet“ berichtete, der Tatverdächtige stamme aus dem Oman; zuvor war von einem russischen und einem ukrainischen Piloten die Rede gewesen. Das russische Generalkonsulat in Dubai erklärte, nach Informationen der Airline sei kein russischer Staatsbürger an Bord gewesen.
Passagiere berichteten von Schreien, Panik und Blut im Cockpit. Ein Video aus der Kabine soll zeigen, wie das Flugzeug während des Vorfalls in kurzer Zeit deutlich an Höhe verlor.
Verbindungen zwischen Israel und den Golfstaaten
Die Vereinigten Arabischen Emirate erkannten Israel 2020 im Rahmen eines Annäherungsabkommens an. Seitdem wurden wirtschaftliche und sicherheitspolitische Kontakte ausgebaut; Dubai entwickelte sich für Israelis zu einem beliebten Reiseziel.
Israel und Saudi-Arabien unterhalten weiterhin keine diplomatischen Beziehungen. Eine mögliche Normalisierung gilt seit dem Gaza-Krieg als schwieriger. Die Notlandung in Tabuk erforderte dennoch eine unmittelbare Zusammenarbeit bei der Versorgung der Verletzten und der Weiterreise der Passagiere.
Ein Vorfall an einer sensiblen Luftverkehrsroute
Der Flug verband Dubai und Tel Aviv, zwei Städte zwischen denen sich der zivile Reiseverkehr seit dem Annäherungsabkommen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten im Jahr 2020 entwickelt hat. Für israelische Reisende gehören Verbindungen über die Golfstaaten inzwischen zum regionalen Luftverkehrsnetz. Der Vorfall ereignete sich damit auf einer Route, die politische Annäherung und bestehende Spannungen zugleich sichtbar macht.
Besonders gravierend ist die mögliche Kombination aus Gewalt im Cockpit, einem steilen Sinkflug und den Notrufcodes 7700 und 7500. Solche Signale lösen bei Flugsicherung und Militär unmittelbar Notfallverfahren aus. Die sichere Landung in Tabuk und die spätere Weiterreise der Passagiere begrenzten die unmittelbaren Folgen; die Verletzungen der beiden Piloten und die genaue Abfolge im Cockpit bleiben für die Ermittlungen zentral.
Politische Folgen und offene Ermittlungen
Die israelische Regierung ordnet den Vorfall als versuchten dschihadistischen Anschlag ein. Flydubai bezeichnete die Hintergründe und Motive dagegen zunächst als unklar und verwies auf laufende Ermittlungen. Diese unterschiedlichen Bewertungen zeigen, dass neben dem Sicherheitsablauf auch die Motivfrage und die mögliche Herkunft des Tatverdächtigen geklärt werden müssen.
Für die Luftfahrt dürfte der Fall Fragen nach dem Schutz des Cockpits, der Zuverlässigkeit von Besatzungsabläufen und dem Umgang mit psychischen oder politischen Risiken aufwerfen. Für Israel und Saudi-Arabien ist die Notlandung zudem diplomatisch sensibel: Beide Staaten unterhalten keine offiziellen Beziehungen, mussten bei der Versorgung der Verletzten und der Weiterreise der Passagiere aber praktisch zusammenarbeiten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR24: „Absturz versucht? Terrorverdacht nach Gewalt in Flydubai-Cockpit“ (30.09.2026)
Der Bericht bestätige den gewaltsamen Zwischenfall, die Notlandung in Tabuk und die israelische Bewertung als versuchten Terroranschlag. Er setze einen zusätzlichen Schwerpunkt auf Flugverfolgungsdaten, nach denen die Maschine binnen kurzer Zeit deutlich an Höhe verloren habe, und betone zugleich, dass der genaue Ablauf an Bord noch geklärt werden müsse.
Der Artikel bestätige die israelische Terrorbewertung und stelle die politischen Forderungen des Sicherheitsministers in den Mittelpunkt. Anders als die knappe Airline-Darstellung hebe er außerdem die widersprüchlichen Angaben zur Herkunft der Piloten, die mögliche Prüfung psychischer Ursachen und die vorübergehende Reaktion israelischer Kampfjets hervor.
Beide Berichte stimmten beim Zwischenfall im Cockpit, der Notlandung und der Beteiligung von Passagieren an der Überwältigung des Angreifers überein. Unterschiede bestünden vor allem bei der politischen Einordnung und bei offenen Fragen zu Motiv, Herkunft des Tatverdächtigen und dem genauen Ablauf des Sinkflugs.
