Flydubai, Tel Aviv

Flydubai-Flug nach Tel Aviv: Netanjahu würdigt verletzten Piloten als „wahren Helden“

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 04:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach einem Messerangriff im Cockpit eines Flydubai-Flugs von Dubai nach Tel Aviv konnte eine Katastrophe verhindert werden. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu würdigte den verletzten Kapitän als Helden; der Pilot befindet sich in stabilem Zustand.

  • Diese Ersatzmaschine brachte die Passagiere nach Tel Aviv. - Bild: Jamal Awad/dpa
    Diese Ersatzmaschine brachte die Passagiere nach Tel Aviv. - Bild: Jamal Awad/dpa
  • Yaniv Hayun gehörte zu den Männern, die an Bord des Flugzeugs eingriffen. - Bild: Jamal Awad/dpa
    Yaniv Hayun gehörte zu den Männern, die an Bord des Flugzeugs eingriffen. - Bild: Jamal Awad/dpa
Diese Ersatzmaschine brachte die Passagiere nach Tel Aviv. - Bild: Jamal Awad/dpa Yaniv Hayun gehörte zu den Männern, die an Bord des Flugzeugs eingriffen. - Bild: Jamal Awad/dpa

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den indischen Kapitän eines Flydubai-Flugs als „wahren Helden“ gewürdigt, nachdem dieser trotz schwerer Stichverletzungen zur Rettung der Maschine beigetragen haben soll.

Kapitän öffnete Cockpittür

Der Flug FZ1073 war am Mittwoch von Dubai nach Tel Aviv unterwegs, als einer der beiden Piloten seinen Kollegen im Cockpit angegriffen haben soll. Nach Angaben Netanjahus öffnete der verletzte Kapitän die Cockpittür, sodass Passagiere den Angreifer überwältigen konnten.

„Er hat die Leben von 174 Menschen gerettet, darunter israelische Bürger und andere Staatsangehörige“, schrieb Netanjahu. Die indische Botschaft in Saudi-Arabien teilte mit, der Zustand des Piloten sei stabil.

Maschine geriet in Sturzflug

Nach den bisherigen Angaben stach der mutmaßliche Angreifer auf seinen Kollegen ein, als sich das Flugzeug Israel näherte. Die Maschine geriet demnach in einen Sturzflug. Nachdem der Angreifer überwältigt worden war, übernahm eine zweite Besatzung, die sich in der Kabine befand, die Steuerung.

Das Flugzeug landete anschließend im saudi-arabischen Tabuk. Die Passagiere wurden später mit einem Ersatzflug nach Tel Aviv gebracht und dort von Angehörigen begrüßt. Ein solcher Direktflug zwischen Saudi-Arabien und Israel ist selten, weil beide Staaten keine diplomatischen Beziehungen unterhalten.

Passagier schildert Eingreifen

Der israelische Passagier Yaniv Hayun berichtete, er habe den Angreifer in den Würgegriff genommen und aus dem Cockpit gezogen. Danach habe er während des Sturzflugs die Steuerung ergriffen und Hebel zurückgezogen, bis ein Pilot übernehmen konnte.

Ministerpräsident Netanjahu sagte, der Vorfall habe einen weiteren Anschlag wie am 11. September verhindert. Der mutmaßliche Angreifer wurde nach israelischen Angaben festgenommen und von saudischen Sicherheitsbehörden befragt.

Motiv weiter offen

Israelische Stellen gehen von einem versuchten dschihadistischen Terroranschlag aus. Nach erster Einschätzung soll der Tatverdächtige allein gehandelt haben; Hinweise auf einen staatlichen oder terroristischen Drahtzieher gebe es demnach nicht.

Das israelische Nachrichtenportal „ynet“ berichtete, der tatverdächtige Copilot stamme aus dem Oman. Ein Motiv und die konkrete Absicht des Mannes sind bislang nicht geklärt. Flydubai setzte Flüge von und nach Israel bis zum Abschluss der Untersuchungen aus.

Wadephul erleichtert

Bundesaußenminister Johann Wadephul erklärte nach einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Gideon Saar, er sei erleichtert, dass die versuchte Entführung und möglicherweise Schlimmeres verhindert worden seien. Die Hintergründe müssten schnell und vollständig aufgeklärt werden.

Flugsicherheit und Ermittlungen

Der Vorfall verbindet einen gewaltsamen Angriff im Cockpit mit einer akuten Gefährdung der Flugsicherheit. Entscheidend für die weitere Aufklärung sind nun die Aussagen der Besatzung und der Passagiere, die Auswertung der Flug- und Kommunikationsdaten sowie die Ermittlungen der saudischen Behörden. Dabei müssen Tatablauf, Motiv und mögliche politische Bezüge getrennt voneinander bewertet werden.

Die Maschine konnte stabilisiert werden, weil der verletzte Kapitän die Cockpittür geöffnet haben soll, Passagiere den Angreifer überwältigten und eine weitere Besatzung die Kontrolle übernahm. Der Fall zeigt damit zugleich die Bedeutung mehrfach besetzter Crews, geschützter Cockpits und klarer Notfallabläufe. Für Reisende sind solche Maßnahmen im Alltag nicht sichtbar, bilden aber einen zentralen Bestandteil der Luftsicherheit.

Besondere politische Dimension

Der Flug war auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv und musste in Tabuk landen. Direkte Verbindungen zwischen Saudi-Arabien und Israel sind selten, weil beide Staaten keine diplomatischen Beziehungen unterhalten. Die Notlandung und der anschließende Ersatzflug machten deshalb auch die besondere regionale Konstellation sichtbar.

Israelische Regierungsvertreter ordnen die Tat als möglichen dschihadistischen Anschlag ein, während zentrale Fragen zum Motiv und zu möglichen Hintermännern offenbleiben. Für die Fluggesellschaft hat der Vorfall bereits unmittelbare Folgen: Flydubai setzte Verbindungen von und nach Israel bis zum Abschluss der Untersuchungen aus. Das kann die Reiseplanung betroffener Passagiere kurzfristig erschweren und den ohnehin politisch sensiblen Luftverkehr in der Region weiter belasten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Möglicherweise versuchter Anschlag: Gewaltvorfall in Cockpit von Flydubai-Maschine“ (30.09.2026)

Der Bericht bestätige den Messerangriff im Cockpit, die Notlandung in Tabuk und die Überwältigung des Angreifers durch Passagiere. Er hebe zusätzlich widersprüchliche Angaben zur Herkunft des Tatverdächtigen und die fehlende offizielle Bestätigung eines Motivs hervor.

BR24: „Absturz versucht? Terrorverdacht nach Kampf in Flydubai-Cockpit“ (30.09.2026)

BR24 bestätige den Angriff, den Sturzflug und die Rettung der Maschine durch Passagiere und eine weitere Crew. Der Bericht setze einen anderen Schwerpunkt auf öffentlich einsehbare Flugdaten, wonach die Boeing binnen kurzer Zeit erheblich an Höhe verloren habe, sowie auf die politischen Bezüge zu den Abraham-Abkommen.

Beide Berichte stimmten darin überein, dass der Flug sicher in Saudi-Arabien gelandet und der Tatverdächtige festgenommen worden sei. Unterschiede gebe es vor allem bei der Einordnung des Motivs und bei Angaben zur Herkunft des mutmaßlichen Angreifers.

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