Flydubai, Notlandung in Saudi-Arabien

Flydubai-Flug nach Tel Aviv: Netanjahu nennt verletzten Piloten „wahren Helden“

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 03:47 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach einem Messerangriff im Cockpit eines Flydubai-Flugs nach Tel Aviv hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den verletzten Kapitän als „wahren Helden“ gewürdigt. Die Maschine mit 174 Menschen an Bord landete in Saudi-Arabien; der mutmaßliche Angreifer wurde festgenommen.

  • Diese Ersatzmaschine brachte die Passagiere nach Tel Aviv. - Bild: Jamal Awad/dpa
    Diese Ersatzmaschine brachte die Passagiere nach Tel Aviv. - Bild: Jamal Awad/dpa
  • Yaniv Hayun gehörte zu den Männern, die an Bord des Flugzeugs eingriffen. - Bild: Jamal Awad/dpa
    Yaniv Hayun gehörte zu den Männern, die an Bord des Flugzeugs eingriffen. - Bild: Jamal Awad/dpa
Diese Ersatzmaschine brachte die Passagiere nach Tel Aviv. - Bild: Jamal Awad/dpa Yaniv Hayun gehörte zu den Männern, die an Bord des Flugzeugs eingriffen. - Bild: Jamal Awad/dpa

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den indischen Kapitän eines Flydubai-Flugs nach Tel Aviv als „wahren Helden“ gewürdigt, nachdem dieser trotz schwerer Stichverletzungen die Cockpittür geöffnet und damit Passagieren ermöglicht haben soll, den mutmaßlichen Angreifer zu überwältigen.

Notlandung in Saudi-Arabien

Der Flug FZ1073 war am Mittwoch von Dubai nach Tel Aviv unterwegs, als es im Cockpit zu der Auseinandersetzung kam. Nach Angaben Netanjahus hatte einer der beiden Piloten auf seinen Kollegen eingestochen, als sich die Maschine Israel näherte.

Das Flugzeug geriet nach übereinstimmenden Berichten in einen Sturzflug und landete anschließend im saudi-arabischen Tabuk. Eine zweite Besatzung, die sich in der Kabine befand, übernahm das Steuer.

174 Menschen an Bord

Netanjahu erklärte, der Kapitän habe durch seinen Widerstand das Leben von 174 Menschen gerettet. Die indische Botschaft in Saudi-Arabien teilte mit, der Zustand des verletzten Piloten sei stabil.

Die Passagiere wurden noch am Abend mit einem Ersatzflug von Tabuk nach Tel Aviv gebracht. Dort wurden sie von Angehörigen und Unterstützern begrüßt.

Passagiere greifen ein

Der Israeli Yaniv Hayun berichtete, er habe den Angreifer in den Würgegriff genommen und aus dem Cockpit gezogen. Zu diesem Zeitpunkt sei das Flugzeug im Sturzflug gewesen; anschließend habe er im Cockpit die Steuerung ergriffen, bis ein Pilot übernommen habe.

Hayun sagte, der Angreifer habe an Bordinstrumenten gearbeitet. Nach Darstellung Netanjahus wurde der Mann festgenommen und von saudischen Sicherheitsbehörden befragt.

Motiv bleibt offen

Israels Regierung geht von einem versuchten dschihadistischen Terroranschlag aus. Gesicherte Angaben zum Motiv und zur konkreten Absicht des mutmaßlichen Angreifers liegen bislang nicht vor.

Israelische Sicherheitskreise vermuten einen Einzeltäter. Das Nachrichtenportal „ynet“ berichtete, der Tatverdächtige stamme aus dem Oman. Flydubai setzte Flüge von und nach Israel aus, solange die Untersuchungen andauern.

Politische Bedeutung

Ein Direktflug zwischen Dubai und Tel Aviv ist ungewöhnlich, weil Saudi-Arabien und Israel keine diplomatischen Beziehungen unterhalten. Außenminister Johann Wadephul erklärte nach einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Gideon Saar, die Hintergründe müssten schnell und vollständig aufgeklärt werden.

Netanjahu verglich den Vorfall mit den Anschlägen vom 11. September 2001. Bei diesen waren fast 3.000 Menschen getötet worden.

Sicherheitsrisiko im Cockpit

Der Vorfall zeigt, dass die Sicherheit eines Passagierflugzeugs nicht allein von technischen Systemen und Kontrollen am Boden abhängt. Auch die Zusammensetzung der Besatzung und der Zugang zum Cockpit sind zentrale Faktoren. Besonders schwer wiegt, dass der mutmaßliche Angriff während des Fluges erfolgt sein soll und die Maschine zeitweise in einen Sturzflug geriet.

Die Boeing 737-8 MAX von Flydubai war auf einer seltenen direkten Verbindung zwischen Dubai und Tel Aviv unterwegs. Saudi-Arabien und Israel unterhalten weiterhin keine diplomatischen Beziehungen; die Notlandung und der anschließende Ersatzflug machten deshalb die politische und geografische Besonderheit des Vorgangs sichtbar. Die Flugverbindung zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel steht zugleich für die Annäherung im Zuge der Abraham-Abkommen von 2020.

Folgen für Ermittlungen und Flugverkehr

Für die Aufklärung sind nun die Aussagen der Besatzung und der Passagiere, die Auswertung der Flugdatenschreiber sowie die Ermittlungen der saudischen Behörden entscheidend. Davon hängt ab, ob sich der Verdacht eines gezielten Anschlags erhärtet oder der Vorgang anders eingeordnet wird. Bis zum Abschluss der Untersuchungen hat Flydubai Flüge von und nach Israel ausgesetzt.

Für Reisende bedeutet der Vorfall vor allem eine vorübergehende Unterbrechung der Verbindung und zusätzliche Sicherheitsprüfungen. Politisch könnte der Angriff zudem die ohnehin angespannte regionale Lage belasten, weil eine zivile Route zwischen Staaten ohne diplomatische Beziehungen betroffen ist.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Möglicherweise versuchter Anschlag Gewaltvorfall in Cockpit von Flydubai-Maschine“ (30.09.2026)

Der Bericht bestätige den Messerangriff im Cockpit, die Notlandung in Tabuk und die Beteiligung von Passagieren an der Überwältigung des Angreifers. Er setze zugleich einen vorsichtigeren Schwerpunkt und betone, dass ein gezielter Absturzversuch und ein Terroranschlag zunächst noch geprüft würden.

BR24: „Absturz versucht? Terrorverdacht nach Kampf in Flydubai-Cockpit“ (30.09.2026)

Der Beitrag stelle die dramatische Flugphase und die Berichte über einen starken Höhenverlust heraus. Er bestätige die Rettung durch Passagiere und eine zweite Crew, weise aber ebenfalls darauf hin, dass die Hintergründe der Auseinandersetzung noch untersucht würden.

Beide Berichte stimmten beim Ablauf der Notlandung und der entscheidenden Hilfe an Bord überein; Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung von Terrorverdacht, Flugverlauf und offenen Ermittlungsfragen.

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