Flydubai-Cockpit-Angriff: Emirate ermitteln nach Notlandung in Saudi-Arabien
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 21:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNach einer gewaltsamen Auseinandersetzung im Cockpit eines Flydubai-Flugs von Dubai nach Tel Aviv haben die emiratischen Behörden Ermittlungen eingeleitet.
Emirate prüfen möglichen Terrorbezug
Der Generalstaatsanwalt der Vereinigten Arabischen Emirate, Hamad Saif al-Schamsi, setzte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Wam ein spezielles Ermittlungsteam ein. Es soll den Ablauf und die Hintergründe klären sowie prüfen, ob ein Zusammenhang mit terroristischen Aktivitäten besteht oder der Vorfall geplant beziehungsweise angeordnet wurde.
Die emiratischen Justizbehörden begründen ihre Zuständigkeit damit, dass die Maschine in den Vereinigten Arabischen Emiraten registriert sei und die emiratische Flagge führe. Motiv und Absichten des mutmaßlichen Angreifers, eines Piloten aus dem Oman, sind weiterhin ungeklärt.
Maschine muss in Saudi-Arabien landen
Der Flug war am Mittwoch von Dubai nach Tel Aviv unterwegs, als es im Cockpit zu der Auseinandersetzung kam. Nach Angaben des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu stach der Copilot auf seinen Kollegen ein; die Maschine geriet Berichten zufolge in einen Sturzflug.
Nachdem der mutmaßliche Angreifer überwältigt worden war, konnte das Flugzeug in Saudi-Arabien notlanden. Eine zweite Besatzung, die in der Kabine mitreiste, übernahm das Steuer.
Israel spricht von Terroranschlag
Die israelische Regierung geht von einem dschihadistischen Terroranschlag aus. Nach einer ersten israelischen Einschätzung gibt es zugleich keine Hinweise auf eine Beteiligung eines Staates oder einer Terrororganisation. Netanjahu erklärte, der Copilot sei islamistisch indoktriniert gewesen; binnen weniger Tage werde klar sein, ob der mutmaßliche Angreifer Verbindungen zum Iran habe.
US-Präsident Donald Trump sagte auf die Frage nach einer möglichen iranischen Beteiligung, nach dem, was er höre, würde er dies bejahen. Zugleich erklärte er, der Vorgang werde noch untersucht. Der Oman äußerte sich bislang nicht zu dem Vorfall.
Rückholflüge für israelische Passagiere
Flydubai setzte seine Flüge von und nach Israel zunächst aus. Das israelische Verkehrsministerium kündigte Rückholflüge für in den Vereinigten Arabischen Emiraten wartende israelische Passagiere an. Die Fluggesellschaften El Al, Arkia und Israir sollen die Passagiere von dort nach Israel bringen.
Verletzter Pilot in stabilem Zustand
Der schwer verletzte Pilot Smit Machchhar wird nach Angaben der indischen Botschaft in einem Krankenhaus in Tabuk behandelt. Sein Zustand sei nach bisherigen Angaben stabil. Die saudische Nachrichtenagentur SPA berichtete am Abend, beide Piloten hätten Saudi-Arabien nach medizinischer Freigabe in Richtung Abu Dhabi verlassen.
Israels Präsident Izchak Herzog will vier Passagiere für die Präsidentenmedaille für Zivilcourage vorschlagen. Sie sollen bei der Überwältigung des Angreifers geholfen haben; auch eine Passagierin, die Alarm geschlagen hatte, soll gewürdigt werden.
174 Passagiere an Bord
An Bord waren Medienberichten zufolge 174 Passagiere, darunter 27 Kinder. Sie wurden mit einem Ersatzflug von Tabuk nach Tel Aviv gebracht. Auch Deutschlands Außenminister Johann Wadephul und UN-Generalsekretär António Guterres zeigten sich erleichtert, dass eine größere Katastrophe verhindert wurde.
Ermittlungen im Spannungsfeld politischer Deutungen
Der Vorfall fällt in eine besonders sensible regionale Lage: Der Flug verband Dubai und Tel Aviv, zwei Ziele mit regelmäßigen Verbindungen seit der Annäherung zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten im Jahr 2020. Die Notlandung erfolgte in Saudi-Arabien, das keine diplomatischen Beziehungen zu Israel unterhält. Damit mussten mehrere Staaten und Sicherheitsbehörden auf einen Zwischenfall reagieren, der sich während eines internationalen Linienflugs ereignete.
Für die Bewertung ist die Trennung zwischen beobachtbarem Geschehen und politischer Einordnung entscheidend. Fest steht der gewaltsame Konflikt im Cockpit, der Sinkflug, die Überwältigung des mutmaßlichen Angreifers und die Notlandung. Ob dahinter ein terroristischer Plan, ein Einzeltäter oder ein anderer Auslöser stand, sollen die Ermittlungen klären. Die israelische Terrorbewertung und die bislang ebenfalls berichtete Einschätzung, es gebe keine Hinweise auf eine Beteiligung eines Staates oder einer Organisation, markieren unterschiedliche Ebenen der frühen Einordnung.
Bedeutung für Flugbetrieb und Passagiere
Der Fall zeigt die besondere Bedeutung von Notfallverfahren, zusätzlichem flugerfahrenem Personal und der Zusammenarbeit zwischen Besatzung und Passagieren. Zugleich kann ein Angriff innerhalb des Cockpits selbst bei funktionierenden Sicherheitsvorkehrungen schnell zu einem Kontrollverlust führen. Für Reisende dürften zunächst die Rückholflüge und die Wiederaufnahme der Verbindungen im Mittelpunkt stehen; für die Luftfahrtbehörden werden später vor allem Sicherheitsabläufe, Zugangsregeln und die Einsatzfähigkeit der Ersatzbesatzung relevant sein.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Bericht bestätige den gewaltsamen Vorfall auf dem Flug von Dubai nach Tel Aviv, die Notlandung in Tabuk und den stabilen Zustand des verletzten Piloten. Er stelle die israelische Bewertung als „Versuch eines dschihadistischen Anschlags“ heraus, betone zugleich aber, dass die Herkunft des mutmaßlichen Angreifers und die Hintergründe noch nicht abschließend bestätigt seien.
DER SPIEGEL: „Notlandung in Saudi-Arabien: Israel geht von versuchtem Terroranschlag aus“ (30.09.2026)
Der Bericht bestätige die Notlandung nach der Auseinandersetzung und die Hilfe von Passagieren bei der Überwältigung des Angreifers. Anders als die politische Terrorbewertung hebe er hervor, dass ein gezielter Absturzversuch zunächst nicht offiziell bestätigt gewesen sei, und verweise auf die noch offenen Fragen zu Motiv und möglicher Beteiligung weiterer Akteure.
Beide Berichte stellten den Cockpit-Vorfall, den Sinkflug und die sichere Notlandung als gesichert dar; Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung der israelischen Terrorthese und bei der Darstellung dessen, was über die Absicht des mutmaßlichen Angreifers bereits bekannt sei.
