Erderwärmung: UN erwartet bis 2100 bis zu 2,8 Grad
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 16:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWSKlimapolitik und Temperaturpfad bis 2100
- Die UN-Prognose setzt den Erwärmungspfad bei aktuellen Maßnahmen bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2,8 Grad.
- Bei vollständiger Umsetzung der angekündigten Pläne läge die Erwärmung laut Bericht bei 2,6 Grad.
- Für eine Rückkehr zu 1,5 Grad müssten die globalen Emissionen bis 2040 um 69 Prozent gegenüber 2025 sinken.
UN-Prognose setzt Erwärmung auf 2,8 Grad
Die Erde steuert den Vereinten Nationen zufolge mit der aktuellen weltweiten Klimapolitik bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2,8 Grad Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit zu. Jeder Bruchteil eines Grades über 1,5 Grad erhöht das Risiko für tödliche Fluten, Hitzewellen und Waldbrände.
USA verschlechtern den globalen Klimapfad
Die Weltgemeinschaft wollte die Erderwärmung eigentlich bei 1,5 Grad begrenzen, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden. Gegenüber dem Vorjahr hat sich der Pfad nicht verbessert: Bei vollständiger Umsetzung der angekündigten Klimaschutzmaßnahmen käme die Erde laut UN auf 2,6 Grad, nach bis zu 2,5 Grad im Vorjahr.
Als wichtigen Grund nennt der Bericht den vollständigen Rückzug der USA aus ihren früheren Klimaschutzplänen unter Präsident Donald Trump. Die USA sind nach China der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen; zudem wurden Angaben zum bisherigen Ausstoß nach oben korrigiert.
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1,5-Grad-Ziel gerät weiter unter Druck
Selbst im optimistischsten Szenario, in dem alle Länder ihre Klimapläne einhalten und ihre angestrebten Klimaneutralitätsziele erreichen, würde sich die Erde bis 2100 um 2,1 Grad erwärmen. Das 1,5-Grad-Ziel gilt noch nicht offiziell als gerissen, weil dafür eine langfristige Überschreitung maßgeblich ist.
Der EU-Klimawandeldienst Copernicus sieht für die Jahre 2023 bis 2025 erstmals in einem Dreijahreszeitraum eine durchschnittliche Erwärmung von mehr als 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter. Experten gehen überwiegend davon aus, dass das Ziel nicht gehalten werden kann.
Emissionen müssen deutlich sinken
Für eine Rückkehr zu 1,5 Grad müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen laut UN bis 2030 um 18 Prozent, bis 2035 um 45 Prozent und bis 2040 um 69 Prozent gegenüber dem Niveau von 2025 sinken.
Bei vollständiger Umsetzung der geplanten Klimaschutzmaßnahmen würden die Emissionen bis 2030 jedoch nur um bis zu 8 Prozent und bis 2035 um bis zu 15 Prozent sinken. Zusätzlich müssten große Mengen CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden, was mit erheblichen technologischen und finanziellen Hürden verbunden ist.
Antalya wird zum politischen Prüfpunkt
Im November trifft sich die Weltgemeinschaft im türkischen Antalya zur Weltklimakonferenz. Dort soll beraten werden, wie die Lücke zwischen Klimaversprechen und tatsächlichem Handeln verkleinert werden kann; die USA nehmen nach ihrem erneuten Austritt aus dem Pariser Abkommen nicht teil.
Auch Entscheidungen in Brasilien können für das Weltklima bedeutsam sein, weil der Amazonas-Regenwald eine zentrale Rolle spielt. Trotz des verschlechterten aktuellen Pfads verweist der Bericht auf Fortschritte: Seit dem Pariser Klimaabkommen haben sich die erneuerbaren Energien etwa dreimal so schnell entwickelt wie damals erwartet.
UN setzt auf begrenzte Überschreitung
UN-Generalsekretär António Guterres betont, eine Überschreitung der 1,5-Grad-Marke bedeute keine Kapitulation. Ziel müsse bleiben, den Temperaturanstieg so gering und so kurz wie möglich zu halten und die globale Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts wieder unter 1,5 Grad zu senken.
Der UNEP-Bericht misst die Lücke zwischen den Emissionen, die nach den derzeitigen Klimaplänen zu erwarten sind, und dem Pfad, der für die Ziele des Pariser Abkommens nötig wäre. Die aktuelle Prognose von 2,8 Grad bezieht sich auf die Umsetzung der gegenwärtigen politischen Maßnahmen bis 2100; selbst die vollständige Erfüllung angekündigter Zusagen würde demnach noch eine Erwärmung von 2,6 Grad bedeuten.
Der Abstand zum 1,5-Grad-Ziel hat unmittelbare praktische Folgen. Mit jedem zusätzlichen Zehntelgrad steigen die Risiken für extreme Hitze, Überschwemmungen, Waldbrände, Schäden an Ökosystemen und wirtschaftliche Belastungen. Besonders betroffen sind Regionen und Bevölkerungsgruppen, die historisch vergleichsweise wenig zu den Emissionen beigetragen haben.
Entscheidend sind die nächsten Klimaschritte
Die UN-Berechnung zeigt zugleich, dass politische Entscheidungen den langfristigen Pfad weiterhin verändern können. Seit dem Pariser Abkommen hat sich der erwartete Temperaturanstieg gegenüber früheren Projektionen bereits verringert. Dafür müssten Staaten ihre Emissionen jedoch deutlich schneller senken, als es die derzeitigen Maßnahmen erwarten lassen.
Die Weltklimakonferenz in Antalya wird damit zu einem wichtigen politischen Prüfpunkt. Im Mittelpunkt stehen die Glaubwürdigkeit nationaler Klimaziele, der Ausbau erneuerbarer Energien und die Frage, wie eine mögliche zeitweise Überschreitung von 1,5 Grad begrenzt und langfristig rückgängig gemacht werden kann. Für den Alltag bedeutet die Entwicklung zugleich, dass Anpassung an häufigere Extremwetterereignisse und schnellerer Emissionsabbau parallel nötig bleiben.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Neuer UNO-Bericht - Guterres warnt: Erde steuert bis 2100 auf bis zu 2,8 Grad Erwärmung zu“ (21.10.2026)
Der Beitrag bestätigt die Prognose von bis zu 2,8 Grad und hebt die Warnung von António Guterres sowie die unzureichenden nationalen Klimaschutzmaßnahmen hervor. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich stärker auf die Emissionslücke und die politische Bewertung des Berichts.
taz: „Menschheit 'gefährlich weit' von 1,5 Grad entfernt“ (21.10.2026)
Der Artikel bestätigt den aktuellen UN-Pfad von 2,8 Grad und nennt zusätzliche Angaben zu Emissionstrends, zur Rolle der G20 und zur möglichen Rückkehr unter 1,5 Grad. Der Schwerpunkt liegt stärker auf den bereits sichtbaren Folgen und den politischen Verantwortlichkeiten.
Die Beiträge stimmen in der Einschätzung überein, dass der derzeitige Kurs die Pariser Klimaziele verfehlt. Unterschiede liegen vor allem bei der Gewichtung politischer Warnungen, Emissionsdaten und der Frage, unter welchen Bedingungen eine spätere Rückkehr zu 1,5 Grad möglich bleibt.
