Südchinesisches Meer: Philippinen melden Ramm-Manöver chinesischer Küstenwache gegen Versorgungsschiff
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 11:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Im umstrittenen Südchinesischen Meer ist es nach Angaben der philippinischen Behörden erneut zu einem gefährlichen Zwischenfall zwischen der philippinischen und der chinesischen Küstenwache gekommen.
Versorgungsschiff für Fischer beschädigt
Die philippinische Küstenwache teilte mit, ein Schiff der chinesischen Küstenwache habe am Morgen (Ortszeit) ein Schiff der Fischereibehörde Bureau of Fisheries and Aquatic Resources (BFAR) gerammt und beschädigt. Das BFAR-Schiff war demnach unterwegs, um philippinische Fischer mit Treibstoff zu versorgen. Verletzte habe es bei dem Zusammenstoß nicht gegeben.
Gefährliche Manöver vor Palawan
Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge rund 54 Seemeilen, etwa 100 Kilometer, vor der Westküste der philippinischen Provinz Palawan. Zuvor soll das chinesische Schiff den Kurs des philippinischen Versorgungsschiffes in nur rund zehn Metern Abstand geschnitten haben. Laut dem Sprecher der philippinischen Küstenwache, Jay Tarriela, wiederholte das Schiff der chinesischen Küstenwache das Manöver etwa zehn Minuten später und rammte das BFAR-Schiff, das dabei auf einer Seite stark beschädigt worden sei.
Philippinen sehen ziviles Schiff gezielt attackiert
Tarriela warf China vor, gezielt ein ziviles Regierungsschiff bei einem Einsatz zur Unterstützung von Fischern gerammt und damit die Besatzung in Gefahr gebracht zu haben. Kein noch so heftiges Rammen oder gefährliches Manövrieren werde etwas an der Tatsache ändern, dass diese Gewässer nach seiner Darstellung dem philippinischen Volk gehören, erklärte der Sprecher. Die philippinische Seite veröffentlichte zudem Videos, die den Zwischenfall zeigen sollen.
China weist Verantwortung zurück
China widersprach der Darstellung. Nach Angaben eines Sprechers des chinesischen Außenministeriums habe das philippinische Schiff Warnungen ignoriert, seinen Kurs absichtlich geändert und plötzlich beschleunigt, sodass es vor den Bug des chinesischen Küstenwachschiffs gefahren sei. Die Verantwortung für den Zusammenstoß liege nach dieser Darstellung vollständig bei der philippinischen Seite.
Dauerstreit um das Südchinesische Meer
In der Region kommt es immer wieder zu Vorfällen und Kollisionen zwischen Schiffen beider Länder. China beansprucht praktisch das gesamte Südchinesische Meer für sich. Die Philippinen, Vietnam, Malaysia und andere Anrainerstaaten weisen diese Ansprüche zurück und berufen sich dabei auf ein Schiedsurteil eines UN-Gerichts aus dem Jahr 2016. China erkennt das Urteil nicht an. Das rohstoffreiche Gebiet ist zugleich ein bedeutendes Fischereigebiet und eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt.
Wachsende Risiken im Südchinesischen Meer
Der gemeldete Zusammenstoß zwischen einem Schiff der philippinischen Fischereibehörde BFAR und einem Schiff der chinesischen Küstenwache fügt sich in eine Serie von Zwischenfällen im Südchinesischen Meer ein. Die Region gilt seit Jahren als einer der zentralen sicherheitspolitischen Brennpunkte Asiens, weil sie zugleich Rohstoffquelle, Fischereigebiet und eine der wichtigsten globalen Handelsrouten ist. Mehrere Anrainerstaaten erheben Anspruch auf Teile des Meeresgebiets, während China mit seinem weitreichenden Anspruch nahezu das gesamte Gebiet für sich reklamiert.
Rechtslage und Machtpolitik
Für die Philippinen ist der Zwischenfall auch ein politisches Symbol: Sie verweisen auf das Schiedsurteil eines UN-Schiedsgerichts aus dem Jahr 2016, das chinesische Ansprüche in weiten Teilen zurückgewiesen hat. China erkennt dieses Urteil nicht an und setzt stattdessen auf eine Kombination aus Küstenwache, Milizschiffen und Marinepräsenz, um seine Position faktisch durchzusetzen. Wenn ein ziviles Versorgungsschiff für Fischer nach philippinischer Darstellung gezielt gerammt wird, berührt das nicht nur Fragen der Sicherheit auf See, sondern auch die wirtschaftliche Existenz vieler Küstengemeinden, die auf Fischerei angewiesen sind.
Auswirkungen auf regionale Sicherheit und Alltag
Solche Vorfälle erhöhen das Risiko von Fehleinschätzungen und weiterer Eskalation zwischen den Staaten. Für die Menschen in den betroffenen Regionen bedeutet der Streit, dass Fahrten zu traditionellen Fanggebieten unsicherer werden und staatliche Unterstützung – wie die Versorgung mit Treibstoff – selbst zum Risiko werden kann. Zugleich beobachten andere Anrainerstaaten und Partner außerhalb der Region aufmerksam, ob und wie sich das Kräfteverhältnis im Südchinesischen Meer verschiebt. Für Leserinnen und Leser in Europa ist die Entwicklung bedeutsam, weil ein Großteil des Welthandels durch diese Gewässer verläuft und eine Destabilisierung langfristig auch Lieferketten und Preise beeinflussen kann.
