Portadown: Gericht erlaubt umstrittene Oranier-Parade an Garvaghy Road
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 06:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Wenige Stunden vor Beginn hat ein Gericht in Belfast die umstrittene Parade des protestantischen Oranier-Ordens entlang der Garvaghy Road in Portadown bestätigt.
Gericht bestätigt Entscheidung der Kommission
Der Umzug sollte um 8.00 Uhr Ortszeit und damit um 9.00 Uhr MESZ starten. Richter Michael Humphreys erklärte laut der britischen Nachrichtenagentur PA, das Gericht müsse die Entscheidung der zuständigen Parades Commission als öffentlicher Einrichtung respektieren.
Die Kommission hatte den Marsch durch den überwiegend katholisch-nationalistisch geprägten Stadtteil Drumcree zunächst erlaubt. Damit wurde den sogenannten Orangemen erstmals seit fast drei Jahrzehnten wieder eine Parade entlang der Garvaghy Road gestattet.
Mehrfacher Streit vor Gericht
Eine Anwohnergruppe focht die Genehmigung am Samstag an. Richterin Patricia Smyth erließ daraufhin eine einstweilige Verfügung und stoppte den Umzug wegen des erwarteten Eskalationspotenzials.
Ein Mitglied des Oranier-Ordens ging erfolgreich gegen diese Verfügung vor dem Berufungsgericht vor. Anschließend erhielt die Anwohnerkoalition erneut die Erlaubnis, diese Entscheidung vor dem High Court anzufechten. Die Bestätigung der Paraden-Genehmigung erfolgte schließlich in der Nacht.
Angespannte Lage an der Strecke
Auf der Garvaghy Road versammelte sich Medienberichten zufolge eine größere Menschenmenge. Vermummte blockierten demnach das nördliche Ende der Straße in Richtung Drumcree.
Seit 1998 hatte die Parades Commission den Marsch über die Straße untersagt. In den 1990er-Jahren war es im sogenannten Drumcree-Konflikt zu teils schweren gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen.
Ursprung des Oranier-Ordens
Der Oranier-Orden wurde 1795 in Portadown als Bund zur Erhaltung von Monarchie und Protestantismus gegründet. Seine Mitglieder suchten damals Schutz vor Angriffen irischer Katholiken.
Ein Streit mit historischer Sprengkraft
Die Garvaghy Road steht wie kaum ein anderer Ort für die ungelösten Spannungen in Nordirland. Der Streit um den Marsch des Oranier-Ordens war in den 1990er-Jahren ein Symbol für den Konflikt zwischen protestantisch-unionistischer und katholisch-nationalistischer Bevölkerung. Die wiederholten Verbote seit 1998 hatten die Route aus dem öffentlichen Leben des Ordens gedrängt, ohne den grundsätzlichen Gegensatz zwischen dem Anspruch auf traditionelle Märsche und dem Schutz betroffener Anwohner aufzulösen.
Rechtliche Entscheidung kurz vor dem Start
Die aktuelle Entscheidung verlagert die Auseinandersetzung zunächst in die Zuständigkeit der Parades Commission. Das Gericht begründet seine Zurückhaltung damit, dass die Kommission als zuständige öffentliche Einrichtung über die Genehmigung entscheiden müsse. Zugleich zeigt die Abfolge der einstweiligen Verfügung, der Berufung und der erneuten Anfechtung, wie umstritten die Abwägung zwischen Versammlungsfreiheit, religiös-politischer Symbolik und öffentlicher Sicherheit bleibt.
Bedeutung für Portadown
Für die Anwohner kann der Marsch als Rückkehr einer als provokativ empfundenen Route wahrgenommen werden; für den Oranier-Orden besitzt er den Charakter einer Wiederherstellung eines lange verweigerten Rechts. Entscheidend für die weitere Entwicklung dürften der tatsächliche Verlauf der Parade, die Reaktionen entlang der Strecke und der Umgang der Behörden mit möglichen Blockaden sein. Eine einzelne Genehmigung beendet den historischen Konflikt daher nicht, sondern macht die lokale Befriedung erneut sichtbar.
