Flydubai, Notlandung in Tabuk

Flydubai-Flug nach Tel Aviv landet nach Gewalt im Cockpit in Saudi-Arabien

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 14:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Ein Flydubai-Flug von Dubai nach Tel Aviv ist nach einem gewaltsamen Zwischenfall im Cockpit in Saudi-Arabien notgelandet. Israel prüft den Verdacht, dass ein Pilot versucht haben könnte, die Maschine mit rund 180 Passagieren zum Absturz zu bringen.

  • Ein Flydubai-Flieger hebt in Dubai ab.  - Bild: Uncredited/AP/dpa
    Ein Flydubai-Flieger hebt in Dubai ab. - Bild: Uncredited/AP/dpa
  • Ein Flugzeug hebt ab, während ein Flydubai-Flieger in Dubai auf dem Flughafen steht.  - Bild: Uncredited/AP/dpa
    Ein Flugzeug hebt ab, während ein Flydubai-Flieger in Dubai auf dem Flughafen steht. - Bild: Uncredited/AP/dpa
Ein Flydubai-Flieger hebt in Dubai ab.  - Bild: Uncredited/AP/dpa Ein Flugzeug hebt ab, während ein Flydubai-Flieger in Dubai auf dem Flughafen steht.  - Bild: Uncredited/AP/dpa

Ein Flydubai-Flug von Dubai nach Tel Aviv ist nach einem gewaltsamen Zwischenfall im Cockpit auf dem Flughafen Tabuk in Saudi-Arabien notgelandet.

Pilot soll Kollegen mit Messer verletzt haben

Nach übereinstimmenden Berichten israelischer Medien soll ein Pilot seinen Kollegen mit einem Messer verletzt haben. Passagiere halfen demnach, den Angreifer zu überwältigen. Israel prüft, ob der Mann versucht haben könnte, das Flugzeug gezielt zum Absturz zu bringen.

Für Berichte, wonach Israel zunehmend von einem gescheiterten Terroranschlag ausgehe, gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. Ein namentlich nicht genannter ranghoher israelischer Regierungsvertreter sagte dem Fernsehsender N12 jedoch, eine schwere Katastrophe sei verhindert worden.

Notruf führt Maschine nach Tabuk

Die Maschine drehte über Saudi-Arabien ab und landete nach einem Notruf auf dem dortigen Flughafen Tabuk. Flydubai bestätigte laut dem Sender Al-Arabija einen Vorfall an Bord.

Der Flughafen bestätigte die Notlandung und teilte mit, der Kapitän und der Erste Offizier seien verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Über weitere Verletzte gab es zunächst keine Angaben.

Codes 7700 und 7500 abgesetzt

Zuvor war berichtet worden, die Besatzung habe zunächst den Code 7700 für eine allgemeine Notlage und anschließend den Code 7500 für eine Flugzeugentführung abgesetzt. Das israelische Nachrichtenportal ynet berichtete, die Maschine sei zu Beginn des Vorfalls steil gesunken.

Dem Bericht zufolge habe ein Pilot mit Unterstützung von Passagieren verhindert, dass das Flugzeug abstürzte. Auf einem veröffentlichten Bild soll ein Passagier ein blutbeflecktes Hemd tragen. Ein weiterer Bericht zeigte demnach einen israelischen Passagier mit blutüberströmtem Gesicht unmittelbar nach dem Vorfall.

Angaben zur Herkunft widersprechen sich

Die Angaben zur Herkunft der Piloten waren zunächst widersprüchlich. Ynet berichtete, der tatverdächtige Copilot stamme aus dem Oman. Zuvor war von einem russischen Piloten und einem ukrainischen Copiloten die Rede gewesen.

Das russische Generalkonsulat in Dubai teilte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge mit, Berichte über einen russischen Piloten im Cockpit entsprächen nicht den Tatsachen. Nach Angaben des Konsulats habe die Airline mitgeteilt, dass kein russischer Staatsbürger an Bord gewesen sei.

Passagiere berichten von Panik

Eine Israelin sagte dem Sender N12, unter den Passagieren habe große Angst geherrscht. Es habe Schreie und Panik gegeben; mehrere Männer, darunter Israelis, hätten den Angreifer überwältigt. Den Passagieren gehe es inzwischen gut, die Situation hätte jedoch anders enden können.

Eine weitere Israelin berichtete von Schreien und viel Blut im Cockpit. Es habe Momente gegeben, in denen die Passagiere geglaubt hätten, sie würden die Situation nicht lebend überstehen.

Tatverdächtiger wird in Saudi-Arabien befragt

Eine israelische Sprecherin bestätigte, dass der tatverdächtige Copilot in Saudi-Arabien befragt werde. Die israelischen Passagiere warteten demnach auf ihre Heimreise.

Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu teilte mit, die Lage sei unter Kontrolle. Man unternehme alles, um die sichere Rückkehr der Passagiere zu gewährleisten.

Die Passagiere seien angewiesen worden, sitzenzubleiben und das Flugzeug nicht zu verlassen. Nur die beiden Piloten seien von Bord gebracht worden. Unklar war zunächst, ob die Passagiere mit einem Ersatzflugzeug oder mit einer Maschine der israelischen Luftwaffe nach Israel gebracht werden sollten.

Notlandung belastet sensibles Verhältnis

Nach Angaben der Flugdatenplattform Flightradar24 waren zwei weitere Flydubai-Maschinen von Dubai nach Tabuk unterwegs. Möglicherweise sollten sie die gestrandeten Passagiere aufnehmen. Ein weiteres Flugzeug der Fluggesellschaft landete demnach planmäßig in Tel Aviv.

Die Vereinigten Arabischen Emirate erkannten Israel 2020 im Rahmen eines Annäherungsabkommens an. Seitdem wurde die Zusammenarbeit unter anderem in Wirtschaft und Verteidigung ausgebaut. Dubai entwickelte sich für Israelis zu einem beliebten Reiseziel.

Israel und Saudi-Arabien unterhalten weiterhin keine diplomatischen Beziehungen. Beide Länder arbeiten nach Medienberichten dennoch in einzelnen Bereichen hinter den Kulissen zusammen. Eine mögliche Normalisierung gilt seit dem Gaza-Krieg als schwieriger.

Flugsicherheit unter außergewöhnlichen Bedingungen

Der Vorfall fällt in eine Region, in der zivile Luftfahrt und sicherheitspolitische Spannungen eng miteinander verbunden sind. Der Flug zwischen Dubai und Tel Aviv führte über einen Staat, mit dem Israel keine diplomatischen Beziehungen unterhält. Eine Notlandung in Tabuk erforderte deshalb zugleich eine schnelle luftfahrttechnische und diplomatische Abstimmung.

Die Codes 7700 und 7500 haben für die Luftverkehrskontrolle eine besondere Bedeutung: Der erste signalisiert eine allgemeine Notlage, der zweite einen Verdacht auf Entführung oder einen unrechtmäßigen Eingriff. Werden beide Meldungen nacheinander abgesetzt, kann dies eine unmittelbare Reaktion von Flugsicherung und Militär auslösen. Im Juli 2026 waren nach einem irrtümlichen Entführungsnotruf bereits israelische Kampfjets gestartet.

Politische und praktische Folgen

Für die rund 180 israelischen Passagiere geht es zunächst um medizinische Versorgung, Befragungen und die sichere Weiterreise. Die Beteiligung saudischer Behörden an der Aufnahme der Maschine ist angesichts der fehlenden diplomatischen Beziehungen politisch sensibel, bleibt aber auf die konkrete Notlage begrenzt.

Für die Ermittlungen sind nun insbesondere Cockpitdaten, Funkverkehr, Flugschreiber, Zeugenaussagen und die Verletzungsmuster relevant. Erst diese Informationen können klären, ob ein persönlicher Angriff, ein eskalierter Konflikt oder ein gezielter Versuch zur Beeinflussung des Flugverlaufs vorlag. Unabhängig vom Motiv zeigt der Fall, wie schnell ein Zwischenfall an Bord eines Passagierflugzeugs zu einer regionalen Sicherheitslage werden kann.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

DER SPIEGEL: „Notlandung in Saudi-Arabien: Piloten prügeln sich offenbar auf Linienflug von Dubai nach Tel Aviv“ (30.09.2026)

Der Bericht hebe hervor, dass die Maschine binnen kurzer Zeit mehrere Kilometer an Höhe verloren habe und Passagiere in den Konflikt eingegriffen hätten. Anders als die dpa-Meldung betone er außerdem die geplante Entsendung eines Ersatzflugzeugs; offen bleibe auch dort, welches Motiv hinter dem Vorfall gestanden habe.

Tagesspiegel: „Flydubai-Flug sendete Notsignal: Streit zwischen Piloten offenbar eskaliert“ (30.09.2026)

Der Artikel stelle den anfänglichen Verdacht einer Entführung dem später berichteten Streit zwischen den Piloten gegenüber und ordne die Landung in Tabuk in das Verhältnis zwischen Israel und Saudi-Arabien ein. Zusätzlich verweise er auf einen Fehlalarm im Juli 2026, bei dem israelische Kampfjets aufgestiegen seien; die zentrale Frage nach dem tatsächlichen Geschehen im Cockpit bleibe offen.

Beide Berichte bestätigten die Notlandung in Tabuk und den gewaltsamen Zwischenfall, setzten aber unterschiedliche Schwerpunkte: Der eine betone den möglichen Verlust an Flughöhe und die Passagierhilfe, der andere die Sicherheitsreaktion und den regionalen Kontext. Einigkeit bestehe darin, dass die Ermittlungen zum Motiv und zum Ablauf noch nicht abgeschlossen seien.

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