Drohnenangriff aus dem Irak: Saudi-Arabien stoppt zentrale Öl-Pipeline – Exportwege massiv bedroht
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 10:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSaudi-Arabien hat nach Drohnenangriffen aus dem Irak eine zentrale Ost-West-Pipeline vorsorglich stillgelegt und steht damit beim Öl-Export noch stärker unter Druck.
Pipeline nach Angriffen aus dem Irak gestoppt
Die Leitung transportiert große Mengen Rohöl aus der Förderregion am Persischen Golf zum Roten Meer und umgeht damit die weitgehend blockierte Straße von Hormus. Nach Attacken auf Abschnitte in den Regionen Riad und Medina wurde sie vorübergehend abgeschaltet. Das saudische Außenministerium teilte auf der Plattform X mit, der Drohnenangriff sei aus dem Irak gestartet worden, habe Schäden verursacht und mehrere Menschen verletzt. Nach Angaben des arabischen Fernsehsenders Al-Arabija machen die Behörden einen Drohnenbeschuss aus dem Irak für Opfer und Zerstörungen verantwortlich, wo mehrere vom Iran unterstützte Milizen aktiv sind.
Irak verurteilt Angriff und schließt Grenzübergänge
Die irakische Regierung verurteilte den Angriff auf Saudi-Arabien ausdrücklich, obwohl er vom eigenen Staatsgebiet ausgegangen war. Ministerpräsident Ali al-Saidi kündigte auf X eine Untersuchung der Hintergründe und rechtliche Schritte gegen alle Beteiligten an. Zugleich schloss der Irak die beiden wichtigsten offiziellen Grenzübergänge zum Nachbarland Iran, al-Schalamdscha und al-Schaib, für unbestimmte Zeit, ohne einen konkreten Grund dafür zu nennen.
Schlüsselrolle der Ost-West-Pipeline
Die mehr als 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline kann pro Tag bis zu sieben Millionen Barrel Öl vom Osten des Landes zum Roten Meer pumpen. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar und der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus nutzt Saudi-Arabien diese Route, um einen stärkeren Einbruch seiner Exporte zu vermeiden. US-Medien berichten unter Berufung auf Satellitenbilder, bei den jüngsten Angriffen seien Pumpstationen getroffen worden, wodurch Brände entstanden seien. Umfang und Dauer der Schäden sind bislang unklar, die Infrastruktur war bereits im April Ziel von Angriffen.
Huthi-Miliz bedroht Bab al-Mandab
Parallel dazu wächst die Gefahr auf Saudi-Arabiens wichtigster Alternativroute über das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab. Nach Angaben jemenitischer Regierungsstellen haben die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen die gesamte Küste des Roten Meers im Jemen sowie strategische Inseln eingenommen und damit ihren Zugriff auf die Meerenge ausgebaut. Ein Sprecher der Huthi erklärte zwar, die Sicherheit der Schifffahrt werde gewährleistet, dies solle jedoch nicht für saudische Schiffe gelten. Die Miliz hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach Schiffe im Gebiet angegriffen.
Engpass für globale Energie- und Handelsströme
Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean und ist Teil einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt zwischen Europa und Asien. Die Meerenge ist an ihrer schmalsten Stelle nur rund 20 Kilometer breit. Fachleute sehen dort kaum Möglichkeiten, einen gegen Angriffe geschützten Korridor einzurichten, anders als in Teilen der Straße von Hormus. Das Institut für Kriegsstudien ISW verweist darauf, dass die neuen Positionen der Huthi entlang der Küste und auf einer Insel in der Meerenge es der Miliz ermöglichen, auch mit vergleichsweise kurzreichweitigen Drohnen die Schifffahrt zu bedrohen.
Ölpreis auf hohem Niveau – weitere Anstiege möglich
Der Druck auf die saudischen Exportwege und der Vormarsch der Huthi könnten nach Einschätzung von Marktbeobachtern den Ölpreis weiter in Richtung 120 US-Dollar pro Barrel treiben. Entscheidend sei, wie lang die Pipeline außer Betrieb bleibt und ob sich die Lage an den Seewegen weiter zuspitzt. Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent mit Lieferung im November lag zuletzt zeitweise bei fast 110 US-Dollar. Vor Beginn des Iran-Kriegs hatte der Ölpreis im Februar noch bei rund 70 Dollar gelegen, als etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggasexporte über die Straße von Hormus abgewickelt wurde.
Zange um Saudi-Arabien schließt sich
Im Osten Saudi-Arabiens bleibt die Passage durch die Straße von Hormus stark eingeschränkt, im Westen ist die Meerenge Bab al-Mandab zunehmend bedroht. Damit sind die wichtigsten Routen für saudische Ölexporte gleich doppelt belastet. Ein Teil der Lieferungen kann weiterhin über den Suezkanal und das Mittelmeer Richtung Europa und über den Umweg um Afrika verschifft werden, doch diese Routen sind länger, teurer und setzen teilweise eine funktionierende Ost-West-Pipeline voraus, weil die großen Ölfelder des Landes im Osten liegen. Saudi-Arabien war vor dem Krieg hinter den USA der zweitgrößte Ölproduzent und wichtigste Öl-Exporteur weltweit.
Strategische Verwundbarkeit Saudi-Arabiens
Die Stilllegung der saudischen Ost-West-Pipeline trifft das Königreich in einer Phase, in der seine traditionellen Exportwege bereits stark eingeschränkt sind. Seit Beginn des Iran-Kriegs ist die Straße von Hormus durch wiederholte Angriffe und Drohungen so stark beeinträchtigt, dass ein erheblicher Teil der Öl- und Flüssiggastransporte dort nicht mehr sicher abgewickelt werden kann. Parallel dazu verschärft der Vormarsch der mit Teheran verbündeten Huthi-Miliz entlang der jemenitischen Küste und auf strategisch wichtigen Inseln den Druck auf die Meerenge Bab al-Mandab, die bislang als zentrale Ausweichroute galt.
Regionale Machtprojektion und Energierouten
Die aktuelle Entwicklung verdeutlicht, wie eng militärische Konflikte, Stellvertreterakteure und globale Energieversorgung miteinander verknüpft sind. Der Iran kann über eigene Streitkräfte in der Straße von Hormus und über verbündete Milizen wie die Huthi im Bab al-Mandab gleich zwei Nadelöhre des Welthandels beeinflussen. Gleichzeitig bleibt Saudi-Arabien auf eine funktionierende Ost-West-Pipeline angewiesen, um Öl aus den großen Fördergebieten im Osten überhaupt an seine Terminals am Roten Meer und weiter Richtung Suezkanal zu bringen. Werden Pipeline-Kapazitäten und Seewege zugleich bedroht, steigt das Risiko, dass selbst kurzzeitige Schäden oder Unterbrechungen die Marktstimmung erheblich verändern.
Folgen für Energiepreise und Verbraucher
Die jüngsten Preisbewegungen am Ölmarkt zeigen, wie sensibel die Märkte auf solche Risiken reagieren: Der Brent-Preis ist binnen weniger Monate von rund 70 auf zeitweise fast 110 US-Dollar je Barrel gestiegen. Analysten verweisen darauf, dass schon die Erwartung weiterer Störungen – etwa längerer Reparaturen an der Pipeline oder zusätzlicher Angriffe auf Schiffe – ausreichen kann, um Preise weiter Richtung 120 Dollar und darüber zu treiben. Für Verbraucher in Deutschland und Europa bedeutet dies potentiell anhaltend hohe oder weiter steigende Benzin- und Dieselpreise. Unternehmen mit hohem Energiebedarf müssen sich auf steigende Kosten und mögliche Weitergabe der Preisrisiken entlang der Lieferketten einstellen, während Staaten und Zentralbanken mit zusätzlichen Inflationsimpulsen im Energiesektor konfrontiert werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Focus: „Huthis rücken vor: Meerstraße Bab al-Mandab droht Blockade“ (10.09.2026)
Der Bericht schildert, die Huthi-Miliz habe die Hafenstadt Mocha und die Insel Zuqar unter ihre Kontrolle gebracht und rücke damit näher an die Meerenge Bab al-Mandab heran. Er hebe hervor, dass Bab al-Mandab durch die gleichzeitige Beeinträchtigung der Straße von Hormus zusätzliche strategische Bedeutung erlange und dass eine wichtige saudische Pipeline nach Angriffen außer Betrieb sei. Zudem werde der Konflikt in einen größeren Kontext militärischer Auseinandersetzungen zwischen Iran und den USA im Golf eingeordnet.
n-tv: „Huthi-Miliz nimmt Stadt an Meerenge Bab al-Mandab ein“ (10.09.2026)
Der Beitrag beschreibt, die Huthi hätten die Hafenstadt Mokka erobert und damit einen zentralen Zugang zur Meerenge Bab al-Mandab unter ihre Kontrolle gebracht. Er stelle heraus, dass von dort aus Angriffe oder Störungen der Schifffahrt im Roten Meer leichter möglich seien und dass Bab al-Mandab seit dem Iran-Krieg verstärkt als Ersatzroute für die eingeschränkte Straße von Hormus diene. Zudem werde betont, die Huthi verfolgten eigene Ziele im jemenitischen Bürgerkrieg, handelten aber zugleich im Sinne Teherans.
Deutschlandfunk: „Huthi-Miliz nimmt stratgisch wichtige Hafenstadt Mokka ein“ (10.09.2026)
Der Bericht ordne die Einnahme Mokkas als größten Gebietsgewinn der Huthi seit der Waffenruhe von 2022 ein und betone, die Kontrolle über die Stadt verschaffe dem Iran zusätzliche Einflussmöglichkeiten auf eine zentrale Handelsroute. Zudem werde hervorgehoben, dass die Bedeutung des Bab al-Mandab für die Energieversorgung gewachsen sei, seit der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus beeinträchtige. Der Beitrag stelle die militärische Lage im Jemen und die Rolle Saudi-Arabiens als Unterstützer der Regierung ausführlich dar.
Medienübergreifend werde übereinstimmend dargestellt, dass der Vormarsch der Huthi an der jemenitischen Küste und rund um Bab al-Mandab die Sicherheitslage für den Schiffsverkehr weiter verschärfe und die strategische Bedeutung dieser Route deutlich steige. Unterschiede zeigten sich vor allem im Schwerpunkt: Während einige Berichte stärker die regionale Militärdynamik und das Eingreifen der USA und des Irans beleuchten, stellten andere die langfristigen Folgen für Energieversorgung und Handelsströme in den Vordergrund.
