Schwarzes Meer, Drohnenangriffe

Drohnen treffen zwei Schiffe vor Bulgariens Küste erneut

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 10:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Vor der bulgarischen Küste sind zwei weitere Handelsschiffe von Drohnen getroffen worden. Sofia reagiert mit einer diplomatischen Einbestellung und bittet EU und Nato um technische Unterstützung bei der Aufklärung.

Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radev zufolge gab es vor der Küste des Landes erneut Drohnenangriffe auf kommerzielle Schiffe. (Archivfoto) - Bild: Michael Kappeler/dpa
Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radev zufolge gab es vor der Küste des Landes erneut Drohnenangriffe auf kommerzielle Schiffe. (Archivfoto) - Bild: Michael Kappeler/dpa

Neue Angriffe nahe Bulgariens Küste

  • Das ukrainische Handelsschiff „Chelsea 3“ wurde 33 Kilometer östlich von Bjala von drei Drohnen getroffen.
  • 15 Besatzungsmitglieder wurden in Sicherheit gebracht, fünf von ihnen werden wegen leichter Verletzungen behandelt.
  • Ein zweites Schiff wurde 31 Kilometer vor Krapez nahe der rumänischen Grenze getroffen und sank; ein Besatzungsmitglied wurde gerettet.

Vor der bulgarischen Schwarzmeerküste sind nach Angaben der Regierung in Sofia erneut zwei Handelsschiffe mit Drohnen angegriffen worden.

Such- und Rettungseinsatz läuft

Die bulgarischen Behörden starteten einen Such- und Rettungseinsatz. Ministerpräsident Rumen Radew bezeichnete die Angriffe, die sich in der ausschließlichen Wirtschaftszone und nahe dem bulgarischen Hoheitsgebiet ereigneten, als „absolut inakzeptabel“.

Beim ersten Vorfall wurde die „Chelsea 3“ rund 33 Kilometer östlich des Küstenortes Bjala von drei Drohnen getroffen. Alle 15 Besatzungsmitglieder konnten sich in Sicherheit bringen; fünf Seeleute werden wegen leichter Verletzungen medizinisch behandelt.

Schiff nahe rumänischer Grenze gesunken

Der zweite Angriff ereignete sich rund 31 Kilometer vor Krapez nahe der rumänischen Grenze. Das getroffene Schiff sank, ein Besatzungsmitglied wurde gerettet.

Nach dem Vorfall kam in Sofia der Sicherheitsrat des Ministerrats zusammen. Radew kündigte an, die russische Botschafterin in Bulgarien, Eleonora Mitrofanowa, zu einem Gespräch einzubestellen.

Sofia fordert technische Unterstützung

Bulgarien will die Überwachung seines Luftraums und des Schwarzen Meeres verstärken. Radew sollte zudem mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte über die Angriffe sprechen.

Wer für die jüngsten Attacken verantwortlich ist, könne Bulgarien noch nicht mit Gewissheit sagen, erklärte Radew. Alles deute jedoch darauf hin, dass die Angriffe den Zielen Russlands förderlich seien.

EU verurteilt neue Eskalation

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kritisierte die Angriffe als weitere Eskalation des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, erklärte sie und sagte Bulgarien die Unterstützung der EU zu.

Bereits gut eine Woche zuvor waren vor der bulgarischen Küste Frachtschiffe durch Drohnen beschädigt worden; eines sank. Sofia hatte daraufhin EU und Nato um technische Hilfe bei den Ermittlungen gebeten. Kiew machte Moskau für die früheren Angriffe verantwortlich.

Schwarzes Meer wird zum erweiterten Kriegsraum

Die erneuten Angriffe zeigen, dass die Gefährdung der Handelsschifffahrt nicht auf die unmittelbare Frontlinie beschränkt bleibt. Die betroffenen Schiffe befanden sich in der ausschließlichen Wirtschaftszone Bulgariens und damit in einem Seegebiet eines EU- und Nato-Mitglieds. Für die Küstenstaaten erhöht das den Druck, Überwachung, Seenotrettung und die Aufklärung mutmaßlicher Angriffe enger zu verzahnen.

Die politische Brisanz liegt zugleich in der ungeklärten Urheberschaft. Sofia verdächtigt Russland und bestellt die russische Botschafterin ein, kündigt aber parallel technische Gespräche mit EU, Nato und dem Bündnisgeneralsekretär an. Damit verbindet Bulgarien die politische Reaktion mit dem Versuch, belastbare Erkenntnisse über Flugbahnen, eingesetzte Drohnen und mögliche Startorte zu gewinnen.

Folgen für Schifffahrt und Sicherheit

Für Reedereien bedeutet die Entwicklung höhere Risiken bei Routen, Versicherungen und der Planung von Hafenanläufen. Besonders empfindlich ist der Getreide- und Rohstofftransport, weil das Schwarze Meer eine zentrale Verbindung zwischen ukrainischen, rumänischen und bulgarischen Häfen bildet. Jeder weitere Vorfall kann Ausweichrouten verteuern und die Bereitschaft von Besatzungen und Unternehmen zur Nutzung der Region senken.

Die jüngsten Ereignisse verschärfen außerdem die Debatte über den Schutz kritischer Seewege, ohne automatisch einen Bündnisfall auszulösen. Entscheidend wird sein, ob Bulgarien und seine Partner die Angriffe einzelnen Akteuren zuordnen können und welche Maßnahmen daraus folgen. Bis dahin bleiben verstärkte Überwachung, abgestimmte Ermittlungen und der Schutz der zivilen Schifffahrt die naheliegenden nächsten Schritte.

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