Serbien: RTS-Intendantin Manja Grcic tritt nach Wahl zurück
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 22:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für Serbiens Rundfunk
- Manja Grcic übte ihr Amt nach der Wahl noch drei Tage aus, um einen geordneten Übergang zu sichern.
- RTS war seit Februar dieses Jahres unter ihrer Leitung.
- Die oppositionelle Studentenliste errang bei der vorgezogenen Wahl einen klaren Sieg.
Rücktritt nach der Parlamentswahl
Drei Tage nach der vorgezogenen Parlamentswahl in Serbien ist die Intendantin des staatlichen Fernsehsenders RTS, Manja Grcic, zurückgetreten. Sie erklärte, sie habe die vergangenen Tage im Amt ausgeharrt, um einen ordnungsgemäßen Übergang zu sichern.
Grcic sieht Hindernis für Veränderungen
In ihrem Rücktrittsbrief schrieb Grcic, ihr sei bewusst, dass ein Teil der Öffentlichkeit selbst ihren vorübergehenden Verbleib als Hindernis für Veränderungen wahrnehme. RTS veröffentlichte das Schreiben auf seiner Webseite.
Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am vergangenen Sonntag errang die Liste der oppositionellen Studentenbewegung einen fulminanten Sieg. Damit endete die Ära des populistischen Langzeitherrschers Aleksandar Vucic, der 14 Jahre lang die Politik des Balkanlandes bestimmt hatte.
Sender stand in der Kritik
Vucic hatte in wechselnden Funktionen, darunter als Ministerpräsident und Staatspräsident, die Demokratie abgebaut und die Medienfreiheit eingeschränkt. RTS diente weitgehend den Machtinteressen von Vucic und seinem Umfeld.
Formal ist der Sender als öffentlich-rechtliche Anstalt etabliert. Oppositionelle und regierungskritische Stimmen blieben jedoch unterrepräsentiert.
Intendantin erst seit Februar im Amt
Grcic war zuvor als Managerin bei regierungsnahen Medien tätig. Im Februar dieses Jahres wurde sie zur Intendantin von RTS ernannt.
Der Rücktritt fällt in eine Phase, in der Serbiens Medienordnung nach dem Machtwechsel unter besonderem Druck steht. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk RTS besitzt wegen seiner landesweiten Reichweite eine zentrale Bedeutung für politische Information und die öffentliche Debatte.
Die Studentenbewegung hatte den Sender zuvor wegen einer aus ihrer Sicht einseitigen Berichterstattung kritisiert und Rücktritte in der Führung sowie in der Nachrichtenredaktion gefordert. Der Schritt der Intendantin erfüllt damit eine zentrale personelle Forderung der Protestbewegung, beantwortet aber noch nicht die institutionelle Frage, wie redaktionelle Unabhängigkeit künftig abgesichert werden soll.
Umbau des Rundfunks als politische Aufgabe
Ein Neuanfang bei RTS würde mehr voraussetzen als einen Wechsel an der Spitze. Entscheidend wären transparente Verfahren für die Besetzung von Leitungspositionen, nachvollziehbare redaktionelle Standards und eine ausgewogenere Darstellung politischer Akteure. Auch die Aufarbeitung früherer Berichterstattung könnte für das Vertrauen des Publikums wichtig werden.
Für die neue politische Mehrheit ist der Rundfunk damit ein früher Prüfstein. Sie muss zeigen, ob der angekündigte institutionelle Umbau dauerhaft unabhängige Strukturen schafft oder lediglich die politische Kontrolle über den Sender wechselt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: „Serbischer Fernsehsender entschuldigt sich für Vu?i?-freundliche Berichterstattung“ (28.10.2026)
Der Beitrag berichte über eine Entschuldigung eines anderen staatlichen Senders für jahrelang einseitige Berichterstattung und ordne sie in die Forderungen der Studentenbewegung nach einem Umbau der Medien ein. Anders als die dpa-Meldung über den Rücktritt bei RTS liege der Schwerpunkt dort auf der öffentlichen Aufarbeitung und weiteren personellen Konsequenzen bei staatlichen Medien.
Der Artikel verdeutliche damit, dass der Rücktritt der RTS-Intendantin Teil eines breiteren Drucks auf den öffentlich finanzierten Rundfunk sei. Offen bleibe, ob die personellen Veränderungen zu dauerhaft unabhängigen redaktionellen Strukturen führten.
